Karl Stoss hört auf

Casinos-Austria-Chef Karl Stoss geht Ende 2017

Dienstag, 25. April 2017 | 15:10 Uhr

Der teilstaatliche Casinos-Austria-Konzern verliert nach dem Einstieg der tschechischen Sazka-Gruppe und des Erzrivalen Novomatic seinen Chef. Karl Stoss, seit Mai 2007 Vorstandsvorsitzender der Casinos Austria, geht Ende 2017. Er habe dem Aufsichtsrat bereits im Vorjahr gesagt, dass er seinen heuer auslaufenden Vertrag nicht verlängern will, sagte Stoss bei der Vorlage der Rekordzahlen für 2016.

Wie viele Sportler, die nach ihrem größten Erfolg zurücktreten, wolle auch er gehen, “wenn es am schönsten ist”, so Stoss am Dienstag bei der Bilanzpressekonferenz der Casinos Austria. Stoss’ Vertrag war wegen des Eigentümerwechsels zuletzt, 2015, nur bis Ende 2017 verlängert worden. Es sei seine persönliche Entscheidung gewesen, zu gehen und habe nichts damit zu tun, dass Novomatic Stoss loswerden wolle, wie in Medien spekuliert worden war.

Novomatic-Chef Harald Neumann hatte kürzlich die rege Reisetätigkeit Stoss’ kritisiert. Stoss ist auch Präsident des Österreichischen Olympischen Comités (ÖOC), im März wurde er als Präsident für eine dritte Amtszeit bis 2021 wiederbestellt. Seine Funktion im ÖOC sowie seine zahlreichen anderen Posten will Stoss jedenfalls weiter ausführen. Stoss ist unter anderem Mitglied im International Olympic Committee (IOC), Aufsichtsrat der Signa Prime Selection des Immo-Milliardärs Rene Benko, der Silvretta Montafon GmbH und der UNIQA Versicherungsverein Privatstiftung. Weiters übt er Ehrenämter aus, um die er sich in Zukunft verstärkt kümmern wolle, wie er sagte. “Ich will heraustreten aus dem Hamsterrad der Fremdbestimmtheit.” Solange er noch fit sei, möchte er zudem noch viel bergsteigen.

Wer ihm jetzt an der Spitze der Casinos nachfolgt, darüber müsse der Aufsichtsrat entscheiden. Wenn er wollte, könnte er dort die Mehrheit noch einmal bekommen, so Stoss auf Fragen zur Kritik des Neo-Eigentümers Novomatic. Novomatic-Chef Harald Neumann ist seit Kurzem im Aufsichtsrat der Casinos, Vorsitzender des Kontrollgremiums ist Ex-RZB-Chef Walter Rothensteiner. Novomatic und die Sazka-Gruppe seien nämlich derzeit Minderheitseigentümer. “Die können mir zwar ausrichten, dass sie mich nicht wollen, aber die haben nicht das alleinige Sagen.”

Dass Novomatic-Chef Neumann auch Casinos-Aufsichtsratschef ist, findet Stoss aus Compliance-Sicht durchaus problematisch. Das sei aber in Österreich nicht unüblich – man brauche sich nur die Aufsichtsratszusammensetzungen in der Energiebranche anzusehen.

Über die Cheffrage der Casinos befindet Anfang Mai der Personalausschuss des Aufsichtsrats, dem Rothensteiner vorsitzt. “Dann werden die Aktionäre zusammenkommen”, so Stoss. Größter Eigentümer des Casinos-Konzern (inklusive Lotterien) ist die Sazka-Gruppe mit 34 Prozent, gefolgt von der Staatsholding ÖBIB (33 Prozent) und Novomatic (17 Prozent).

Novomatic darf aus kartellrechtlichen Gründen maximal ein Viertel übernehmen, indirekt und direkt (den Lotterien-Anteil dazugezählt) sind es laut Stoss jetzt mehr als 23 Prozent. Die Sazka-Gruppe könne dagegen ihre Anteile aufstocken. Der Einstieg der Tschechen ist noch nicht unter Dach und Fach, da noch einige aufsichtsrechtliche und behördliche Bewilligungen aus dem Ausland ausstehen. Besonders in Kanada, Australien und der Schweiz können solche Prüfungen 12 bis 18 Monate dauern, Stoss glaubt daher eher nicht, dass das grüne Licht für den Kauf der Anteile noch heuer erfolgt. Es geht dabei um die Anteile, die die Tschechen der UNIQA und dem Raiffeisen-Mühlenkonzern LLI abgekauft haben.

Weitere Kleinaktionäre der Casinos Austria sind etwa die frühere Kirchenbank Schelhammer & Schattera oder das Hotel Sacher. Ob die Tschechen auch mit ihnen Gespräche führen, wisse er nicht, sagte Stoss.

Als aussichtsreiche Kandidatin für den Casinos-Chefposten gilt Stoss’ Vorstandskollegin Bettina Glatz-Kremsner, deren Vertrag Ende 2019 ausläuft. Stoss’ zweiter Kollege Dietmar Hoscher, der wie Glatz-Kremsner heuer 55 wird, dürfte verlängern wollen. Hoschers Vertrag läuft Ende 2017 aus. Es werde bald ein Gespräch zwischen Rothensteiner und Hoscher geben. “Ich nehme aufgrund des Geburtsjahrgangs an, dass eine Weiterverlängerung angestrebt wird”, so der Casinos-Chef.

Stoss legte zum Abgang eine Rekordbilanz vor. Im Jahr 2016 stieg der Umsatz der Gruppe um 8 Prozent auf einen Höchstwert von 3,89 Mrd. Euro, das Betriebsergebnis legte um 49 Prozent auf 150 Mio. Euro zu und das Konzernergebnis um 65 Prozent auf 91 Mio. Euro. Die Steuerleistung des Konzerns überschritt erstmals die 600-Millionen-Marke.

Die Kugel rollte in den zwölf Inlandscasinos ebenso weiter wie im Internet, wo der Konzern operativ mittlerweile fast gleich viel verdient wie in den heimischen Spielbanken. Die Spielbanken (Casinos Austria AG) erlösten im Vorjahr 327 Mio. Euro (2015: 311 Mio.) und verdienten unterm Strich 74 Mio. (2015: 20 Mio.) Euro, die Besucherzahl stieg weiter. Die Auslandstochter CAI, lange Jahre das Sorgenkind des Konzerns, schaffte erstmals seit 2009 wieder schwarze Zahlen (+9 Mio. nach -3,8 Mio.), die Spielerlöse gingen von 134 Mio. auf 126 Mio. Euro zurück.

In den Jahren seit seinem Antritt hat der Casinos-Konzern seine Schulden von 552 Mio. auf 391 Mio. abgebaut – als eigener Kraft, wie Stoss betonte. Die Mitarbeiterzahl im Inland stieg von 2007 auf 2016 von 2.303 auf 2.503 (Vollzeitäquivalente im Jahresschnitt). Die Mitarbeiterzahl des Gesamtkonzerns ging von 2015 auf 2016 von 4.256 auf 4.233 zurück.

Von: apa