Mehr als 1.100 Mitarbeiter müssen gehen

Benko drückt Kika/Leiner massiven Sparkurs auf

Freitag, 17. August 2018 | 22:31 Uhr

Bei den heimischen Möbelhäusern Kika und Leiner kehrt vorerst keine Ruhe ein: Nach turbulenten Monaten im Zuge des Bilanzskandals bei der Ex-Mutter Steinhoff und dem Notverkauf an die Signa Holding des Tiroler Investors Rene Benko im Juni hat der neue Eigentümer nun einen harten Sparkurs eingeschlagen, um das Unternehmen wieder in die schwarzen Zahlen zu führen.

Die Signa Holding hat 1.121 Personen beim Arbeitsmarktservice im Frühwarnsystem zur Kündigung angemeldet. Das teilte AMS-Vorstand Johannes Kopf am Freitagabend in der “ZiB2″mit. Kopf betonte aber, dass nicht alle tatsächlich arbeitslos werden. Auch in der Vergangenheit hätten nach Jobverlusten im Handel viele neue Stellen gefunden. Kika/Leiner habe immer auf Qualität Wert gelegt, die Beschäftigten seien gut ausgebildet und daher auch vermittelbar.

Offiziell verkündete Signa am Donnerstagabend die Schließung von vier Filialen sowie zwei Logistikzentren und einen “tiefgreifenden Wandel, der zwingend notwendig ist.”

Dichtmachen müssen die Leiner-Filialen in Innsbruck und Wiener Neustadt sowie die Kika-Standorte in Vösendorf und Spittal an der Drau. Dazu kommen die Filialaußenlager Innsbruck und St. Pölten. 283 Mitarbeiter sind an den vier Standorten beschäftigt, schreibt “Die Presse” am Freitagnachmittag online. In den beiden Logistikzentren verlieren rund 200 Menschen ihren Arbeitsplatz, in der St. Pöltner Zentrale sollen 96 Jobs gestrichen werden. “An den verbleibenden 42 österreichischen Standorten werden 577 Arbeitsplätze verloren gehen”, so die Zeitung weiter. Gespart werden soll vor allem in der Verwaltung – also nicht im unmittelbaren Verkauf. Nicht gespart werden soll bei den profitablen Auslandstöchtern.

Die Betriebsräte der beiden Möbelhändler, die zuletzt Umsatzrückgänge und Verluste hinnehmen mussten, zeigten Verständnis für die Maßnahmen. “Es ist schlecht, was da passiert”, sagte Sonja Karner, Betriebsratsvorsitzende bei Kika, am Freitag zur APA. Um den Fortbestand von Kika und Leiner zu sichern, müsse aber gespart werden. Auch Leiner-Betriebsrat Karl Vogl hält ein Sanierungsprogramm für notwendig. Bereits im heurigen März – vor der Übernahme durch Signa – wurde vom langjährigen Kika/Leiner-Chef Gunnar George, der laut Zeitungsberichten per sofortiger Wirkung beurlaubt wurde, die Schließung von vier Standorten angekündigt.

Politiker in Niederösterreich, wo laut Medienberichten rund 500 Jobs wegfallen, sprachen von einem “schweren Schlag”. In Tirol kündigte die Wirtschaftskammer an, dass der Möbelhandel betroffene Mitarbeiter “im Rahmen seiner Möglichkeiten” übernehmen wolle.

Die SPÖ sah in den Sparplänen, die das Unternehmen langfristig wieder profitabel machen sollen, einen Gefallen des “Konzernkanzlers” Sebastian Kurz (ÖVP) an Benko: “Mit dem heutigen Tag steht leider der schwere Verdacht im Raum, dass es Kurz bei diesem Deal in Wirklichkeit vor allem darum ging, Benko zu begünstigen und ihm die lukrativen Immobilien der Kika/Leiner-Gruppe zuzuschanzen”, so SPÖ-Bundesgeschäftsführer Max Lercher. “Unmittelbar nach dem Verkauf an Benko haben sich Kurz und Strache in einer Aussendung voller Eigenlob dafür gefeiert, sie hätten mit ihrer ‘Standortpolitik’ 5.000 Arbeitsplätze bei Kika/Leiner gerettet”, kritisierte er.

Von: apa