Die Bank of England kämpft gegen die hohe Inflation

Britische Notenbank hebt Zinsen erneut an

Donnerstag, 16. Juni 2022 | 14:53 Uhr

Nach der US-Notenbank zieht auch die britische Notenbank im Kampf gegen die hochschießende Inflation erneut die Zinszügel an. Mit ihrer inzwischen fünften Erhöhung binnen sieben Monaten setzte die Bank von England (BoE) am Donnerstag den Schlüsselsatz – wie von Experten erwartet – um einen viertel Punkt auf 1,25 Prozent herauf. Die Entscheidung erfolgte mit sechs zu drei Stimmen.

Drei Währungshüter setzten sich im geldpolitischen Ausschuss vergeblich für einen noch größeren Schritt auf 1,50 Prozent ein. Zuvor hatte am Mittwochabend die US-Notenbank den Leitzins außergewöhnlich kräftig um 0,75 Prozentpunkte erhöht, um die Teuerung einzudämmen. Dies war der größte Zinssprung in den USA seit 1994.

Die Entscheidung der britischen Notenbank belastete das Pfund. Die britische Währung baute ihre Verluste zum Dollar aus und fiel am Nachmittag auf 1,2069 Dollar. Nach der massiven Zinserhöhung in den USA und der überraschenden Anhebung am Donnerstagvormittag in der Schweiz hatten an den Finanzmärkten manche Investoren auf eine Erhöhung sogar um einen halben Prozentpunkt – 50 Basispunkte – gesetzt. Er gehe weiter davon aus, dass die Bank von England die Zinsen bei jeder weiteren Sitzung in diesem Jahr anheben werde, erklärte Matthew Ryan, Marktanalyst beim Finanzdienstleister Ebury, die Beschlüsse. “Sie muss aber wahrscheinlich dem 50er Club beitreten, um das Pfund von seinem derzeit schwachen Niveau hochzubringen,” fügte er hinzu.

Die Bank von England werde die notwendigen Schritte unternehmen, damit die Inflation mittelfristig und nachhaltig zur Zielmarke der Währungshüter von zwei Prozent zurückkehre, erklärte die Notenbank. Umfang, Tempo und Zeitpunkt weiterer Zinserhöhungen hingen von den Konjunkturaussichten und von der Inflationsentwicklung ab. Die BoE achte dabei besonders auf Anzeichen für einen stärker anhaltenden Inflationsdruck. Wenn notwendig werde die Notenbank darauf “kraftvoll” reagieren.

Der Inflationsschub im Vereinigten Königreich dürfte nach Einschätzung von Experten länger anhalten als in vielen anderen Volkswirtschaften. Dabei spielt auch der Austritt des Landes aus der Europäischen Union eine Rolle, was sich unter anderem auf den Handel auswirkt. Die britische Notenbank war im Dezember die erste unter den führenden Notenbanken, die seit der Corona-Pandemie die Zinsen angehoben hat. Danach folgten zügig weitere Zinsschritte nach oben. Die Notenbank will damit die starke Teuerung bekämpfen, die nach ihren neuen Prognosen nun im Oktober bei etwas über elf Prozent liegen könnte. Im April erreichte die Inflationsrate im Vereinigten Königreich mit neun Prozent ein 40-Jahres-Hoch.

In den USA kämpft die Federal Reserve mit der höchsten Inflation seit mehr als 40 Jahren. Die US-Notenbank beschloss daher am Mittwochabend, eine ungewöhnlich kräftige Anhebung der Leitzinsen um 0,75 Prozentpunkte auf eine neue Spanne von 1,50 bis 1,75 Prozent. Zuletzt hat es eine solche massive Maßnahme zur Verteuerung des Geldes unter dem einstigen Notenbank-Chef Alan Greenspan gegeben. Auch in der Schweiz steigen wegen der Inflation die Zinsen. In einem Überraschungscoup erhöhte die Schweizerische Nationalbank (SNB) am Donnerstag die Zinsen deutlich um einen halben Prozentpunkt auf minus 0,25 Prozent.

Von: APA/dpa-AFX/Reuters

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