China kann nur rund 60 Prozent des Milchbedarfs selbst decken

Chinas Milchdurst steigert österreichische Milchexporte

Sonntag, 24. März 2019 | 09:25 Uhr

Der chinesische Durst nach Milch ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen und Marktexperten prognostizieren ein weiteres starkes Wachstum. Das riesige Land kann aber nur rund 60 Prozent des Bedarfs selbst decken. Das nutzt bereits eine Handvoll österreichische Molkereien wie Berglandmilch oder SalzburgMilch und exportiert nach China. Weitere Molkereien könnten folgen.

Zwar machten Milchproduktexporte – hauptsächlich Milchpulver, Haltbarmilch und Haltbarjoghurt – nach China im Vorjahr erst 2,3 Prozent am heimischen Gesamtexport-Warenwert in Höhe von 1,23 Mrd. Euro aus. “Aber die Tendenz ist deutlich steigend”, sagt der Präsident der Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter (VÖM), Helmut Petschar, im Gespräch mit der APA. “China liegt nach Nationen schon auf Platz 7 der Exportdestinationen.”

Der Exportanteil nach China machte 2017 laut Daten der Statistik Austria noch 1,58 Prozent aus und im Jahr davor erst 0,72 Prozent. Der Export-Warenwert kratzte im Vorjahr an der 30-Millionen-Euro-Marke. Milchpulver machte rund 18 Mio. Euro davon aus. Marktbeobachter rechnen in China mit einem jährlichen Anstieg des Milchverbrauchs von knapp 8 Prozent in nächster Zeit.

“Wegen der langen Transportwege können nur länger haltbare Produkte nach China exportiert werden”, so Petschar. Er bedauert, dass die russischen Sanktionen einen Export über den Schienenweg praktisch ausschließen und so in erster Linie nur die Ausfuhrmöglichkeit via Schiff bleibt. “Das dauert dann sechs bis acht Wochen. Flugtransport ist viel zu teuer. Mit dem Zug wäre man in 21, 22 Tagen an Ort und Stelle.”

Käse spiele bei den Exporten zumindest bisher praktisch keine Rolle, so Petschar. “Der Käsegeschmack liegt um Welten auseinander. Die Chinesen wollen sehr milde, neutrale Käse. Das müsste man in der Produktentwicklung berücksichtigen.”

Die Kärntnermilch mit Sitz in der Kärntner Bezirksstadt Spittal, deren Chef Petschar ist, hat auch eine Zertifizierung für China. Petschar deutete an, dass auch sein Unternehmen künftig beispielsweise Molkekonzentrat und Molkepulver ins Reich der Mitte exportieren könnte.

Bereits nach China liefert eben beispielsweise die SalzburgMilch mit Sitz in der Stadt Salzburg. Dahingehend kooperiert wird mit der Easail Trading Company mit Sitz in Shanghai. “Gestartet wurde im Jahr 2013 mit einem Import von 11 Containern, voriges Jahr waren es 100 Container”, berichtete der Esail-Manager Michael Tao dieser Tage in Shanghai im Gespräch mit dem ORF-Radio Ö1 und der APA. “Ein Container beinhaltet 21.800 Liter, also waren es voriges Jahr 2.200 Tonnen insgesamt.” Die Importmenge verdoppelte sich im Vorjahr verglichen zu 2017, sagte Tao.

SalzburgMilch sei ein guter Partner, weil die Österreicher die Produktqualität hätten und auch das Marketing an Ort und Stelle unterstützten. Die Produkte würden online über Alibaba und den zweitgrößten Online-Händler JD (JIngdong) vertrieben. Sie fänden sich auch in Qualitätssupermärkten wie Carrefour, RT-Mart, Lotus und Ole. “So gibt es SalzburgMilch-Produkte in nahezu allen Regionen Chinas.”

Am meisten nachgefragt wird laut Tao in China normale Milch mit normalem Fettgehalt. Zuletzt sei aber auch die Nachfrage nach Biomilch gestiegen. “Gute importierte Milchprodukte können die Bedürfnisse der Chinesen erfüllen, die bereit sind, für Premiumprodukte mehr zu bezahlen”, sagte Tao. “Betrachtet man die Größe des chinesischen Marktes, hat die Premiumkategorie alleine bereits ein wirklich riesiges Marktvolumen.” Künftig gehe es innerhalb Chinas vor allem um ein stärkeres Bearbeiten der zentralen und westlichen Regionen, der Osten ist bereits höchst entwickelt.

Von: apa