Marinomed geht an die Wiener Börse

Biotech-Unternehmen Marinomed geht an Wiener Börse

Freitag, 16. November 2018 | 14:09 Uhr

Das Wiener Biotech-Unternehmen Marinomed Biotech AG geht, wie schon länger erwartet, an die Wiener Börse und will dort gleich in den Prime Market. Begeben werden bis zu 400.000 neue Aktien für je 75 bis 90 Euro, womit das IPO 30 bis 36 Mio. Euro schwer ist. Zuzüglich gibt es eine Upsize-Option von 20 Prozent und darauf eine Mehrzuteilungsoption von bis zu weiteren 15 Prozent, hieß es am Freitag.

Inklusive dieser beiden Aufstockungsoptionen könnte das IPO somit 49,7 Mio. Euro schwer sein. Die Zeichnung der Jungaktien ist von Montag, 19. November, bis voraussichtlich Donnerstag, 29. November, möglich. Voraussichtlich am 29. November soll auch der endgültige Angebotspreis festgelegt und publiziert werden. Erster Handelstag an der Börse soll der 4. Dezember sein, erklärte das Unternehmen.

Marinomed Biotech ist auf die Entwicklung von Produkten im Bereich Atemwegs- und Augenerkrankungen spezialisiert, die auf patentgeschützten Technologieplattformen basieren. Der Erlös aus dem Börsengang soll vor allem für die Finanzierung einer zulassungsrelevanten Phase-III-Studie von Budesolv, von Phase-II- und Phase-III-Studien von Tacrosolv sowie für die Erweiterung der OTC-Plattform Carragelose verwendet werden, heißt es. Carragelose dient zur Behandlung viraler Infektionen der Atemwege und kommt in Nasensprays, Rechensprays, Pastillen zur Anwendung. Marinosolv soll die Wirksamkeit schwer löslicher Wirkstoffe zur Behandlung sensibler Organe wie Augen und Nase erhöhen. 2017 setzte Marinomed knapp 5 Mio. Euro um.

Die schon an der Börse gelisteten Wandelschuldverschreibungen von Marinomed sollen voraussichtlich ab 4. Dezember in neue Aktien des Unternehmens gewandelt werden können. Die 2-wöchige Wandlungsfrist soll bis 18. Dezember laufen. Begleitet wird der Börsengang von der Erste Group.

Marinomed will mit dem geplanten Börsengang am Prime Market der Wiener Börse den Break Even erreichen. Angestrebt wird eine Marktkapitalisierung von knapp 150 Mio. Euro, der Streubesitz werde dann bei rund 43 Prozent liegen. Firmengründer und Chef Andreas Grassauer geht von einem Mindestvolumen des IPO von 30 Mio. Euro aus.

Als besonderes Asset sieht er sein “sehr kleines, effizientes Team” sowie das geringe Risiko, das daraus resultiere, dass “kostenintensive Teile” ausgelagert sind. “Die Produkte des Unternehmens werden über externe Produzenten hergestellt und über Vertriebspartner und Lizenzen in über 30 Länder weltweit vertrieben”, so Grassauer am Freitag vor Journalisten.

Sein Unternehmen habe bisher insgesamt über 30 Mio. Euro an Eigenkapital und nicht verwässernden Finanzmitteln aufgenommen. Der Markt für die Schnupfen- und Augenprodukte betrage theoretisch sieben Milliarden Menschen, so der Virologe. Zweimal im Jahr erkranke ein Erwachsener im Schnitt an Schnupfen. Außerdem würde der Trend hin in Richtung rezeptfreier Produkte das Heuschnupfenmittel “Budesolv” unterstützen.

Einen dividendenstarken Titel dürfen sich Investoren vorerst nicht erwarten. “Die Gesellschaft hat seit ihrer Gründung keine Dividendenzahlungen geleistet und beabsichtigt in absehbarer Zukunft keine Dividendenzahlungen und wird zu solchen Zahlungen auch wahrscheinlich nicht in der Lage sein”, heißt es dazu in einer Unternehmensbroschüre.

Derzeit ist das Betriebsergebnis (EBIT) noch rot. Im Vorjahr lag es bei minus 1,64 Mio. Euro, im Jahr davor bei minus 1,53 Mio. Euro. Der Jahresfehlbetrag betrug 2017 laut Firmenangaben 2,38 Mio. Euro, im Jahr 2016 war es ein Minus von 1,97 Mio. Euro. Der Netto-Cashflow konnte von minus 1,6 auf plus 4,02 Mio. Euro gedreht werden. Die Bilanzsumme hat sich auf mehr als 9,33 Mio. Euro verdoppelt.

12,8 Prozent des Pharmaunternehmens hält Gründer Grassauer selbst, größter Aktionär ist die Acropora Beteiligungs GmbH, sie besitzt 33,3 Prozent der Firma. Der Börsegang der Marinomed ist der erste des heurigen Jahres in Wien. Im Vorjahr hat der Börsengang der BAWAG eine jahrelange Durststrecke beendet. Zuletzt waren 2014 die FACC und die Buwog (nach der Abspaltung von der Immofinanz) an die Börse gegangen.

Von: apa

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