Elektroautos boomen

Autos mit Alternativantrieb nehmen EU-weit Fahrt auf

Donnerstag, 07. September 2017 | 11:50 Uhr

In der EU werden immer öfter Autos mit alternativen Antrieben angeschafft – wohl auch wegen hoher Prämien und Bestrebungen der Politik, sich vom Verbrennungsmotor zu verabschieden. Im ersten Halbjahr stieg die Anzahl neuzugelassener Fahrzeuge mit alternativen Antrieben EU-weit um 38 Prozent auf 417.894. In Österreich kletterten die Neuzulassungen solcher Autos indes um 62 Prozent auf 6.878.

Dies teilte der europäische Branchenverband ACEA am Donnerstag in Brüssel mit. Demnach wurden hierzulande im ersten Halbjahr 3.386 Elektroautos neu zugelassen, ein Plus von 32 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Neuzulassungen von Elektro-Hybrid-Fahrzeugen legten in der ersten Jahreshälfte sogar um 142 Prozent auf 3.309 zu.

In der EU wurden die meisten E-Autos im ersten Halbjahr in Deutschland (22.465), Großbritannien (22.370) und Frankreich (18.464) neu zugelassen. Außerhalb der EU ist Norwegen, vor allem wegen umfangreicher Förderungen, Vorreiter bei der E-Mobilität: Dort legte der Absatz von Elektroautos in den ersten sechs Monaten um 23 Prozent auf 27.202 zu.

Bei den Neuzulassungen von Elektro-Hybrid-Fahrzeugen hatten Großbritannien (36.287), Frankreich (34.460) und Italien (32.420) die Nase vorn. Insgesamt wurden in Italien im ersten Halbjahr 123.301 Fahrzeuge mit alternativen Antrieben (+18 Prozent) zugelassen – der Großteil, nämlich 88.561 Stück, entfiel aber auf “andere alternative Antriebe” wie Gas.

Der Marktanteil von Fahrzeugen mit alternativen Antrieben ist insgesamt nach wie vor gering: Im zweiten Quartal 2017 machten sie EU-weit erst 5,1 Prozent aller verkauften Autos aus.

Dass der Umstieg auf ein abgasfreies E-Auto nicht nur die Belastung für Klima und Gesundheit senkt, sondern letztlich auch die Geldbörse schont, ist unterdessen das Ergebnis des “Faktencheck E-Mobilität”, herausgegeben vom Klima- und Energiefonds und VCÖ. E-Auto-Besitzer sparen demnach im Schnitt 500 bis 600 Euro pro Jahr an Spritkosten. Auch die laufenden Kosten für Versicherung und Wartung wären geringer.

In der Produktion würden E-Autos derzeit tatsächlich mehr Energie als herkömmliche Verbrennungsmotoren verbrauchen, entscheidend sei aber der Energiemix. Gerade hier habe Österreich deutliche Vorteile gegenüber anderen Staaten. Berücksichtige man den gesamten Lebenszyklus der Fahrzeuge inklusive Batterieproduktion, verursachen Elektrofahrzeuge gegenüber fossil betriebenen Kraftfahrzeugen um 70 bis 90 Prozent weniger CO2, nämlich statt rund 175 g pro Personenkilometer nur rund 20 g über den Fahrzeuglebenszyklus hinweg. Zudem reduzierten Elektromotoren auch den Verkehrslärm und die Gesundheitsbelastung durch gefährliche Schadstoffe wie Stickoxide.

Aufgeräumt wird mit dem Mythos, der erhöhte Strombedarf für E-Autos könne nur mit Fossil- und Atomenergie gedeckt werden. Der Umstieg auf das E-Fahrzeug gehe zwar mit einem höheren Strombedarf einher, zugleich werde aber der Gesamtenergiebedarf durch die Effizienz des Elektromotors gesenkt. “Stiegen rund 20 Prozent aller Pkw in Österreich auf Elektroantrieb um – das wären 1 Million Fahrzeuge -, würde der heimische Strombedarf gegenüber dem Jetztstand rechnerisch um nur rund 3,6 Prozent steigen”, so Faktencheck-Autor Georg Günsberg. Diese Menge sei in den kommenden Jahren relativ leicht durch neue Ökostromanlagen in Österreich abdeckbar. Laut einer Studie der TU Wien sei eine 100-prozentige Abdeckung des heimischen Strombedarfs mit erneuerbarer Energie bis 2030 umsetzbar – und das ohne signifikante Mehrkosten.

Auch die heimische Wirtschaft könnte vom Ausbau der E-Mobilität profitieren, zum Beispiel als Batterie-Entwickler oder Zulieferer von Hightech-Kabeln und Informationstechnologien. Die Autoren verweisen auf die E-MAPP-Studie aus dem Jahr 2016, wonach bis 2030 insgesamt bis zu 33.900 Jobs entstehen und 3,1 Mrd. Euro Wertschöpfung in Österreich generiert werden könnte. Zusätzlich könne der Ausstieg aus dem fossil betriebenen Auto Milliardeneinsparungen bei den Energieimporten bringen. E-Fahrzeuge würden außerdem zur Reduktion von CO2-Vermeidungskosten und durch reduzierte Schadstoffe zu geringeren Gesundheitskosten beitragen.

Der “Faktencheck E-Mobilität” ist eine Spezialausgabe der seit 2014 erscheinenden “Faktencheck”-Reihe zur Zukunft der Energieversorgung und bietet eine umfassende Aufarbeitung der aktuellsten Daten, Fakten und Argumente in der Diskussion zur Mobilität der Zukunft.

Von: apa

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1 Kommentar auf "Autos mit Alternativantrieb nehmen EU-weit Fahrt auf"


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lupo990
lupo990
Tratscher
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