Dahinter steckten kriminelle Organisationen

Betrüger kamen mit FACC-Trick in Deutschland zu 110 Mio.

Sonntag, 21. August 2016 | 10:05 Uhr

Mit der sogenannten Chef-Masche – prominentestes Opfer in Österreich ist der Luftfahrtzulieferer FACC – haben Betrüger in Deutschland einem Zeitungsbericht zufolge bereits 110 Mio. Euro ergaunert – und dies sind nur die offiziellen Zahlen.

“Seit 2013 wurden in Deutschland bisher 250 Betrugsfälle bekannt. Davon waren 68 erfolgreich, 182 blieben im Versuchsstadium stecken”, sagte der Leiter des Sachgebietes Wirtschaftskriminalität beim Bundeskriminalamt (BKA), Holger Kriegeskorte, der “Welt am Sonntag”.

Zuletzt hatte es den deutschen Kabelspezialisten Leoni erwischt. Die bisher unbekannten Täter nutzten in diesem Fall gefälschte Dokumente und Identitäten sowie elektronische Kommunikationswege, um Mitarbeiter dazu zu bringen, Geld auf Konten im Ausland zu überweisen. Der Schaden: rund 40 Mio. Euro.

Diese Summe ist in den Zahlen des deutschen BKA noch nicht enthalten. Bestätigt sich der Betrug, kann der Autozulieferer nach Darstellung der “Welt am Sonntag” einen unrühmlichen Erfolg verbuchen. Denn die bisherigen Schäden hätten je Unternehmen nur zwischen 1 und 18 Millionen Euro gelegen, schreibt das Blatt unter Verweis auf das BKA.

In Österreich ist FACC mit Sitz in Ried im Innkreis (Oberösterreich) im Jänner 2016 durch eine Überweisung an Betrüger ein Schaden von über 50 Mio. Euro entstanden. Mehrere Manager, darunter die Finanzchefin und Vorstandschef Walter Stephan, mussten daraufhin gehen. Auch mehrere heimische Klein- und Mittelbetriebe tappten bereits in die Falle der Gauner.

Das Muster der auch als “Geschäftsführer-Trick” (“Fake President Fraud”) bekannten Masche erinnert an den häufig an Senioren verübten “Enkeltrick”. Auch bei der Chef-Masche erschleichen sich die Betrüger das Vertrauen ihrer Opfer. “Sie kontaktieren direkt Leute aus der Buchhaltung, geben sich als Chef aus und vermitteln den Eindruck, dass von dieser Transaktion die Zukunft des Unternehmens abhängt”, sagte Kriegeskorte. Dahinter steckten keine Einzeltäter, sondern kriminelle Organisationen.

Von: APA/dpa

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