Corona und der Krieg machen zu schaffen

Chinas Wirtschaft hat “erhöhtes Stagnationsrisiko”

Donnerstag, 31. März 2022 | 09:45 Uhr

Industrie und Dienstleister in China sind im März erstmals seit dem Corona-Ausbruch vor zwei Jahren gleichzeitig geschrumpft. Der offizielle Einkaufsmanagerindex für die Industrie fiel um 0,7 auf 49,5 Punkte, der für den Service-Sektor sogar um 3,2 auf 48,4 Zähler, wie das Statistikamt am Donnerstag in Peking mitteilte. Die stark beachteten Barometer fielen damit unter die Marke von 50, ab der ein Wachstum signalisiert wird.

“In jüngster Zeit sind an vielen Orten in China Corona-Ausbrüche aufgetreten”, erklärte Zhao Qinghe vom Statistikamt den negativen Trend und fügt mit Blick auf den Ukraine-Krieg hinzu: “In Verbindung mit einer erheblichen Zunahme der globalen geopolitischen Instabilität wurden Produktion und Betrieb chinesischer Unternehmen beeinträchtigt.”

Ökonomen rechnen nicht mit einer raschen Besserung, da die Infektionswelle mit der hochansteckenden Omikron-Variante des Corona-Virus alles andere als gebrochen ist. “Die Konjunkturlage in China hat sich durch die aktuelle Omikron-Welle und die in ihrer Folge verhängten Lockdown-Maßnahmen offensichtlich eingetrübt”, schrieben die Commerzbank-Analysten Hao Zhou und Bernd Weidensteiner.

So steckt mit Shanghai derzeit die wichtigste Finanzmetropole des Landes in einem Lockdown. “Eine weitere schlechte Nachricht für die Wirtschaft ist, dass der Kostendruck für das verarbeitende Gewerbe wieder deutlich ansteigt”, so die Commerzbank-Experten angesichts steigender Energie- und Rohstoffpreise infolge des Krieges. Dies erhöhe das Risiko einer Stagnation der chinesischen Wirtschaft. Zudem werde China Inflation in den Rest der Welt exportieren, da das Land eine entscheidende Rolle in der globalen Lieferkette spiele.

Das könnten auch die deutschen Verbraucherinnen und Verbraucher zu spüren bekommen, schließlich ist China seit 2016 der wichtigste Handelspartner Deutschlands: Zwischen beiden Ländern wurden im vergangenen Jahr Waren im Wert von 245,4 Milliarden Euro gehandelt, um 15,1 Prozent mehr als im ersten Coronajahr 2020. Mehr als 2.000 deutsche Unternehmen sind allein in der Metropole Shanghai aktiv.

Beispielsweise der deutsche Autoriese Volkswagen kann in seinem Werk im Shanghaier Vorort Anting vorerst nur Teile der Produktion aufrechterhalten. Wie eine Sprecherin am Donnerstag mitteilte, folgt der Konzern damit behördlichen Vorgaben. Eingesetzt würden nur Mitarbeiter, die sich freiwillig gemeldet hätten und auf dem Werksgelände in einem “geschlossenen Kreislauf” isoliert wohnten. Dafür gebe es Lohnzuschläge. VW sorge für hohe hygienische Standards und Gesundheitsschutz.

Das Werk, das bis Mittwoch normal lief, musste am Donnerstag schon teilweise heruntergefahren werden, weil Zulieferteile fehlen. Wegen eines starken Anstiegs der Infektionen gilt seit Montag im Osten und Süden der Hafenstadt ein Lockdown, der am Freitag auf den älteren Teil westlich des Huangpu-Flusses überwechselt, zu dem Anting mit dem VW-Werk gehört. Er soll bis Montag gelten. Die Bevölkerung wird zweimal getestet. Wer infiziert ist, kommt in Isolation.

In Changchun in der ebenfalls schwer betroffenen nordostchinesischen Provinz Jilin steht die Produktion in drei Werken des VW-Konzerns mit seinem Joint-Venture-Partner seit dem 14. März still. Betroffen sind ein VW-Werk, ein Audi-Werk sowie ein Teilewerk. Die Pekinger Gesundheitskommission berichtete, in Shanghai seien am Mittwoch rund 20 Prozent der landesweit 1.800 Neuansteckungen und 80 Prozent der 6.600 Fälle ohne Symptome entdeckt worden. In Jilin wurden 1.340 Infektionen und 835 Ansteckungen ohne Symptome gemeldet.

Mit der Ankunft von Omikron erlebt China die schlimmste Coronawelle seit Beginn der Pandemie vor zwei Jahren. Zwar sind die Zahlen im internationalen Vergleich niedrig, doch verfolgt die Regierung eine Null-Covid-Strategie, die besonders mit der BA.2-Variante auf eine harte Probe gestellt wird. Bisher hatten die Behörden kleinere Ausbrüche erfolgreich mit Ausgangssperren, Massentests und Quarantäne bekämpft. Das Leben in China lief lange weitgehend normal.

Von: APA/Reuters/dpa

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pfaelzerwald
1 Monat 24 Tage

Mehr Konzentration auf Europa!

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