WIFO-Wirtschaftsbarometer Sommer 2022

Besorgnis in Südtirols Bauwirtschaft

Dienstag, 09. August 2022 | 10:42 Uhr

Bozen – Die Sommerausgabe des Wirtschaftsbarometers vom WIFO − Institut für Wirtschaftsforschung der Handelskammer Bozen zeigt eine Verschlechterung des Geschäftsklimas im Südtiroler Baugewerbe. Der starke Anstieg der Energie- und Baustoffpreise sowie die Ungewissheit über die künftige Nachfrageentwicklung dämpfen die Erwartungen der Unternehmen bezüglich der Ertragslage und der Umsatzentwicklung im laufenden Jahr. Auch die Investitionsabsichten sind stark rückläufig.

Die Bautätigkeit ist weiterhin hoch und die Kapazitätsauslastung der Betriebe im Tief- und Hochbau liegt bei über 90 Prozent. Dennoch hat sich das Geschäftsklima unter den Unternehmen des Baugewerbes im Vergleich zur vorherigen Erhebung im Frühjahr verschlechtert. Die befragten Unternehmer/innen rechnen mit einem geringeren Umsatzwachstum als im vergangenen Jahr und fast ein Viertel von ihnen befürchtet, dass die Ertragslage heuer nicht zufriedenstellend sein wird.

Noch kritischer sind die Bewertungen der Unternehmen zu den Rahmenbedingungen. Die Betriebskosten werden von den Teuerungen bei Baumaterialien und Energie stark beeinflusst, was in vielen Fällen zu weiteren Preiserhöhungen für die Kundschaft führen wird. Gleichzeitig bremst die Ungewissheit über die künftige Nachfrageentwicklung die Investitionstätigkeit.

Die allgemeine Unsicherheit in der Branche spiegelt sich auch auf dem Arbeitsmarkt wider. Erstmals seit 2015 ist die Beschäftigungsentwicklung im Baugewerbe wieder leicht rückläufig. Im ersten Halbjahr 2022 lag die Zahl der unselbständig Beschäftigten bei knapp 17.800, das sind 1,9 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

Betrachtet man die einzelnen Branchen des Baugewerbes, so zeigt sich, dass die größte Verschlechterung des Geschäftsklimas den Hochbau betrifft. 28 Prozent der Unternehmen dieser Sparte rechnen mit einer unbefriedigenden Ertragslage im Jahr 2022. Auch im Baunebengewerbe beklagen die befragten Unternehmer/innen eine generelle Zuspitzung der Rahmenbedingungen, insbesondere bei den Materialkosten und der Zahlungsmoral der Kunden. Besser sind die Rentabilitätsaussichten im Tiefbau, wo trotz des Rückgangs des Geschäftsvolumens 86 Prozent der Unternehmen zuversichtlich sind, auch heuer eine zufriedenstellende Ertragslage zu erreichen.

Michl Ebner, Präsident der Handelskammer Bozen, unterstreicht die Rolle der öffentlichen Investitionen für die Entwicklung des Bausektors in den kommenden Jahren: „Es ist von entscheidender Bedeutung, dass die verfügbaren Ressourcen effizient genutzt werden. Für die Umsetzung der Projekte muss sichergestellt werden, dass die Südtiroler Unternehmen faire Zugangschancen haben. Nur so können die Vorteile dieser Investitionen für die lokale Wirtschaft optimal ausgeschöpft werden.“

Nachfolgend die Stellungnahmen der Vertreter der Wirtschaftsverbände:

Michael Auer, Präsident des Baukollegiums

„Die enorme Unsicherheit, die uns umgibt, macht auch den Bauunternehmen schwer zu schaffen. Die extremen Preissteigerungen gefährden die Betriebe. Die im sogenannten ,Decreto Aiuti‘ vorgesehene Anpassung des Richtpreisverzeichnisses sowie die darin vorgesehenen Ausgleichsmechanismen müssen dringend erfolgen, denn sonst sind viele Unternehmen und die damit verbundenen Arbeitsplätze in Gefahr.“

Markus Bernard, Obmann der Baugruppe im lvh

„Wir befinden uns aktuell in einer schwierigen Situation. Die Unternehmen leiden unter dem explosiven Anstieg der Rohstoff- und Energiepreise. Die hohe Inflation führt dazu, dass vor allem Privatpersonen viele Bauprojekte auf Eis legen und vorerst abwarten. Auch die öffentliche Hand schiebt Aufträge hinaus. Hinzu kommt eine gewisse Unsicherheit in den Gemeinden hinsichtlich der Interpretation des neuen Raumordnungsgesetzes. Fakt ist, dass ein Rückgang der Bautätigkeit ab dem Spätherbst bereits spürbar ist.“

Rodolfo Gabrieli, Präsident CNA-SHV Bauwesen

„Die Instabilität, sowohl in Bezug auf die Anreize für den Bausektor als auch auf die politischen Rahmenbedingungen in Italien, ist das Damoklesschwert über den Köpfen unserer Unternehmen, die sich seit Monaten gegen die hohen Rohstoff- und Energiepreise und die fehlende Kreditvergabe an Private wehren. Als CNA fordern wir seit langem gezielte Maßnahmen, wie einen besseren Zugang zu Krediten, um die Liquidität von Klein- und Mittelbetrieben (KMU) in Schwierigkeiten wiederherzustellen und lokale Lösungen zur Senkung der Energiekosten.“

Von: luk

Bezirk: Bozen

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

8 Kommentare auf "Besorgnis in Südtirols Bauwirtschaft"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
Kinig
1 Monat 24 Tage

Die Bauunternehmen tun ja gerade so, als würden sie die gestiegenen Kosten für Energie, Material, Personal etc. nicht an die Kunden weitergeben. Nicht nur die öffentliche Hand, die ja bekanntlich mit dem Geld der steuernzahlenden Bevölkerung wirtschaftet, verzichtet auf oder verschiebt schon geplante Bauvorhaben. In meinem Geburtslandkreis in D haben innerhalb weniger Wochen mehrere “Bauwillige” ihre zugeteilten Bauplätze an die Gemeinde zurückübertragen, da sie die gestiegenen Baukosten nicht mehr finanzieren können.

Kingu
Kingu
Superredner
1 Monat 24 Tage
@Offline1 Die Unternehmen in Südtirol nehmen immer eine Opferstellung ein, obwohl sie lausige 8% des gesamten Steueraufkommens laut ASTAT nur beisteuern. Allein die grössten 10 Unternehmen müssten, wenn nicht mit allen Mittel Steuern umgangen würden, circa 800 Mio. mehr bezahlen und hier reden wir nicht davon, wenn diese Unternehmen die gesamte Steuerlast an ihrem Steuersitz in Südtirol bezahlen müssten, dann wären die Steuereinkommen nämlich so hoch wie das gesamte Inlandsprodukt der Provinz. Darüber hinaus wird immer geheult, dass sie keine Handwerker finden, man kann nicht auf der einen Seite sagen, man ist voll ausgelastet und findet keine Leute und bei… Weiterlesen »
Hustinettenbaer
1 Monat 24 Tage

@Kingu
Das Gejammer kommt mir vertraut vor. Ein Geflecht von Sub-Sub-…Unternehmern verdient sich mit Schwarzarbeitern ein goldene Nase.
Nicht qualitäts-, aber die preissteigernd.
“Die Sozialkassen der Bauwirtschaft nehmen an, dass inzwischen rund 80 Prozent der Beschäftigungsverhältnisse im Roh- und Trockenbau illegal sind.”
Steuer-, Sozialversicherungsschaden ca. 5 Mrd. Euronen pro Jahr.
https://www.br.de/br-fernsehen/sendungen/mehrwert/bauboom-baubranche-betrug-102.html#:~:text=Die%20Sozialkassen%20der%20Bauwirtschaft%20nehmen,sind%20schlimme%20Formen%20von%20Betrug.”&text=Im%20Einzelnen%20gehe%20es%20um%20Lohn-%2C%20Sozialabgaben-%20und%20Steuerbetrug.

TeNoLi
TeNoLi
Neuling
1 Monat 24 Tage

@Kingu
selten so an schmorn glesn.

Fohr zur Hondlskommer und tua a MwSt. – Nummer auf und in 2 Johr treffmr ins wieder do und redn über stuiern.

Kingu
Kingu
Superredner
1 Monat 24 Tage
@TeNoLi Du kannst dir gerne den ASTAT Bericht auf der Webseite durchlesen und natürlich machen internationale Unternehmen wie Iveco Defence, Spar Italia, Leitner Ropeways usw. das meiste an Steuervermeidung aus, aber es gibt alleine in Südtirol 40.000 Leute die zufälligerweise die Steuergrenze, welche bei circa 60.000€ für Selbstständige gilt um eine kleine Beträge nicht. Darüber hinaus ist kein Selbständiger zur doppelten Buchhaltung verpflichtet und wie mit privaten Aufträgen umgegangen wird, wissen wir alle ziemlich gut. Glaub mir, ich hab den Neid in einen EFTA Staat nicht nötig bei 12% Einkommenssteuer in meinem Kanton, aber dass ich mehr Quellsteuern zahle, als… Weiterlesen »
neidhassmissgunst
neidhassmissgunst
Universalgelehrter
1 Monat 24 Tage

Wie war dies nochmal: In Südtirol werden täglich 2 Fussballfelder verbaut und versiegelt. 
Dann müssen wir in Zukunft kleinere Schritte machen dies ist klar. 
Man könnte zum Beispiel nur mit den einheimische Arbeitskräften planen. 

traktor
traktor
Kinig
1 Monat 24 Tage

die produktion der energie kostet gleich viel wie vor der preistreiberei. niemand kann oder will beantworten wer sich durch die mehrkosten den sack füllt!
diese gelten mit allen mitteln auszuschalten und denen muss bereits jetzt klargemacht werden, das wir sie verbluten lassen werden sobald wir ihre. rohstoff nicht mehr benötigen!!!
lassen wir uns nicht von einigen wenigen verarschen

TeNoLi
TeNoLi
Neuling
1 Monat 24 Tage

Dank Bettenstop und immer weniger Baugrund wird das mit der Bauwirtschaft sicherlich bald viel besser… #Ironieende

wpDiscuz