Die Wirtschaft der autonomen Provinzen Trient und Bozen

Banca d’Italia sieht Besserung im Trentino-Südtirol

Mittwoch, 10. Juni 2015 | 16:47 Uhr

Bozen – Die Banca d’Italia nimmt die wirtschaftliche Situation auch in der Region Trentino-Südtirol unter die Lupe. Zur gewerblichen Wirtschaft meint die Banca d’Italia Folgendes: 2014 stagnierte die Wirtschaftstätigkeit in Trentino-Südtirol. Nach den Schätzungen von Prometeia blieb das regionale BIP auf dem Stand von 2013 gegenüber einem Rückgang um 0,4 Prozent auf nationaler Ebene (Daten des Istat).

Die Produktionstätigkeiten

Die verarbeitende Industrie – Im verarbeitenden Gewerbe gab es Zeichen eines Aufschwungs, gestützt auch durch die Auslandsnachfrage. Diese Verbesserung scheint 2015 anzuhalten. Nach den Umfragen der Banca d’Italia stieg 2014 der Umsatz in der Region um 2,1 Prozent in realen Werten; im laufenden Jahr wird eine Beschleunigung erwartet. Die Kapitalakkumulation begann nach einem lang anhaltenden, deutlichen Rückgang wieder zu wachsen.

Von 2008 bis 2013 sank die Produktionskapazität der Unternehmen mit Geschäftssitz in der Region, verstanden als maximal mögliche Produktion bei voller Auslastung der Anlagen, um 18 Prozent. Der Rückgang lag damit über dem Durchschnitt Gesamtitaliens und des Nordostens. In erster Linie waren die kleineren Unternehmen davon betroffen.

Die Umfragen der örtlichen Handelskammern bestätigen die Zeichen des Aufschwungs: In Südtirol erklärten sich über drei Viertel der Unternehmer mit ihrer Ertragslage zufrieden (2013 waren es 65 Prozent). Im Trentino wurde eine Steigerung bei Umsatz, Produktionswert und Aufträgen verzeichnet. Die Aussichten für 2015 lassen eine weitere Verbesserung erwarten, ausgehend von den mittleren-großen Unternehmen.

Der Außenhandel – 2014 hielt die wertmäßige Zunahme der Auslandsverkäufe in beiden Provinzen an. Das Wachstum betrug 3,1 Prozent in der Provinz Bozen und 1,0 Prozent in der Provinz Trient. Die Erhöhung der Exporte wurde in Südtirol praktisch von allen Sektoren mitgetragen, die Hauptantriebskraft aber lag im Bereich Metalle und Metallwaren; der einzige negative Beitrag kam von der Landwirtschaft, die einen Rückgang ihrer Exporte um 3,5 Prozent hinnehmen musste. Die lokale Wirtschaft wird auch weiterhin von der Auslandsnachfrage gestützt, die in Südtirol höher ist, da die Unternehmen auf den ausländischen Märkten stärker präsent und in den internationalen Wertschöpfungsketten besser verankert sind.

Das Bauwesen und der Immobilienmarkt
– In der Provinz Bozen gab es erste Anzeichen eines Aufschwungs im Bauwesen, die in einer Zunahme der gearbeiteten Stunden (6,8 Prozent) und der Arbeitnehmer (2,8 Prozent) ersichtlich wurden. Es wird auch weiterhin eine leichte Verbesserung erwartet, bei einer insgesamt jedoch noch lange nicht stabilen Situation (nach den Konjunkturumfragen der örtlichen Handelskammer). Im Trentino hielt die Krise im Bauwesen an, das erneut einen Rückgang sowohl der gearbeiteten Stunden, als auch der Arbeitnehmer verzeichnete. In beiden Provinzen setzte sich die rückläufige Entwicklung der öffentlichen Arbeiten fort.

Die Schwäche im Bauwesen hatte Auswirkungen auf die gesamte Produktionskette der Immobilienwirtschaft: Von 2007 bis 2013 verminderte sich der Gesamtumsatz der Unternehmen der Produktionskette um fast 7 Prozent in der Provinz Bozen und um über 30 Prozent in der Provinz Trient.

Der Dienstleistungsbereich – Der tertiäre Sektor verzeichnete einige Schwierigkeiten im Zusammenhang mit der Verschlechterung im Tourismus. Als Folge der ungünstigen Wetterlage verringerten sich die Übernachtungszahlen um 2,0 Prozent in Südtirol und um 0,7 Prozent im Trentino, während die Ankünfte leicht stiegen. Im Südtiroler Großhandel blieb der Anteil der Unternehmen, die mit ihrer Ertragslage zufrieden waren, im Wesentlichen unverändert auf dem niedrigen Stand der letzte fünf Jahre (bei ca. 60 Prozent), verbesserte sich jedoch im Einzelhandel etwas (von 73 auf 78 Prozent). Im Trentino mussten beide Bereiche einen Umsatzschwund (um knapp über 1 Prozent) verbuchen.

Der Arbeitsmarkt

2014 hielt sich die Beschäftigung weiterhin in beiden Provinzen, getragen von der weiblichen Komponente. In der Provinz Bozen wuchs die Anzahl der Beschäftigten um 0,2 Prozent und die Beschäftigungsrate erreichte 70,8 Prozent (1,3 bzw. 65,9 Prozent in der Provinz Trient). Die Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt bleiben für die 15-34jährigen besonders schwierig, deren Beschäftigtenrate erneut abnahm, wodurch sich der Unterschied zur Bevölkerung im Alter von 35 bis 64 Jahre weiter erhöhte und in Südtirol 20 Prozentpunkte erreichte (25 Punkte im Trentino).

Die Arbeitslosenrate blieb unverändert bei 4,4 Prozent in der Provinz Bozen, ein hoher Wert gegenüber der Vergangenheit, im gesamtitalienischen Vergleich aber noch immer gemäßigt. In der Provinz Trient nahm die Arbeitslosenrate als Folge des steigenden Arbeitsangebots erneut zu (von 6,5 auf 6,9 Prozent)

Die Unternehmen und die privaten Haushalte während der Krise

Die lang anhaltende Krise wirkte sich auf die Wirtschaft in den Provinzen Trient und Bozen unterschiedlich aus: Von 2007 bis 2012 stieg der Mehrwert (zu konstanten Preisen) um ein Prozent in Südtirol, während er im Trentino um 5,6 Prozent abnahm (-6,6 Prozent in Italien).

Die Südtiroler Betriebe verzeichneten eine Umsatzsteigerung und eine bessere Beschäftigungslage, bei einem geringen Rückgang der Investitionen. Die Performance der großen Unternehmen war überdurchschnittlich hoch und wirkte als Antriebskraft auf die übrige Wirtschaft. Die Trentiner Unternehmen verzeichneten einen Rückgang der Beschäftigten und stagnierenden Absatz quer durch alle Bereiche und Größenklassen. Das wirkte sich auf die Kapitalakkumulation aus, die nur teilweise durch Maßnahmen der öffentlichen Hand gestützt wurde.

Die Landwirtschaft trägt im nationalen Vergleich überdurchschnittlich stark zum Mehrwert der beiden Provinzen bei. Die Daten der allgemeinen Erhebungen der Landwirtschaft durch das Istat zeigen, dass von 2000 bis 2010 im Landwirtschaftssektor, der auf Qualitätsprodukte und zertifizierte Produkte spezialisiert ist, eine Konzentration der Tätigkeiten auf größere Betriebe stattfand. Analoge Entwicklungen gab es auch im Transportwesen: Seit Beginn des letzten Jahrzehnts verzeichnete dieser Sektor expandierende Beschäftigten- und Umsatzzahlen. Dieses Wachstum fand in erster Linie in den größeren Betrieben statt, während die kleineren Unternehmen an Gewicht verloren.

Die wirtschaftliche Lage der privaten Haushalte blieb in beiden Provinzen stabil und litt weniger unter der Krise als im restlichen Italien. Situationen der Armut und Not traten nur vereinzelt auf.

Die Finanzdienstleistungen

Die Ausleihungen der Banken – Im Laufe des Jahres 2014 schwächte sich der Rückgang der Bankkredite an ansässige Kunden langsam ab. Ende Dezember hatten sich die Ausleihungen in Südtirol um 1,0 Prozent verringert (gegenüber einer Verminderung um 3,4 Prozent Ende 2013), während sie im Trentino stagnierten (-4,3 Prozent im Vorjahr; -0,7 Prozent in Italien). Ausschlaggebend für die verbesserte Kreditentwicklung waren in beiden Provinzen die Finanzierungen an den Produktionssektor, gestützt durch die Finanzierungen an mittlere-große Unternehmen.

In Südtirol stiegen die Darlehen an die Branchen Lebensmittel, Maschinenbau sowie Textil und Bekleidung (die insgesamt über ein Drittel der Ausleihungen an die Industrie ausmachen), während die rückläufige Entwicklung bei den Ausleihungen an Unternehmen der Branchen Metall, Holz und Einrichtung sowie Papier und Druck im Vergleich zum Vorjahr etwas nachließ. Geringer war der Rückgang auch bei den Krediten an die Bau- und Immobilienfirmen, den Handel sowie das Hotel- und Gaststättengewerbe.

Nach den Angaben aus dem Regional Bank Lending Survey (RBLS), erholte sich die Nachfrage nach Investitionskrediten im Laufe des Jahres. Die Kriterien der Kreditvergabe blieben unverändert, die Bedingungen für risikoarme Kunden verbesserten sich. 2014 stieg die Kreditvergabe an private Haushalte um 1,8 Prozent in der Provinz Bozen und um 0,9 Prozent in der Provinz Trient. Diese Zunahme wurde in erster Linie durch die Entwicklung der Darlehen für den Erwerb von Wohneigentum bestimmt, die um 3,1 Prozent in Südtirol und um 2,3 Prozent im Trentino stiegen und damit ihr Wachstum im Vergleich zum Vorjahr beschleunigten. Der überwiegende Teil der neuen Kredite waren Verträge mit variablem Zinssatz, deren Anteil sich im Vergleich zu 2013 vergrößerte.

Die Kreditqualität
– In der Provinz Bozen blieb im Durchschnitt der vier Quartale 2014 der Anteil neuer berichtigter notleidender Kredite an den zu Jahresbeginn gesunden Ausleihungen (Verfallsquote) sowohl bei den privaten Haushalten mit 0,6 Prozent, als auch bei den Unternehmen mit 1,3 Prozent unverändert. In der Provinz Trient stieg der Indikator um 0,1 Punkt bei den Unternehmen (auf 3,4 Prozent) und nahm bei den privaten Haushalten leicht ab (von 1,5 auf 1,3 Prozent). Der Anteil der notleidenden Posten an den Gesamtausleihungen stieg damit von 4,9 auf 5,5 Prozent in Südtirol und von 8,1 auf 9,7 Prozent im Trentino; in beiden Provinzen war die Zunahme überwiegend auf die Unternehmen zurückzuführen.

Das Einlagengeschäft – Ende 2014 waren die Bankeinlagen privater Haushalte und Unternehmen auf Jahresbasis um 8,8 Prozent in der Provinz Bozen und um 5,2 Prozent in der Provinz Trient gestiegen und damit weniger gewachsen als im Vorjahr. Die durchschnittlich auf Girokontoeinlagen anerkannten Zinssätze sanken um 0,1 Prozentpunkt im Trentino auf 0,6 Prozent, während sie in Südtirol mit 0,5 Prozent im Wesentlichen unverändert blieben.

Die Struktur des Bankenwesens
– Nach einer langen Expansionsphase des Bankschalternetzes verringerte sich von 2007 bis 2014 die Anzahl der Bankfilialen sowohl in der Provinz Bozen, als auch in der Provinz Trient um -3,1 bzw. -4,3 Prozent und damit deutlich weniger als im nationalen Durchschnitt (etwa -7,5 Prozent). Mit dem Rückgang der Schalterstellen ging auch eine leichte Verringerung der Anzahl von Banken in beiden Provinzen einher. Wie auf nationaler Ebene, reduzierten insbesondere die größeren Banken ihre Anzahl der Schalterstellen (-19,1 Prozent in Südtirol und -15,9 Prozent im Trentino). Gleichzeitig stieg die geographische Entfernung zwischen Unternehmen und ihren Banken, insbesondere bei den Südtiroler Großbetrieben.

2014 nahm die Kreditmobilität der Unternehmen zwischen verschiedenen Banken zum ersten Mal wieder zu. Das Phänomen war vor allem bei den größeren Betrieben zu beobachten. In der Provinz Bozen ging die Kreditmobilität von 2007 bis 2012 von 4,4 auf 2,8 Prozent zurück und stieg dann in den letzten zwei Jahren erneut auf 3,7 Prozent. Von 2007 bis 2013 sank die Kreditmobilität in der Provinz Trient von 7,1 auf 2,9 Prozent der Ausleihungen an die Unternehmen, bevor sie 2014 wieder auf 3,8 Prozent anstieg. Im Durchschnitt der Jahre 2006-2014 übten sich insbesondere die Kunden der Großbanken in Kreditmobilität.

Die Genossenschaftsbanken – In der Provinz Bozen expandierte die Kreditvergabe der Raiffeisenkassen an Unternehmen und private Haushalte stärker als die der anderen Banken (Ende Dezember 2014 betrugen die Wachstumsraten 0,7 bzw. 3,9 Prozent; die anderen Banken verzeichneten einen Rückgang um 1,8 Prozent gegenüber der Unternehmer und eine Zunahme um 0,4 Prozent gegenüber den privaten Haushalten). In der Provinz Trient ging die Veränderung der Ausleihungen der Casse rurali an private Haushalte und Unternehmen ins Negative (-0,2 bzw. -2,9 Prozent), gegenüber einer Steigerung bei der Kreditvergabe der übrigen Banken (um 5,6 und 3 Prozent).

In Südtirol blieb der Anteil unregelmäßiger Kredite an den Gesamtausleihungen stabil und auf demselben Niveau als bei den anderen Banken (bei Werten von etwa 10 Prozent). Die Trentiner Casse rurali verzeichneten hingegen einen deutlichen Anstieg (um 3 Prozentpunkte auf 24,8 Prozent).

2014 betrug der von den Raiffeisenkassen (ohne Raiffeisen Landesbank) ausgewiesene Bruttogewinn 79,3 Millionen und stieg damit im Vergleich zum Vorjahr. Die Raiffeisenkassen verzeichneten einen bedeutenden Anstieg des Betriebsergebnisses (etwa 40 Prozent im Vergleich zum Dezember 2013, auf 158 Millionen). Diese Entwicklungen ermöglichten die Erzielung eines Geschäftsjahresgewinns, obwohl sich die Wertberichtigungen im Vergleich zu 2013 verdoppelten. Die Vermögenskoeffizienten der Südtiroler Raiffeisenkassen und der Trentiner Casse rurali (nach dem neuen Regelwerk Basel 3 und damit nicht mehr direkt mit denen vergleichbar, die bis 31. Dezember 2013 berechnet wurden) liegen weiterhin weit über den Mindestvorgaben der europäischen Aufsichtsbestimmungen.

Von: ©mk

Bezirk: Bozen