Tag der Arbeit am 1. Mai

Caritas Integra: Der steinige Weg zu einem Arbeitsplatz

Mittwoch, 29. April 2015 | 12:33 Uhr

Bozen – Einen Arbeitsplatz zu finden ist in Südtirol schwierig geworden – besonders für Menschen mit Beeinträchtigung. Darauf weist die Caritas anlässlich des Tages der Arbeit am ersten Mai hin. Im Burggrafenamt führt sie den Dienst Integra, welcher junge Erwachsene mit Beeinträchtigung in Zusammenarbeit mit der Bezirksgemeinschaft Burggrafenamt bei der Einbindung ins berufliche und gesellschaftliche Umfeld unterstützt. „Arbeitsplätze sind rar geworden und die Anforderungen an die einzelnen Mitarbeiter steigen. Wer sie nicht erfüllen kann, hat kaum eine Chance, angestellt zu werden. Benachteiligte Menschen fallen immer öfter durch das soziale Netz“, erklärt die Leiterin von Integra, Paula Tasser.
 
Die Suche nach einer Arbeit wird schwieriger, für manche fast unmöglich. Das bekommt der 23jährige Alex (der Name wurde geändert) am eigenen Leib zu spüren. Er hat nach der Pflichtschule drei Jahre lang die Berufsfachschule für das Gastgewerbe Savoy in Meran besucht. Der junge Mann hat sich in der Schule bemüht, doch wegen seiner Lernschwierigkeiten erhielt er nur eine Teilqualifikation und fand keine Arbeit. Seit Juni des vergangenen Jahres wird Alex im Caritas-Dienst Integra betreut, welcher junge Erwachsenen bei der Teilhabe in Arbeitswelt und Gesellschaft unterstützt. Er fand bald einen Praktikumsplatz in einem Hotel, in welchem er bis heute in Vollzeit tätig ist. Er ist fleißig, sein Arbeitgeber ist zufrieden mit ihm, doch fest anstellen kann er ihn nicht, weil Alex nicht so leistungsfähig ist, wie andere Mitarbeiter.
 
„Alex ist ein gutes Beispiel für die Schwierigkeiten, mit denen Menschen mit Beeinträchtigung jeden Tag konfrontiert werden“ erklärt Paula Tasser, die Leiterin von Integra. In den Betrieben werden die Geldmittel knapper und die Anforderungen an die einzelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter steigen. Angestellt wird, wer möglichst viel leisten kann. Menschen auch mit nur geringen Beeinträchtigungen können dabei kaum mithalten“, erklärt Tasser und drückt gleichzeitig ihr Besorgnis angesichts dieser Entwicklungen aus: „Nicht alle Frauen und Männer mit Beeinträchtigung haben Anrecht auf Pflegegeld oder eine Invalidenrente. Die Gefahr, dass sie durch den sozialen Rost fallen, steigt. Denn als Praktikanten erhalten sie lediglich eine kleine Prämie von maximal 390 Euro. Wenn sie keine Unterstützung von ihren Eltern mehr erhalten geraten sie unter die Armutsgrenze. Ohne festen Arbeitsplatz sind sie nicht sozialversichert und haben auch keinen Anspruch auf eine Rente“, gibt die Leiterin von Integra zu bedenken. Alex weiß das alles und sucht bereits seit Monaten einen Arbeitsplatz. Doch bisher hat er nur Absagen oder überhaupt keine Antwort auf seine Bewerbungen erhalten.
 
Nicht alle 22 Männer und Frauen, welche derzeit von Integra begleitet werden, sind in derselben Situation wie Alex. Einige von ihnen beziehen Pflegegeld oder Invalidenrenten. Für sie sind die von Integra vermittelten und begleiteten Praktika in den Burggräfler Betrieben eine gute Alternative zur Mitarbeit in den geschützten Werkstätten „Die Arbeit stärkt ihr Selbstvertrauen und ermöglicht ihnen auch gesellschaftliche Teilhabe. Bei der Arbeit können sie Beziehungen außerhalb der Werkstätten knüpfen, was sonst eher schwierig ist“, erklärt Paula Tasser.
 
Für Menschen wie Alex jedoch, die keine Zuwendungen erhalten, weil der Grad ihrer Beeinträchtigung dafür nicht hoch genug ist, geht es um mehr. „Für sie geht es um die Zukunft, um soziale Absicherung, die sie nur mit einem Arbeitsplatz erreichen. Wir wollen für diese jungen Menschen eine Brückenfunktion zur Arbeitswelt ausüben. In Arbeitstrainings bereiten wir sie auf die Arbeitswelt vor und begleiten sie auch während der Praktika in verschiedenen Betrieben mit dem Ziel, dass sie danach fest angestellt werden“, erklärt Paula Tasser, die Leiterin von Integra. Doch genau das sei in Zeiten der Krise kaum noch möglich. „Für Menschen, die auf dem Arbeitsmarkt klar benachteiligt sind, braucht es neue Modelle, die ihnen den Zugang zu einer guten Arbeit ermöglichen“, betonen auch die beiden Caritas-Direktoren Heiner Schweigkofler und Paolo Valente. Dabei seien die Verantwortungsträger in Politik und Wirtschaft gefragt.
 
Wer sich für die Aktivitäten von Integra interessiert, oder als Betrieb mit dem Dienst zusammenarbeiten möchte, ist herzlich eingeladen, sich zu melden. Integra (Meran, Winkelweg 12 ist unter Tel. 335 63 72 957 oder paula.tasser@caritas.bz.it erreichbar.

Von: ©mk

Bezirk: Bozen