Wer oft schreibt oder Dokumente bearbeitet, liegt mit einem Laptop richtig

Beim PC-Neukauf für Senioren zählt das familiäre Umfeld

Mittwoch, 30. Mai 2018 | 12:33 Uhr

Chatten mit der Enkelin, eine Online-Überweisung oder eine Mail an die Vereinsfreunde: Smartphones und Computer bereichern auch den Alltag Älterer – keine Frage. Aber was für ein Rechner oder welches Mobilgerät ist das Richtige?

Den einen richtigen Rechner für ältere Menschen gibt es nicht, meint der Medien- und Kommunikationsexperte Florian Preßmar: “Die Frage, ob man sich für ein Tablet, einen Desktop-PC oder für einen Laptop entscheidet, ist ganz maßgeblich davon abhängig, wie man das Gerät nutzen möchte.”

Wenn man vor allem darauf etwas lesen oder damit fotografieren möchte, biete sich ein Tablet an. Es ist kompakt, leicht und gut mitnehmbar. Mit einem Laptop sei man zwar auch mobil, dieser sei aber oft deutlich schwerer, so Preßmar. Allerdings könne man darauf deutlich besser schreiben und Texte bearbeiten als auf dem Tablet: “Also wenn ich beispielsweise für einen Verein noch nebenbei als Kassenwart aktiv bin und auf Bearbeitungssoftware zurückgreifen muss, dann empfiehlt es sich natürlich, dass ich etwas habe, auf dem ich gut schreiben kann.” Bei Desktop-Betriebssystemen wie Windows oder Mac OS ist es oft auch einfacher, schnell etwas auszudrucken.

“Die Displaygröße und die Auflösung bestimmen, wie gut ältere Menschen das Gerät verwenden können”, nennt Preßmar einen weiteren Aspekt. “Wenn die Schrift zu klein ist, gibt es natürlich auch ein Problem, damit die Inhalte lesen zu können.” Zudem sei ein helles Display mit gutem Kontrast für Ältere besonders geeignet.

Wichtiger als das Gerät und die Ausstattung selbst ist oft jedoch das Umfeld, meint Preßmar. “Es kommt auf den Support im Freundeskreis und in der Familie an. Wenn ich in der ganzen Familie nur Apple-Nutzer habe und ich kaufe mir ein anderes Gerät, dann habe ich auch wenig Hilfestrukturen. Wenn ich dann Fragen habe wird es happig.” Dann kann man eben nicht einfach beim Enkel anrufen und etwas fragen.

Der Seniorenvertreter Erhard Hackler, ein altersaffin konstruiertes und konfiguriertes Gerät auszuwählen: “Es ist wichtig, dass es eine schöne Oberfläche hat, die einfach zu handhaben ist. Das Gerät soll mir selbst Hilfestellung geben, wenn ich etwas nicht sofort verstanden habe oder nicht weiß ob ich es richtig mache.” Ideal ist ein Gerät, das nur Funktionen bietet, die man tatsächlich braucht. Rechner oder Smartphones, die zu viel können, was man gar nicht braucht und versteht, sorgen eher für Verwirrung und Frust.

Moderne Informations- und Kommunikationstechnologie eignet sich grundsätzlich hervorragend für Ältere, meint Hackler. Sie können sich Dienstleistungen oder Bestellungen übers Internet ins Haus holen. Neben Online-Banking ist auch Telemedizin und Smart-Home-Vernetzung perspektivisch wichtige Aspekte für Ältere: “Dann kann man zum Beispiel von unterwegs mit dem Smartphone überprüfen, ob alle Türen verschlossen sind.” Gerade Sicherheit ist für ältere Leute oft ein entscheidender Faktor.

Enorm wichtig ist Hackler zufolge auch die soziale Dimension der neuen Technologien: “Du kannst soziale Kontakte halten und intensivieren. Du bist am Ball, du kannst Fragen stellen, du kannst dich mit deinen Freunden, der Familie und Nachbarn im sozialen Umfeld online unterhalten”, führt er aus.

An den meisten Volkshochschulen gibt es inzwischen PC-Kurse für Senioren, die in einem entspannten Tempo den Umgang mit Computern vermitteln. Hier besteht die größte Schwierigkeit oft darin, den älteren Menschen die Angst vor den Geräten zu nehmen.

Auch Florian Preßmar sagt, dass einige Senioren starke Berührungsängste mit Rechnern haben: “Hier ist es dann wichtig, erst einmal einen spielerischen Umgang mit der Technik zu vermitteln.” Viele Senioren haben große Angst, etwas kaputt zu machen. Bei Pop-up-Werbung zeigt sich in Kursen oft erst einmal Angst, etwas falsch gemacht zu haben. Und als Reaktion darauf wird dann oft einfach der Rechner heruntergefahren.

Die VHS-Kursleiterin Claudia Ritscher berichtet, dass die Senioren in ihren speziellen Kursen für Ältere vor allem die ruhige Lernatmosphäre schätzen. Es gibt viel Zeit für praktische Übungen und Wiederholungen. Man ist unter Gleichgesinnten, und auch die soziale Komponente spielt eine große Rolle: “In vielen Kursen sind Freundschaften entstanden, die über das Kursende hinaus halten.” So können Computer & Co ganz nebenbei auch offline dabei helfen, dass soziale Netzwerk im Alter auszubauen.

Von: APA/dpa

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