Gemeinsamer Gas-Notfallplan in EU wird konkreter.

Brüssel plant Schritte für Gaslieferstopp

Donnerstag, 14. Juli 2022 | 16:35 Uhr

Die EU-Kommission ermutigt die 27 EU-Mitgliedsstaaten, die Gasnachfrage durch ein Bündel von Maßnahmen zu reduzieren und damit die Gefahr eines Gasmangels im Winter deutlich zu senken. “Wenn wir jetzt handeln, könnten die Auswirkungen einer plötzlichen Versorgungsunterbrechung um ein Drittel reduziert werden”, heißt es in dem ersten Entwurf für einen Gasnotfallplan. Die EU-Kommission will diesen am 20. Juli offiziell vorstellen.

Vorgeschlagen wird unter anderem, dass öffentliche Gebäude nicht mehr so stark beheizt werden. Die Kommission schlägt hier eine Obergrenze von 19 Grad vor. Außerdem folgt sie den Vorstellungen der deutschen Regierung, Unternehmen finanzielle Anreize zu geben, auf Gasverbrauch zu verzichten – etwa über Auktionen. Firmen sollen aber auch beim Umstieg auf andere Energieträger national gefördert werden können.

Hintergrund ist die Sorge, dass Russland seine Gaslieferungen auch nach dem voraussichtlichen Ende der turnusmäßigen Wartung der Ostsee-Pipeline Nord Stream 1 am 21. Juli nicht wieder voll aufnimmt. Nach den Berechnungen der Kommission würde ein vollständiger Stopp der russischen Gaslieferungen dann dazu führen, dass die EU-Vorgabe verfehlt wird, bis November die Gasspeicher auf 80 Prozent zu füllen. Die Simulationen kommt dann auf eine Lücke von 20 Mrd. Kubikmeter Gas bei normalen Winterbedingungen und einer jährlichen Nachfrage von 380 Mrd. Kubikmeter. Die Lücke könne bei einem besonders kalten Winter größer sein – und der vollständige Verbrauch des Gases in Speichern verkompliziere die nötige Befüllung im Sommer 2023.

Die EU-Regierungen sollten auch entscheiden, in welcher Reihenfolge sie die Industrie im Falle eines Versorgungsengpasses zur Schließung zwingen würden, heißt es in dem Entwurf. Bei der Anordnung sollte berücksichtigt werden, wie wichtig die Dienstleistungen einer Anlage sind und wie sich ihre Schließung auf die Lieferketten auswirken würde. In Deutschland wird dies ohnehin durch die Bundesnetzagentur vorbereitet. In dem Entwurf wird auch erneut betont, dass Haushalte nach EU-Recht “geschützte Kunden” sind. Das bedeutet, dass sie als Letzte von einer Gasrationierung betroffen wären. Die Länder könnten jedoch anderen Verbrauchern, wie Büros oder Einkaufszentren, im Falle einer ernsten Gasknappheit obligatorische Heiz- oder Kühlbeschränkungen auferlegen, betont die Kommission.

Die österreichische Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne) hält die Vorschläge der EU-Kommission für vernünftig. “Vor uns liegt eine enorme Herausforderung – und wir können sie nur bewältigen, indem wir alle einen Beitrag leisten. Wir werden den Strom- und Gasverbrauch reduzieren müssen, wo immer es geht. Je weniger Gas wir verbrauchen, umso größer ist unser Sicherheitspolster. Und ich werde diese Vorschläge am kommenden Treffen der Energieminister:innen natürlich unterstützen”, sagte Gewessler Donnerstagnachmittag laut einer Mitteilung. Laut Gewessler treffen sich die EU-Energieminister und -ministerinnen am 26. Juli zu einem Sondertreffen in Brüssel. Dort soll der fertige Plan vorgestellt werden. Europäische Solidarität sei nun das Gebot der Stunde, so die Ministerin, die nach den gestrigen Ankündigungen der ungarischen Regierung zu Sicherung der Energieversorgung mit EU-Energiekommissarin Kadri Simson telefoniert hat.

Auch die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock begrüßt die Vorbereitung eines EU-Aktionsplans für den Fall eines Gasnotstands in Europa. Es sei “sehr, sehr wichtig und richtig, dass die EU-Kommission hier Vorschläge macht für unterschiedliche Szenarien”, sagte die Grünen-Politikerin am Donnerstag in Rostock. “In Zeiten, wo die Unsicherheit größer ist als zu normalen friedlichen Zeiten, muss man vorbereitet sein.”

Weltärzte-Präsident Frank Ulrich Montgomery hält die von der EU anvisierte Senkung der Heiztemperatur in Büros auf 19 Grad für gesundheitlich unbedenklich. “Dann bringt man sich halt den Pullover von zuhause mit”, sagte der Vorsitzende des Weltärztebundes am Donnerstag der Mediengruppe Bayern. Die Senkung müsse nur rechtzeitig angekündigt werden, damit sich jeder darauf einstellen könne – für die Gesundheit der Beschäftigten bedeute die Temperatursenkung “gar nichts”.

FPÖ-Europaabgeordneter Harald Vilimsky sieht hingegen “die Kommission schon jetzt auf ganzer Linie gescheitert”. Die Klima- und Sanktionspolitik der EU habe zu einem Dilemma geführt. “Die EU handelt nicht nach Vernunft, sondern nach pseudo-moralischen Kriterien. Am Ende müssen die Bürger die Zeche zahlen”, meinte der freiheitliche EU-Abgeordnete und forderte die Aufhebung der Sanktionen gegen Russland und eine Volksbefragung zu den Sanktionen.

Von: APA/Reuters

Kommentare

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31 Kommentare auf "Brüssel plant Schritte für Gaslieferstopp"


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pingoballino1955
pingoballino1955
Superredner
30 Tage 5 h

Alle sprechen von Gaspreisen,Heizöl kostet aktuell mit viel Glück zwischen 1,90 und 2,10 Euro inkl Iva.Hat es noch nie gegeben in Italien.Draghi wo bist du? Akzisen auf Heizöl nicht gekürzt,Iva nicht gekürzt???? Jede Familie kann sich nicht leisten auf andere Energiequellen umzusteigen,wenn sie ohnehin mit dem Gehalt nicht bis zum Monatsende auskommen.Seltsam die gesamte Presse schreibt darüber nicht???

traktor
traktor
Kinig
30 Tage 5 h

pinkopallino@
du hattest seit vielen jahren zeit auf alternativen umzusteigen,wo dir due anlage die kosten funanziert hätte! warum nix gemacht in bella italia???

N. G.
N. G.
Kinig
30 Tage 4 h

“Innerhalb der vergangenen zehn Jahre hat sich die Staatsverschuldung von Italien um über 35 Prozent erhöht und beträgt im Jahr 2021 geschätzt rund 2,68 Billionen Euro. Für 2022 wird die Staatsverschuldung Italiens auf etwa 2,78 Billionen Euro prognostiziert”.
BIP ca. 135%! Deutschland z. B. 60%.

Und du verlangst mehr Geld vom Staat? Wäre Italien ein ganz normaler Kunde einer Bank, gäbs wahrscheinlich keinen Cent mehr als Kredit!

Oracle
Oracle
Universalgelehrter
30 Tage 3 h

@pingoballino1955…. es gibt seit Jahren Beiträge und Begünstigungen und Steuerabsätze für Sanierungen und Energieeinsparung…… da braucht man sich jetzt nicht zu beschweren und die jetztige Regierung dafür verantwortlich machen, wenn man selber säumig war!…… übrigends, wurden die Akzisen auf Treibstoff und MwSt nicht drastisch bereits reduziert?

primetime
primetime
Kinig
29 Tage 23 h

@traktor @Oracle In einem Kondominium darf das nicht jeder für sich entscheiden. Sich darüber beschweren ist aber trotzdem legitim und angebracht.
Denn einen Krieg für diese Teuerungen vorschieben, obwohl diese schon viele Monate zuvor angekündigt und auch eingetreten sind, ist billige Bauernfängerei!

pingoballino1955
pingoballino1955
Superredner
29 Tage 20 h

Traktor,überleg dir die Worte bevor du so einen “Schrott” schreibst.Zudem gebe ich dir einen guten Rat,lerne korrekt DEUTSCH zu schreiben.Übrigens,wer hat dir erlaubt mich zu Duzen,DU kennst mich ja nicht .Zu deiner Info,habe eine gute und sinnvolle Heizanlage in Betrieb.Lies die Texte gut durch,damit du “schnallst” was ich für die ärmeren Familien gemeint habe.

pingoballino1955
pingoballino1955
Superredner
29 Tage 20 h

Oracle ,lies den Text genauer durch,bevor du kritisiert.

Spiegel
Spiegel
Universalgelehrter
29 Tage 17 h

Wegen solchen Individuen wie NG hat sich Italien verschulden müssen.

Spiegel
Spiegel
Universalgelehrter
29 Tage 17 h

Die armen sollen mehr Arbeiten

primetime
primetime
Kinig
29 Tage 7 h

Und wenn jemand schon 6/5 Tage arbeitet? Woher soll man dieses “mehr” bekommen?
Zudem steigen die Preise, der Lohn nicht. Du hast einige Denkfehler

Sun
Sun
Universalgelehrter
29 Tage 23 h

Wie will die EU die Ukraine finanziell unterstützen, wenn die eigene Wirtschaft an die Wand gefahren wird? Embargos und Sanktionen gut und recht, aber sie sollten Russalnd schwächen und nicht die EU.
Wenn dieses Vorhaben scheitert, dann hat es Putin tatsächlich  geschafft die EU zu spalten.

sakrihittn
sakrihittn
Universalgelehrter
29 Tage 17 h

das hat die EU schon von alleine…

Hausdetektiv
Hausdetektiv
Superredner
30 Tage 1 h

ich heize mit pallets und holz, bin deshalb davon nicht betroffen.

GTH
GTH
Superredner
29 Tage 21 h

sog bitte wo die pellets kafsch, der preis hot sich zum leschten johr verdoppelt

Hausdetektiv
Hausdetektiv
Superredner
29 Tage 20 h

@GTH hast du keinen klassischen holzofen mehr? man kan auch mit holz heizen.

Spiegel
Spiegel
Universalgelehrter
29 Tage 17 h

Stückholzheizung mit meinen eigenen Holz

genau
genau
Kinig
29 Tage 13 h

@Spiegel

Das ist wiederum eine interessante Lösung.
Eigenes Holz aber trotzdem vollautomatisch!

primetime
primetime
Kinig
29 Tage 7 h

Die Mehrheit hat zu Hause keinen Ofen

Spiegel
Spiegel
Universalgelehrter
29 Tage 3 h

Strom habe ich in hülle und fülle mit einer 54 Kw Solaranlage! Ach wie schön

primetime
primetime
Kinig
28 Tage 21 h

Schön für dich. Aber deine “Schadenfreude” ist halt zum kotzen….

traktor
traktor
Kinig
30 Tage 5 h

bereits jetzt sollte gelten klimaanlage aus für alle wo es möglich wäre alternative energien zu installieren….

pingoballino1955
pingoballino1955
Superredner
29 Tage 20 h

Traktor,dann gib doch du den Leuten das Geld für neue Enegiequelleninstallationen die mit ihrem Gehalt kaum bis Monatsende kommen und erklär mal ganz konkret welche Bank verschuldeten Familien einen Kredit gewähren? Zudem welche Beiträge man für wieviel, für was wenn überhaupt bekommt!. Wohl leeres blabla.

traktor
traktor
Kinig
29 Tage 19 h

@pingoballino1955
suchen Sie sich eine andere arbeit wenn sie ihre familie nicht ernähren können!!! Umschulung macht es möglich Mister! Die allgemeinheit hat nicht lust ihre zeche zu bezahlen!!

Grünschnabel
29 Tage 15 h

@traktor
Aber anderen vorschreiben wollen, wann andere ihre Klimanalage ausschalten sollen! Schon mal an alte Leute gedacht?

primetime
primetime
Kinig
29 Tage 7 h

@traktor na gea bitte…..

2x nachgedacht
2x nachgedacht
Grünschnabel
30 Tage 4 h

war von anfang an klar…die eu will die ukraine *retten*… ähnlich einem nichtschwimmer, der einen vermeintlich ertrinkenden *retten* will… wie das vermutlich endet, kann sich ein jeder jede jedes ausmalen.

sakrihittn
sakrihittn
Universalgelehrter
29 Tage 17 h

Es ist Zeit das Ruder wieder selbst in die Hand zu nehmen. Die EU hat schon genug Schaden angerichtet.

Frank
Frank
Universalgelehrter
29 Tage 19 h

“Brüssel plant Schritte”.

Ah ja, wie viele Monate werden die EU Bürokraten für Entscheidungen brauchen?

Das EU Mitglied Spanien handelt, statt endlos zu palavern: https://www.rnd.de/politik/spanien-kauft-so-viel-russisches-gas-wie-nie-5C7OHXB7I5FJFFDEIFQOWE7FQQ.html
Also doch nicht nur Ungarn, wie es gern hingestellt wird.

sakrihittn
sakrihittn
Universalgelehrter
29 Tage 15 h

Es ist die Unlogik an sich, man verzichtet auf günstige Importe weil man den Lieferanten schädigen will. Der wiederum kann seine Erzeugnisse wo anders viel besser verkaufen. Man opfert sich, damit der andere gezwungen ist woanders mehr zu verdienen ! Versucht das nicht zu verstehen !

gamer6401
gamer6401
Grünschnabel
29 Tage 15 h

Diese Sanktionen gegen Putin ruinieren eher die Bürger in Europa und nicht Russland. Wer einen Holzofen hat sollte jetzt schon Holz sammeln, sonst bleiben vielen wohl nur lange Unterhosen u. ein dicker Pullover. Gas, Öl u. Strom könnten für bald für unbezahlbar werden.

hundeseele
hundeseele
Universalgelehrter
29 Tage 8 h

Mir wird schon schlecht wenn ich höre “Brüssel plant”

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