Versammlung der Burggräfler Handwerker im lvh

“Bevor es zu spät ist”

Freitag, 10. April 2015 | 11:20 Uhr

Bozen – Die Fachkräfteausbildung und die Zukunft des Arbeitsmarktes in Südtirol standen im Zentrum der diesjährigen bezirskübergreifenden Jahreshauptversammlung der Burggräfler Handwerker im lvh. Neben einem Fachvortrag über Demographie und die Entwicklung der Lehre erfuhren die Anwesenden vom Projekt „Wir sichern die Fachkräfte von morgen“, bei dem Betriebe unbürokratisch Betriebspraktika vergeben können und dabei Jugendlichen einen Einblick in die Arbeitswelt der praktischen Berufe bieten.

Eingangs bedauerte Bezirksobmann Mathias Piazzi, dass die hohen Auflagen bei Arbeitssicherheit und Bürokratie große Probleme für die Betriebe mit sich bringen. „Damit unsere Handwerksbetriebe in Zukunft bestehen können, müssen wir nach neuen Arbeitsmethoden Ausschau halten“, so Piazzi und erklärte, dass besonders Kooperationen zwischen Kleinbetrieben eine gute Möglichkeit seien, den Zuschlag bei größeren Aufträgen zu erhalten. „Auch den Nischenmarkt zu erforschen und Marktlücken zu finden birgt vor allem für kleinstrukturierte flexible Firmen großes Potenzial“, betonte Piazzi. Große Bedeutung komme in Zukunft aber noch mehr einer fundierten Ausbildung der Jugendlichen zu, besonders um dem prognostizierten Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Im Rahmen der Versammlung präsentierte Piazzi deshalb das lvh-Projekt „Wir sichern Fachkräfte für morgen“, das in Zusammenarbeit mit der Berufsschule Meran ins Leben gerufen wurde. „Betriebe können dabei Kurzpraktika anbieten und dadurch Jugendlichen einen Einblick in den Betriebsalltag geben“, erklärte der Bezirksobmann. „Es ist eine unbürokratische Möglichkeit, die Fähigkeiten und den Arbeitswillen der jungen Anwärter festzustellen und sie später vielleicht als Lehrling aufzunehmen“, so Piazzi weiter, der die Unternehmer dazu aufrief, Praktikaplätze anzubieten. Peter Thaler von der Berufsschule Meran bestätigte den geringen bürokratischen Aufwand für die Betriebe, da die Berufsschule die gesamte Koordination übernimmt. „So ein Berufspraktikum kann eine wichtige praktische Erfahrung für junge Menschen sein. Sie haben die Gelegenheit verschiedene Dinge auszuprobieren, was ihre Berufswahl beeinflussen kann“, war sich auf Oswald Marsoner von der LBS Meran sicher.

Auch Stefan Luther, der Amtsdirektor für Arbeitsmarktbeobachtung, thematisierte den Fachkräftemangel und präsentierte damit zusammenhängend demografische Daten über Südtirol. „Die Entwicklungen deuten womöglich nicht nur auf einen bevorstehenden Fachkräftemangel hin, sondern auf einen generellen Arbeitskräftemangel“,  so Luther. Dies sei zum einen der Alterspyramide geschuldet, deren Verhältnis zunehmend aus dem Gleichgewicht gerät sowie der dramatischen Entwicklung, dass immer mehr Personen als nicht arbeitsfähig eingestuft werden.

Deshalb betonte auch lvh-Vizepräsident Martin Haller, wie wichtig eine gute und umfassende Ausbildung der Jugendlichen sei. „Wir müssen uns jetzt mit dem Thema befassen! Und nicht erst dann, wenn es schon zu spät ist!“, warnte Haller.

Von: ©lu

Bezirk: Burggrafenamt