Yi Gang will den Yuan auf stabilem Niveau halten

China rüstet sich für Handelskrieg mit USA

Dienstag, 03. Juli 2018 | 11:23 Uhr

China rüstet sich für eine Eskalation im Handelskonflikt mit den USA. Angesichts der jüngsten Schwäche der chinesischen Währung versicherte die Notenbank in Peking am Dienstag, einem Kursverfall des Yuan nicht tatenlos zusehen zu wollen. Die chinesische Wertpapieraufsicht bereitet sich darauf vor, auf Markt-Turbulenzen zu reagieren. Die Gefahr eines Handelskrieges verunsichert indes die Anleger.

Chinas Zensur wies zudem die staatlich kontrollierten Medien an, die Gefahren eines Handelskriegs zwischen den beiden größten Volkswirtschaften “herunterzuspielen”, wie die “China Digital Times” aus den Instruktionen zitierte. So nannten Zeitungen die jüngsten Kursverluste an Chinas Börsen “irrational” und eine “Überreaktion”. Investoren wurden gedrängt, angesichts der drohenden Eskalation nicht in Panik zu verfallen.

Am Freitag sollen Sonderzölle der USA von 25 Prozent auf chinesische Importe im Wert von 34 Mrd. US-Dollar (29 Mrd. Euro) in Kraft treten. Abgaben auf weitere chinesische Waren im Wert von 16 Mrd. sollen am 13. Juli erwogen werden und könnten Anfang August schlagend werden. Im Gegenzug hat China umgehende Strafzölle auf Importe aus den USA in ähnlicher Höhe angekündigt. Kommt es zu der Vergeltung, hat US-Präsident Donald Trump weitere Sonderabgaben auf Importe aus China im Wert von 200 Mrd. US-Dollar angedroht. Damit wäre die Hälfte aller Ausfuhren aus China in die USA betroffen.

Die Gefahren eines solchen Handelskriegs zwischen den zwei größten Volkswirtschaften verunsichert Anleger. Nach den starken Kursverlusten an Chinas Aktienmärkten am Montag fiel der Hang-Seng-Index in Hongkong nach einem Feiertag anfangs am Dienstag um mehr als drei Prozent auf den niedrigsten Stand seit neun Monaten. Er erholte sich im Laufe des Handels leicht und schloss mit einem Minus von 1,71 Prozent. Die angespannte Lage an Asiens Börsen beruhigte sich aber am Dienstag ein wenig.

China werde den Yuan stabil auf einem angemessenen, gleichgewichtigen Niveau halten, versicherte Notenbankchef Yi Gang in einem Interview mit dem “China Securities Journal”. Die Kursbewegungen am Devisenmarkt beobachte die Notenbank genau, erklärte Yi.

Die chinesische Währung war erheblich unter Druck geraten. Fachleute nennen einerseits Gründe außerhalb Chinas wie den Handelskonflikt mit den USA und steigende Zinsen in den Vereinigten Staaten. Es wird aber auch auf wirtschaftliche Schwächen in China selbst verwiesen, etwa die zuletzt sichtbaren konjunkturellen Bremsspuren.

Der Kurs des Yuan bewegt sich im Gegensatz zu anderen Währungen wie dem Dollar oder dem Euro nicht frei. Vielmehr gibt die Notenbank jeden Tag ein Kursniveau vor, um das sich der Kurs in einer festen Bandbreite bewegen darf. Bei der Vorgabe des zentralen Kursniveaus richtet sich die Notenbank aber stärker als früher nach den Marktgegebenheiten.

Beobachter wiesen darauf hin, dass ein schwacher Yuan allerdings auch helfen könnte, Chinas Exporte zu verbilligen und so die Auswirkungen eines Handelskrieges aufzufangen. Eine schnelle Abwertung des Yuan gilt aber potenziell als gefährlich. Als China im Herbst 2015 und Anfang 2016 versuchte, die Währung stärker den Marktkräften zu überlassen und abzuwerten, gab es Börsenturbulenzen weltweit.

In der Eskalation des Handelsstreits will China vor allem Stabilität wahren. Die Staatsmedien wurden angewiesen, keine Äußerungen von US-Präsident Trump, anderen US-Regierungsvertretern und auch keine Berichte aus US-Medien zu verbreiten, ohne vorher eine Genehmigung einzuholen. Diese Phase des Handelskonflikts mit den USA erfordere “Ruhe und Rationalität”, hieß es laut “China Digital Times” in den Instruktionen. Die Verhandlungen seien eingestellt, und die Gegenmaßnahmen würden gezielt ausgerollt, um die verschiedenen Gruppen in den USA “zu spalten”, hieß es weiter.

Von: APA/dpa

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Containerschiff im Hafen von Qingdao: US-Zölle könnten Handel treffen

China rüstet sich für Handelskrieg mit USA

Mittwoch, 30. Mai 2018 | 12:48 Uhr

Der Handelsstreit zwischen den USA und China flammt wieder auf, während Europa auf eine Einigung mit Washington in letzter Minute setzt. Chinesische Medien kritisierten am Mittwoch die Drohung der USA von möglichen Importzöllen im Umfang von 50 Mrd. Dollar (rund 43 Mrd. Euro), sollte sich die Volksrepublik nicht mit dem Diebstahl geistigen Eigentums auseinandersetzen.

In einem Kommentar der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua hieß es, China sei bereit, seine Interessen zu verteidigen: “Wir wollen nicht kämpfen. Aber wir haben auch keine Angst zu kämpfen.” China verschärft damit den Ton nur wenige Tage vor dem für Anfang Juni geplanten Besuch von US-Handelsminister Wilbur Ross in Peking.

US-Präsident Donald Trump ist das 335 Mrd. Dollar schwere US-Defizit im Handel mit China ein Dorn im Auge. Bei Gesprächen Mitte Mai hatten beide Seiten vereinbart, dass die Volksrepublik mehr Energie und Agrarprodukte in den USA einkaufen werde. Trump sorgte allerdings zuletzt für Verunsicherung mit der Aussage, ein Abkommen mit China werde “eine neue Struktur benötigen”.

Auch Europa muss weiter fürchten, dass die zunächst bis Ende des Monats ausgesetzten US-Schutzzölle von 25 Prozent auf Stahl und 10 Prozent auf Aluminium ab Juni fällig werden. EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström versucht, dies noch abzuwenden. Sie sei auf dem Weg nach Paris und werde dort mit Ross und dem US-Handelsbeauftragten Robert Lighthizer zusammenkommen, erklärte Malmström. Ziel der EU sei eine dauerhafte Ausnahme von den Zöllen.

Die deutsche Wirtschaft sieht die Wachstumsaussichten der größten Volkswirtschaft der Eurozone durch den Streit beeinträchtigt. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) senkte seine Prognose vor diesem Hintergrund deutlich. Es werde heuer nur noch mit einem Plus beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 2,2 Prozent gerechnet, ein halber Punkt weniger als zuletzt, sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben in Berlin.

Laut dem Internationalen Währungsfonds muss sich auch China darauf einstellen, dass die Reibereien im Handel mit den USA ein Risiko für die Wirtschaft bedeuten. Der IWF-Vertreter Alfred Schipke rief in Peking zum Abbau der Spannungen auf und forderte von beiden Seiten mehr Kooperation.

Für weitere Spannungen dürften allerdings US-Pläne sorgen, die Laufzeiten für Visa für ausländische Studenten aus bestimmten Ländern in Wissenschafts- und Technologiefächern ab dem 11. Juni zu begrenzen. Wie ein Insider im Weißen Haus sagte, soll damit sichergestellt werden, dass kein geistiges Eigentum an Konkurrenten der USA weitergeleitet wird.

Von: APA/ag.