Trump möchte einmal mehr Härte zeigen

China und USA überziehen sich mit weiteren Zöllen

Dienstag, 18. September 2018 | 16:21 Uhr

Nach der Zuspitzung im Handelsstreit zwischen den USA und China haben sich beide Seiten unnachgiebig gezeigt. Auf die Verhängung neuer Strafzölle durch US-Präsident Donald Trump reagierte China am Dienstag mit eigenen Strafmaßnahmen. Man habe “keine andere Wahl”, erklärte die Regierung in Peking.

Trump hatte für diesen Fall bereits eine weitere Zoll-Runde – eine “Phase drei” – auf chinesische Waren im Wert von fast 300 Milliarden Dollar (257,05 Mrd. Euro) angedroht. Er warf China vor, den US-Wahlkampf beeinflussen zu wollen. Die Märkte reagierten zunächst gelassen auf die neuen Strafmaßnahmen, die erwartet worden waren.

Trump hatte am Montag zehnprozentige Zuschläge auf Waren aus China in einem Wert von 200 Mrd. Dollar angekündigt. Die neuen Zölle sollen einem Regierungsbeamten zufolge von Montag an erhoben und bis Jahresende auf 25 Prozent steigen. Von der ursprünglichen Liste genommen wurden einige Technologieprodukte wie Apple-Lautsprecher und -Uhren. “Wir haben China sehr deutlich gemacht, welche Änderungen wir brauchen – und wir haben ihnen jede Möglichkeit gegeben, uns fair zu behandeln”, erklärte Trump. “Aber bisher ist China nicht willens, seine Praktiken zu ändern.” US-Handelsminister Wilbur Ross sagte dem Sender CNBC, es sei an China zu entscheiden, ob es konstruktive Verhandlungen geben werde.

Das Handelsministerium in Peking reagierte binnen Stunden. Um seine legitimen Rechte und Interessen und die Ordnung im internationalen Freihandel zu schützen, bleibe dem Land keine andere Wahl, als Vergeltung zu üben, hieß es. Ab dem 24. September würden US-Waren mit einem Volumen von 60 Mrd. Dollar mit Zöllen in einer Spanne von fünf bis zehn Prozent belegt.

Dabei wurden einige Produkte, bei einen zunächst ein Zoll von 25 oder 20 Prozent angekündigt worden war, mit zehn Prozent belegt. Eine komplette Liste der Waren lag nicht vor. China reichte zudem Beschwerde bei der Welthandelsorganisation ein. Medienberichten zufolge hat die Regierung in Peking auch erwogen, durch gezielte Exporteinschränkungen für Bauteile und andere Güter die Lieferketten von US-Konzernen zu treffen.

Trump warf China auf Twitter vor, es habe offen den Versuch angekündigt, Einfluss auf die Kongresswahl im November zu nehmen. Dazu sollten “Landwirte, Züchter und Industriearbeiter” ins Visier genommen werden, schrieb er, ohne dies zu belegen. “Was China nicht versteht, ist dass diese Leute große Patrioten sind”, schrieb er. Ein Angriff auf diese Gruppen werde eine “riesige und rasche wirtschaftliche Vergeltung” zur Folge haben. In den USA sind Anfang November Kongresswahlen. Trumps Republikanern droht eine Niederlage.

Experten gingen davon aus, dass die Auswirkungen der neuen US-Zölle für China überschaubar bleiben. Der “Bremseffekt” für das deren Wirtschaftswachstum werde 0,3 bis 0,5 Prozentpunkte betragen, rechnete das Ifo-Institut vor. China habe sich in den vergangenen Jahren unabhängiger vom Export gemacht. “Aber der Handelskrieg zwischen den USA und China erhöht die weltwirtschaftlichen Risiken deutlich.”

Die beiden größten Volkswirtschaften überziehen sich seit Anfang Juli mit Straf- und Vergeltungszöllen, die vor der neuen Runde Waren im Wert von mehr als 100 Mrd. Dollar betrafen. Die USA werfen China unter anderem Marktabschottung, unfaire Beihilfen für die eigene Wirtschaft und Technologiediebstahl vor. Für die jetzt angekündigte Runde nahm das US-Handelsministerium allerdings fast 300 Produktkategorien wieder aus der Vorschlagsliste für Zölle, darunter neben einigen Technologieprodukten auch Agrarchemikalien. Bei einer weiteren Zoll-Runde in der von Trump angekündigten Höhe dürften diese jedoch einbezogen werden.

In der Wirtschaft wurde der weitere Verlauf des Streits auf beiden Seiten des Pazifiks unterschiedlich eingeschätzt. Der Gründer des Online-Einzelhandelsriesen Alibaba, Jack Ma, warnte in Shanghai, die Spannungen zwischen den Staaten im Handel könnten noch zwei Jahrzehnte nachklingen. “Selbst wenn Donald Trump abtritt und ein neuer Präsident kommt, werden sie weitergehen.” Dagegen sagte Apple-Chef Tim Cook dem Sender ABC, er sei zuversichtlich, dass die Länder das Problem lösen werden. “Ich bin optimistisch, weil der Handel zu den Dingen gehört, die kein Null-Summen-Spiel sind.”

EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström stellte unterdessen ein europäisches Konzept für eine Reform der Welthandelsorganisation (WTO) vor. In dem am Dienstag in Brüssel präsentierten Papier wird angeregt, der WTO ein schlagkräftigeres Vorgehen gegen wettbewerbsverzerrende Subventionen und den erzwungenen Transfer von Technologien zu ermöglichen. Angesichts der Auseinandersetzungen zwischen den USA und China sowie der EU hatte Malmström auf effizientere Verfahren zur Streitbeilegung innerhalb der WTO gepocht. Die Brüsseler Vorschläge für WTO-Reformen sollen an diesem Donnerstag bei einem von Kanada einberufenen Expertentreffen in Genf vorgestellt werden.

Von: APA/dpa

Kommentare

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5 Kommentare auf "China und USA überziehen sich mit weiteren Zöllen"


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widder52
widder52
Grünschnabel
29 Tage 16 h

wos ondere mühsam vohondlt hobm…… mocht der st….l in oan johr hin!

a sou
a sou
Superredner
29 Tage 13 h

Keine Verhandlungen, sondern einzig und allein Zugeständnisse an Großkonzerne ihre Gewinne auf Kosten Anderer zu vervielfachen 

p.181
p.181
Grünschnabel
29 Tage 10 h

@widder52

Mühsom verhondelt? Mir werdn mit billige chinesische Produkte überschwemmt und hobn dafür Millionen Orbeitslose. Geats no?

a sou
a sou
Superredner
29 Tage 17 h

Richtig so!! 

a sou
a sou
Superredner
29 Tage 13 h

Hauptsache ist, alles billig Produzierte aus Fernost kann hier gekauft werden. Für den allgemeinen westlichen Kleingeist, zählt nur dass er seinen ganzen Billig-Schrott vom Smartphone über Toster, TV bis hin zu Klamotten günstig bekommt. Nur jammern das kann er, jammern warum alles so ungerecht ist, dabei trägt genau sein Konsumverhalten die Hauptschuld daran  😉  

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