Am heimischen Standort werden schwarze Zahlen geschrieben

Bombardier Wien verkauft von Toronto bis nach Australien

Freitag, 03. März 2017 | 07:05 Uhr

Der kanadische Luftfahrt- und Bahnkonzern Bombardier befindet sich in einer Umbauphase. Vor allem in Deutschland sind zuletzt fünf Jahre lang rote Zahlen in der Bahnsparte (Transportation-Sparte) geschrieben worden. Am heimischen Standort in Wien-Donaustadt werden aber schwarze Zahlen geschrieben, betonte Christian Diewald, Geschäftsführer der Bombardier Transportation Austria, im APA-Gespräch.

Diewald, der sich selbst als “Straßenbahn-Freak” bezeichnet, zeigt die Fertigungshallen des Standorts am Wiener Stadtrand beim APA-Lokalaugenschein sichtlich stolz her. Immerhin produziere man für die ganze Welt. Die Straßen- und Stadtbahnen aus Österreich fahren in Städten “von Toronto bis China und von Palermo bis Australien”, sagt der knapp 40 Jahre alte Manager, der insgesamt seit zehn Jahren für die Kanadier arbeitet. “Man sieht also, dass Österreich, obwohl es klein ist, eine große Rolle auf der Welt spielen kann.”

Insgesamt spricht die steigende Stadtbevölkerung weltweit für ein Wachstum im Geschäft mit Stadt- und Straßenbahnen, so Diewald. Enorm wichtig für den Austro-Standort sei, dass Bombardier-Straßenbahnen “praktisch zum Herzeigen für potenzielle Neukunden” auch in heimischen Städten wie Graz, Innsbruck oder Linz fahren. “Das ist ein enorm wichtiger Beitrag”, so Diewald. Bald schon, und da leuchten die Augen des Managers, sei es ja auch in Wien so weit und es fahren die ersten Niederflur-Tramways von Bombardier namens “Flexity” in der Bundeshauptstadt. “Das ist auch für die Mitarbeiter eine enorme Motivation.” Ab 2018 sollen die ersten durch die Bundeshauptstadt brausen. Bis zu 156 Stück sollen es für die Wiener Linien werden.

Auch wenn er sie wie viele andere möge und vermissen werde, die klassischen Wiener E2-Garnituren, die viele Bim-Freunde mit der Hauptstadt assoziieren, müsse man diese bald “im schönen Straßenbahnmuseum anschauen”. Die neuen Niederflur-Garnituren ermöglichten auch Älteren, Gehbehinderten und Eltern mit Kinderwagen die volle urbane Mobilität, erinnerte der Manager an die großen Vorteile der neueren Bims.

“Hier ist eine Garnitur für die Gold Coast in Australien”, sagte Diewald auf halbem Weg bei der Werksbesichtigung, “der einzigen Straßenbahn mit Surfbretthalter weltweit.” Im Werk sind Männer und Frauen – vor allem bei der Elektrik – beschäftigt, die Stimmung ist gelassen, freundlich und konzentriert. “Anstrengender”, sagt Diewald, ist die Arbeit an den Stadtbahnen für Rotterdam: Die gesamte Technik wird – im Gegensatz zu Niederflurbahnen – unten am Fahrzeug montiert und nicht oberhalb. “Man muss immer nach oben arbeiten.” Es passierten insgesamt aber ganz wenige Arbeitsunfälle, egal ob man nach unten oder oben schraubt.

Stolz ist der Geschäftsführer der Bombardier Transportation Austria auch auf den ÖBB-Zuschlag für den Pendler-Zug “Talent 3”. Denn Wien ist nicht nur das Straßen- und Stadtbahn-Kompetenzzentrum für den kanadischen Konzern, sondern rund 40 Menschen sind hier auch in der Forschung für Züge tätig. Die Garnituren werden aber in Deutschland und nicht in Österreich gefertigt.

Das Besondere am neuen Talent ist, dass er stromspannungsmäßig in verschiedenen Ländern von Österreich über die Schweiz, Deutschland, Italien und Osteuropa fahren kann – es geht um grenzüberschreitenden Nahverkehr. Es ist ein modernisierter “Talent 2” – der noch vom großen Bombardier-Konkurrenten Siemens kam – den sich die ÖBB bis zu 1,8 Mrd. Euro kosten lassen.

Von: apa

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