Finanzminister will Herausforderung meistern

Britischer Finanzminister rechnet mit Turbulenzen

Montag, 27. Juni 2016 | 11:20 Uhr

Der britische Finanzminister George Osborne rechnet nach dem Brexit-Votum mit anhaltenden Turbulenzen an den Finanzmärkten. Sein Land könne die schwierige Herausforderung aber meistern, sagte Osborne am Montag. “Unsere Wirtschaft ist so stark wie nötig, um sich der Herausforderung zu stellen, die auf unser Land jetzt zukommt”, erklärte der Minister in seiner ersten Rede seit dem Brexit-Votum.

Die Regierung habe Maßnahmen vorbereitet, um damit fertig zu werden. Einen Antrag auf den Austritt aus der EU solle sein Land aber erst stellen, wenn Großbritannien selber klar sehe, wie die Beziehungen mit der EU weitergehen sollen. Die Auswirkungen des Brexit werden auch die öffentlichen Finanzen treffen, sagte Osborne, er geht davon aus, dass im Herbst diesbezüglich Maßnahmen notwendig werden. Es sei offensichtlich, dass einige Firmen nun ihre Investitionen aussetzen.

“In den nächsten Tagen” will sich Osborne, der früher als logischer Nachfolger des scheidenden Parteichefs David Cameron galt, zu seiner eigenen Zukunft in der Partei äußern. Derzeit sei er ganz auf seine Tätigkeit als Finanzminister konzentriert.

Aus der britischen Wirtschaft kommt unterdessen die Aufforderung an die Regierung, schnell für Klarheit zu sorgen. In der “Times” schrieb die Chefin des größten Wirtschaftsverbands CBI, Carolyn Fairbairn, die Unsicherheiten belasteten Investmententscheidungen und bremsten die Schaffung von Arbeitsplätzen. Die Regierung müsse “dringend” handeln, um diese Unsicherheiten zu begrenzen. Auch die Handelskammern des Landes forderten, das weitere Vorgehen rasch zu klären.

Denn nach dem Brexit-Votum denken viele britische Unternehmen über die Verlagerung von Geschäften ins Ausland nach. In einer Umfrage des Firmenchef-Netzwerks Institute of Directors (IoD) gaben 22 Prozent der Mitglieder an, dass sie solche Überlegungen hegten, wie der Verband am Montag mitteilte. Knapp jeder vierte Befragte (24 Prozent) will demnach vorerst keine neuen Arbeitskräfte einstellen.

Eine klare Mehrheit der Firmenchefs bewertete das Brexit-Votum als problematisch. 64 Prozent gaben an, das Ergebnis des Referendums werde sich negativ auf ihr Geschäft auswirken. Das IoD hatte von Freitag bis Sonntag mehr als 1.000 seiner Mitglieder zu den Folgen der Entscheidung befragt. Knapp 52 Prozent der Briten hatten sich am Donnerstag für den Austritt ihres Landes aus der EU ausgesprochen.

“Die Unternehmen werden fleißig daran arbeiten, wie sie sich anpassen und wie sie nach dem Referendum Erfolg haben können”, erklärte IoD-Chef Simon Walker. “Aber wir dürfen es nicht beschönigen: Viele unserer Mitglieder sind verunsichert.”

Von: apa