1.000 Imker brachten 20.000 Bienenstöcke in die Obstanlagen

Bienenschutz: Ein wichtiges Anliegen für Obstbauern und Imker

Freitag, 17. April 2015 | 10:33 Uhr

Bozen – Es blüht in Südtirols Apfelanlagen: Unzählige kleine Apfelblüten haben sich in den letzten Tagen geöffnet und das Anbaugebiet in ein weißes Blumenmeer verwandelt. Aus wie vielen Blüten Äpfel entstehen, das entscheidet sich in diesen Tagen: wichtig für die Menge, aber auch für die Qualität der Früchte ist nämlich die Befruchtung und diese wird im Obstbau fast ausschließlich von Honigbienen durchgeführt. Etwa 1.000 Imker haben in den vergangenen Wochen circa 20.000 Bienenstöcke in die Obstanlagen gebracht. Die Losung ist einfach: viele Blüten – starke Bienenvölker – viele, schöne Äpfel.
 
Zwischen Obstbauern und Imkern besteht sozusagen eine Win-win-Situation, erklären unisono Georg Kössler, Obmann des Südtiroler Apfelkonsortium, und Engelbert Pohl, Obmann des Südtiroler Imkerbundes, dem rund 3.200 Imkerinnen und Imker Südtirols angehören: „Wir brauchen uns gegenseitig, denn wir erzielen einen gegenseitigen Nutzen. Darum stehen wir in engem Kontakt und pflegen einen offenen Austausch. In gemeinsamen Sitzungen und Aussprachen erarbeiten wir gemeinsame Lösungen, um Bienenschäden zukünftig noch besser zu vermeiden. Wir sind mittlerweile an einem sehr gutem Punkt, aber die Arbeit muss weiter intensiv fortgeführt werden“, so Kössler und Pohl. Diese Zusammenarbeit sei schon heute vorbildlich und offensichtlich besser als in anderen Anbaugebieten Europas und der Welt: „Es ist sehr bedauerlich, wenn negative Schlagzeilen aus dem Ausland in Südtirol einfach wiedergegeben werden und für entsprechende Diskussionen sorgen, ohne dass auf unser Bemühen und unsere gut funktionierende Zusammenarbeit hingewiesen wird. Wir gehen unseren Weg jedenfalls weiter.“
 
Bienen sind wichtig für qualitativ hochwertige Äpfel

Die Apfelblüten produzieren bei guter Witterung reichlich Nektar und Pollen, der von den Honigbienen eifrig gesammelt wird. Dabei werden die Blüten bestäubt und befruchtet, nur so können Äpfel entstehen. Bei unzureichender Bestäubung fallen die Blüten gänzlich ab oder es kommt zu einer einseitig ausgebildeten Frucht. Deshalb ist eine gute Bestäubung in der Tafelobstproduktion wesentlich. „Die Bienen garantieren den Landwirten sozusagen das Einkommen und das ist uns Bauern auch bewusst“, betont Georg Kössler.
 
Derzeit blühende Apfelanlagen bis 750 Meter Meereshöhe

Derzeit stehen die Bienenstöcke in den blühenden Apfelanlagen bis 750 Meter Meereshöhe. Kurz vor der Blüte bringen die Imker die Bienenvölker in die Apfelanlagen und holen sie nach dem Blühende wieder ab. Um die Tiere in dieser Zeit zu schützen, ist es untersagt, bienengefährliche Mittel auszubringen. Dies betrifft Obstbauern – aber auch Hobbygärtner.

„Auf geöffnete Blüten dürfen laut Gesetz keine bienengefährlichen Pflanzenschutzmittel ausgebracht werden. Die Obst- und Weinbauern wissen das, weil wir sie bei verschiedenen Fachveranstaltungen dahingehend schulen. Zudem versuchen die Bauern – auch vor und nach der Obstblüte, wenn es eigentlich keine Auflagen mehr gäbe – bienengefährliche Mittel außerhalb des Bienenfluges auszubringen“, sagt Robert Wiedmer, der Leiter des Südtiroler Beratungsringes für Obst- und Weinbau, der bei den Landwirten eine große Sensibilität für das Thema feststellt. Generell sind im Obst- und Weinbau kaum mehr bienengefährliche Pflanzenschutzmittel zugelassen. „Etwa 90 Prozent der eingesetzten Wirkstoffe sind Fungizide, welche nicht bienengefährlich sind und dabei helfen, verschiedene Pilzkrankheiten abzuwehren. Die restlichen zehn Prozent fallen auf Insektizide und Akarizide, von denen nur ein kleiner Teil bienengefährlich ist“, erklärt Wiedmer.
 
Obstverbände, Obstbauern und Imker ziehen an einem Strang

Der Südtiroler Imkerbund arbeitet sehr eng mit den in der Obstwirtschaft tätigen Organisationen und Institutionen wie dem Südtiroler Beratungsring, dem Südtiroler Apfelkonsortium, dem Bauernbund,  aber auch dem Ressort für Landwirtschaft, dem Versuchszentrum Laimburg und dem Landesveterinäramt zusammen. „In den letzten Jahren hat sich die Bienengefährlichkeit durch die gezielte Wirkungsweise der Pflanzenschutzmitteln stark verbessert, dennoch gilt es noch einiges zu verbessern um Schäden zu verhindern. Diese Maßnahmen betreffen nicht nur die unmittelbare Blühzeit der Anlagen sondern gehen, darüber hinaus weit in die Nachblühphase hinein. Eine Möglichkeit sind dabei die Abend- und Nachtspritzungen, die verhindern, dass Bienen mit für sie toxischen Präparaten in Kontakt kommen. In zahlreiche Sitzungen und Besprechungen konnte und kann man so die Bedürfnisse und Notwendigkeiten beider Seiten ansprechen und die notwendigen Verbesserungen ausarbeiten. Es ist aber auch wichtig, dass sich alle an die getroffenen Abmachungen halten, nur so können die Verbesserungen greifen und alle Seiten davon profitieren“, sagt Engelbert Pohl.
 
Apistox-Forschungsprojekt soll Klarheit bringen

Man hat zudem vor einigen Jahren ein gemeinsames Projekt gestartet. Studien, Untersuchungen und Versuche am Versuchszentrum Laimburg – im Rahmen des Apistox Projekts – sollen Auswirkungen von Pflanzenschutzmitteln noch genauer untersuchen. In den kommenden Jahren hofft man dazu zusätzliche Klarheit zu erhalten.

Zudem hat man gemeinsam mit dem Landestierärztlichen Dienst die Gesundheitswarte aufgebaut, eine Gruppe von ausgebildeten Imkern, welche auf Ortsgruppenbasis bei allen Problemen rund um die Bienengesundheit und bei Vergiftungsverdachtsfällen schnell und kostenlos Hilfe anbieten und als erste Anlaufstelle bei Problemen dienen.

Von: ©mk