700 von 823 Forstinger-Mitarbeitern sollen ihren Job behalten

Autozubehörkette Forstinger mit 800 Leuten insolvent

Mittwoch, 31. Januar 2018 | 19:52 Uhr

Die Autozubehörkette Forstinger ist nach mehr als eineinhalb Jahrzehnten erneut in die Insolvenz geschlittert. Beim Landesgericht St. Pölten wurde am Mittwoch ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung beantragt, für das eine Quote von mindestens 20 Prozent erforderlich ist. Das Unternehmen mit zuletzt 800 Mitarbeitern soll fortgeführt werden. Bis zu 15 der 108 Filialen sollen zusperren.

Rund 700 der 823 Forstinger-Mitarbeiter sollen ihren Job behalten, sieht der Sanierungsplan vor. Ein entscheidender Punkt darin ist auch die Neuverhandlung von Mietverträgen. Alle derzeit bestehenden 108 Filialen und die Firmenzentrale werden gemietet. Einige Mietverträge sind – wie ein Forstinger-Sprecher im Gespräch mit der APA am Mittwoch bestätigte – in den vergangenen Jahren bereits herabverhandelt worden. “Die Kosten wurden um zwei Millionen Euro gesenkt.” Das reichte aber nicht: “Bei einigen Standorten mit langfristigen Mietverträgen liegt der Quadratmeterpreis weiterhin deutlich über den vier bis fünf Euro, die sie vertragen.”

Geboten wird eine Quote von 20 Prozent, zahlbar binnen zwei Jahren, teilte der Kreditschutzverband KSV1870 mit. “Der KSV1870 wird prüfen, ob diese angebotene Quote adäquat und erfüllbar ist.” Der Firmensprecher betonte, dass die angebotene 20-Prozent-Quote nur erreicht werden könne, “wenn das Sanierungsverfahren von den Gläubigern angenommen wird. Andernfalls ist im besten Fall mit einer Quote von unter acht Prozent zu rechnen.”

364 Gläubiger (ohne Mitarbeiter) sind betroffen. Dazu kommt laut dem weiteren Gläubigerschutzverband AKV eine unbekannte Anzahl an nicht namentlich bekannten Gutscheingläubigern. Die Passiva belaufen sich auf gut 31 Mio. Euro, rund 27 Mio. Euro davon sind unbesichert.

Gutschein-Besitzer schauen aber nicht ganz durch die Finger. Gläubigerschützer teilten nach einer Verhandlungsrunde eine Lösung mit: Gutscheine, Gutscheinkarten und Gutschriften aus der Rückvergütung (der so genannten “Forstinger-Forteilskarte”) würden ab sofort zu 100 Prozent ab einem Einkauf zum dreifachen Wert des Gutscheines, der Gutscheinkarte oder einer Gutschrift aus der Rückvergütung (Vorteilskarte) eingelöst. Das heißt zum Beispiel, ab einem Verkaufspreis von 60 Euro kann ein Gutschein von 20 Euro eingelöst werden, der Rest muss bar bezahlt werden.

Einlösungen unter dem dreifachen Wert sind nicht möglich, hieß es in der Mitteilung. Außerdem werden Gutscheine nur in den Filialen entgegengenommen, eine Einlösung im Onlineshop gibt es nicht. Kunden, die das Modell nicht in Anspruch nehmen wollen, können ihre Forderungen als Insolvenzforderungen beim Landesgericht St. Pölten anmelden. Gutscheinbesitzer werden in der Insolvenz zu Gläubigern.

Ansatzpunkte im Sanierungsplan sind neben der Neuverhandlung der Mietverträge das Heben neuer Einkaufspotenziale und der Ausbau des Sortiments, dessen Absatz zuletzt wuchs. Das sind laut dem Sprecher beispielsweise Elektrofahrräder und auch Pickerl-Services.

Die Mitarbeiterlöhne für Jänner sind jedenfalls ausgeblieben. Diese werden vom Insolvenzentgeltfonds (IEF) ausbezahlt. “Ab Eröffnung des Sanierungsverfahrens werden die Löhne wieder pünktlich bezahlt”, versprach der Unternehmenssprecher mit Verweis auf die nächsten Löhne und Gehälter für Februar.

Bei der Forstinger-Pleite handelt es sich um die zweitgrößte heuer in ganz Österreich. Der Konkurs der Niki Luftfahrt GmbH war mit 153 Mio. Euro noch deutlich größer, so der KSV1870. Beide Insolvenzen sind im Land Niederösterreich anhängig.

Forderungen von Gläubigern sind bis spätestens 13. März beim Landesgericht St. Pölten einzubringen. Die allgemeine Prüfungstagsatzung (Prüfung der rechtzeitig angemeldeten Forderungen) findet am 27. März statt.

Von: apa