Im Durchschnitt wurden zehn Spesen um 3,7 Prozent angehoben

Banken drehten laut AK schon vor Corona an der Preisschraube

Montag, 11. Mai 2020 | 07:40 Uhr

Einige Banken haben bereits vor Ausbruch der Coronakrise teils kräftig an der Preisschraube gedreht, kritisierte die Arbeiterkammer am Montag und forderte einen befristeten verbraucherfreundlichen Coronazinssatz fürs Kontoüberziehen. Laut dem Kreditmakler Infina sind Wohnbaukredite im ersten Quartal 2020, also weitgehend vor dem Lockdown, teurer geworden, nun drohe ein Dreiklassenkreditmarkt.

Zwischen November 2018 und November 2019 hätten fünf von zwölf Banken Gebühren erhöht, zeigte der AK-Bankenmonitor. Zwischen vier (easybank, Hypo Niederösterreich) und 18 (Bank Austria) Preise und Entgelte hätten sie angehoben oder neue Gebühren eingeführt.

Die AK hat die Preise von 53 Dienstleistungen für Neukunden (Überweisen, Sparen, Kredit, Wertpapiere) unter die Lupe genommen. Im Durchschnitt seien zehn Spesen um 3,7 Prozent angehoben worden, berichtete die Kammer in einer Aussendung. “Bei den Verteuerungen fielen insbesondere die Bank Austria mit 18 Erhöhungen auf (im Schnitt um 1,96 Prozent) sowie die bankdirekt mit zwölf Erhöhungen (um 1,13 Prozent). Die bankdirekt senkte zwei Preise des Wertpapiergeschäfts um rund 40 Prozent.”

Die BAWAG hob laut AK sieben Entgelte an, im Schnitt um 12,29 Prozent. Ihre Online-Tochter easybank habe die Preise zweimal um ganze 120,24 Prozent erhöht und zwei neue Gebühren eingeführt. Bei der Hypo NÖ wurden der AK-Erhebung zufolge vier Entgelte um 5,43 Prozent teurer.

Preisausreißer nach oben gibt es der AK zufolge vor allem am Schalter und im Zahlungsverkehr. Die BAWAG beispielsweise habe die Gebühr für eine Bareinzahlung am Schalter auf ein fremdes Konto von 6,40 auf 9,90 Euro erhöht.

Teuer kommt laut AK das Überziehen des Girokontos – obwohl der für Finanzverträge maßgebliche Euribor-Zinssatz negativ ist. “Eine Kontoüberziehung kostet im Schnitt 10,5 Prozent und bei einer Überschreitung des Rahmens, die in Coronazeiten noch öfter notwendig sein wird, gibt es noch einen weiteren Zinsaufschlag”, so AK-Expertin Gabriele Zgubic. Die Banken sollten, fordert die AK, einen Corona-Überziehungszinssatz von maximal fünf Prozent für ein Jahr einführen und keinen Überschreitungszins (momentan etwa vier Prozent) verlangen.

Bei der AK hätten sich immer wieder Verbraucher gemeldet, deren Bank den Kontorahmen überraschend gekürzt oder zur Gänze aufgekündigt hatte. Das sollten die Geldhäuser zumindest für ein Jahr nicht tun, urgiert die AK.

Laut dem Wohnbaukreditmakler Infina haben sich im ersten Quartal 2020 Immobilienkredite zumindest relativ verteuert, wie eine Stichprobe von zwölf Groß- und Regionalbanken ergeben habe. Variabel verzinste Kredite seien auch absolut bereits kostspieliger geworden. Langfristige Fixzinssätze (zehn bis 20 Jahre) hätten sich in absoluten Zahlen noch geringfügig verbilligt, jedoch hätten Banken im Schnitt nur mehr einen kleinen Teil der Vergünstigung der Swapsätze an Neukunden weitergegeben.

Der heimische Kreditmarkt sei mittlerweile völlig intransparent, die Rahmenbedingungen der Banken änderten sich ständig, so Infina. Weil nun auch die Banken von der Coronakrise betroffen sind – schwächere Bonitätseinstufung, steigende Liquiditäts- und Risikokosten bei der Refinanzierung -, dürften die Zinsen für Neukunden steigen, erwartet der Makler laut einer Pressemitteilung. Es könnte sich ein Dreiklassen-Wohnbaukreditmarkt herausbilden. Für Kunden mit Topbonität, hohem Einkommen und viel Eigenmitteln dürfen die Konditionen bei Immobilienkrediten bestenfalls gleich bleiben. Mittleren Bonitäten drohe eine durchschnittliche Verteuerung der Zinsen von 0,5 bis 1,0 Prozent p. a., gerade ausreichende Bonitäten müssten mit noch höheren Aufschlägen rechnen. Das alles könnte den Bausparkassen die Chance auf ein Comeback bringen, glaubt Infina. “Vor allem mittlere und ausreichende Bonitäten mit entsprechenden Eigenmitteln könnten hier noch auf relativ günstige Konditionen stoßen.”

Von: apa