Borealis Generaldirektor Stern ist für freien Handel

Borealis hofft auf weiter ungehinderte China-Nachfrage

Montag, 06. August 2018 | 11:40 Uhr

Trotz der internationalen Handelskonflikte hofft der Kunststoffkonzern Borealis mit Sitz in Wien, an dem die OMV mit 36 Prozent beteiligt ist, auf eine auch künftig nicht beeinträchtigte Nachfrage am wichtigen Markt China. Borealis sehe einen freien Handel als das Optimale, Handelsbarrieren wären doch mit negativen Effekten behaftet, meinte Generaldirektor Alfred Stern am Montag zur APA.

Borealis selbst sieht sich nach wie vor in einer sehr guten Situation. Man profitiere von einem recht guten Markt in Europa bei Polyolefinen und von guten integrierten Polyolefinmargen, sagt Stern. Man erkenne aber auch einige Risiken am Markt. So sei etwa der Pflanzennährstoffbereich (Düngemittel) weiter schwierig, “und wir sehen auch eine Reduktion der integrierten Polyolefinmargen”. Trotz des Drucks auf die Margen “bewegen wir uns aber nach wie vor in einem sehr gesunden Umfeld”. Für den Pflanzennährstoffbereich rechne man für das zweite Halbjahr aber nicht mit einer großen Verbesserung.

Eine sehr gute Nachfragesituation gibt es für Borealis zur Zeit etwa im Bereich von Produkten für Draht- und Kabelummantelungen “im Zusammenhang mit der Energiewende, wo ein Netzausbau erfolgen muss”, so der neue CEO, der Anfang Juli auf den früheren Konzernchef Mark Garrett folgte. Auch in Asien und dem Mittleren Osten steige der Bedarf an. Im Autobereich finde Borealis eine gute Nachfrage vor, auch im Elektrifizierungsbereich: “Wir sehen den Wandel zur E-Mobilität als gute Chance für unsere Materialien”, so Stern.

Bei Borealis stehen in nächster Zeit zwei größere Investitionsentscheidungen an – einerseits zu einer weiteren Propandehydrogenisierungs-Anlage in Antwerpen (Belgien), andererseits zu einer Polymeranlage in Texas (USA) im Rahmen des neuen Joint Venture mit dem französischen Energiekonzern Total. Am Standort Bayport (Texas) geht es um eine neue Borstar-Polyethylenanlage mit 625.000 Tonnen Jahreskapazität; man suche einen Generalunternehmer, die finale Investentscheidung solle im zweiten Halbjahr getroffen werden, so Stern. In Bayport hat Total schon eine Polyethylenanlage mit 400.000 Jahrestonnen (Jato), in Bau ist ein Ethan-Steam-Cracker mit 1 Mio. Jato in Port Arthur (Texas).

In Antwerpen möchte man zur bestehenden PDH-Anlage (Propane Dehydrogenation) eine weitere dazubauen, “weil es für Propylen eine Nachfrage gibt in Europa”, wie Stern sagte. Man führe eine Machbarkeitsstudie für das Projekt durch. Eine Entscheidung, wie es weitergehen soll, sei für das zweite Halbjahr geplant, “wir sind sehr positiv eingestellt”. Als Investitionsvolumen ist von rund einer Milliarde Euro auszugehen.

Das Abu-Dhabi-Joint-Venture Borouge von Borealis und der ADNOC (Abu Dhabi National Oil Company) in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) ist nach den Anlagenüberholungen im Bereich Borouge 2 vom ersten Quartal längst wieder in Produktion. Insgesamt erzeugen Borouge 1, 2 und 3 zusammen 4,5 Mio. t jährlich, wobei die letzten 2,5 Mio. t erst 2016 durch die Ausbaustufe 3 dazugekommen waren. Durch eine fünfte Polypropylen-Anlage am Borouge-Standort Ruwais soll die Kapazität dort bis 2021 um eine weitere halbe Million Tonnen auf dann 5 Mio. t jährlich gebracht werden. Derzeit befinde man sich gerade in der Vergabe des Generalauftrags für diese fünfte PP-Anlage, so der Borealis-Chef. In fernerer Zukunft ist ja eine Mega-Erweiterung in Ruwais angedacht (Borouge 4), die eine hohe einstellige Milliardensumme kosten würde.

Im zweiten Quartal kletterten die Borealis-Umsatzerlöse im Jahresabstand um über 15 Prozent auf 2,15 Mrd. Euro – der Gesamtumsatz samt anteiliger Erlöse der at-equity-konsolidierten Unternehmen wuchs um über 9 Prozent auf 2,46 Mrd. Euro. Der Nettogewinn legte gut 12 Prozent auf 293 Mio. Euro zu. Im gesamten Halbjahr erhöhten sich die Umsatzerlöse um fast 8 Prozent auf 4,20 Mrd. Euro und die Gesamtumsätze um gut 3 Prozent auf 4,85 Mrd. Euro; der Nettogewinn ging – wegen des (auch infolge der Überholung bei Borouge) schwächeren ersten Quartals – um 7,1 Prozent auf 533 Mio. Euro zurück. Darüber, wie gut die Chancen stehen, dass Borealis heuer ein weiteres Jahr – historisch wäre es bereits das vierte – eine Milliarde Euro Nettogewinn oder mehr einfährt, wollte Generaldirektor Stern zum jetzigen Zeitpunkt nicht spekulieren.

Von: apa