Gute Aussichten für Chinas Wirtschaft

Chinas Wirtschaft trotzt Handelsstreit

Dienstag, 17. April 2018 | 10:40 Uhr

Trotz des Handelsstreits mit den USA schlägt sich die chinesische Wirtschaft überraschend gut. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs von Jänner bis März um 6,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Dafür sorgten der private Konsum und der Immobilienboom, wie aus am Dienstag veröffentlichten amtlichen Daten hervorgeht. Von Reuters befragte Ökonomen hatten nur mit 6,7 Prozent gerechnet.

“Wir haben die Stärke des Konsums in China unterschätzt”, sagte Ökonomin Iris Pang von der ING-Bank in Hongkong. “Er ist sehr stark, in städtischen Gebieten gibt es ein kräftiges Lohnwachstum.” Mehr als drei Viertel des Wirtschaftszuwachses gingen auf das Konto des Konsums. Die Investitionen in Immobilien beschleunigten sich im ersten Quartal auf 10,4 Prozent. Das ist das größte Plus seit drei Jahren.

2017 war die nach den USA zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt um 6,9 Prozent expandiert. Die Regierung strebt für das laufende Jahr ein Plus um 6,5 Prozent an. “China kann dieses Ziel übertreffen”, sagte der Chefvolkswirt des Analysehauses Continuum Economics, Jeff Ng. “Sollte sich die Binnennachfrage gut entwickeln, trägt sie mindestens 90 Prozent des Wachstums.” Außerdem treibe der Exportweltmeister den Ausbau seiner Geschäfte mit anderen Ländern voran, was ebenfalls das Risiko eines Abschwungs im Falle eines Handelskrieges mit den Vereinigten Staaten begrenze.

Größtes Risiko für die Konjunktur bleibt dennoch die exportabhängige Industrie. Deren Produktion wuchs im März nur noch um 6,0 Prozent und damit so langsam wie seit sieben Monaten nicht mehr. Die Regierung strebt eine Modernisierung an, wobei unrentable Betriebe geschlossen werden sollen.

Konsum und Immobilienboom schirmen die Volksrepublik vor Risiken von außen ab: Sie befindet sich mitten in einem Handelsstreit mit den USA. In den vergangenen Wochen eskalierte der Konflikt zwischen den beiden Großmächten. Nach Erhebung von neuen Zöllen auf Stahl- und Aluminium-Importe kündigte US-Präsident Donald Trump zusätzliche Abgaben für 1.300 chinesische Produkte im Umfang von 50 Mrd. Dollar (40,42 Mrd. Euro) an.

China verhängte nun vorübergehende Strafzölle auf amerikanisches Getreide, signalisierte zugleich aber Gesprächsbereitschaft. Das Handelsministerium in Peking teilte am Dienstag mit, bestimmte US-Firmen müssten ab Mittwoch bei ihren Hirse-Einfuhren nach China vorerst einen Aufschlag von bis zu knapp 180 Prozent zahlen. Eine Prüfung habe ergeben, dass Chinas Agrarindustrie durch die zu Dumping-Preisen ins Land kommenden US-Einfuhren substanziell geschädigt werde. China sei aber bereit, seine Kooperation im Handelsstreit mit den USA auszuweiten.

Die Strafzölle seien eine vorläufige Maßnahme, erklärte das Ministerium. Eine endgültige Entscheidung werde später getroffen. Die Sonderzölle seien eine Art “Hinterlegung”, die die Firmen zu leisten hätten. Die Strafen sind deutlich höher als von Experten erwartet.

China will hingegen seinen Autosektor und andere Schlüsselindustrien für ausländische Investoren öffnen. Noch heuer sollen demnach alle Beschränkungen für ausländisches Eigentum an Firmen im Schiffs- und Flugzeugbau fallen, wie die für staatliche Lenkungsaufgaben zuständige Nationale Entwicklungs- und Reformkommission (NDRC) am Dienstag mitteilte. Der Automobilsektor soll nach einer fünfjährigen Übergangsphase komplett freigegeben werden. Bereits 2018 sollen Ausländer im Bereich Elektro-Autos voll mitmischen dürfen. 2022 soll der gesamte Pkw-Sektor für sie geöffnet werden. Die rasche Liberalisierung im Markt für E-Autos dürfte insbesondere dem US-Pionier Tesla zugutekommen, der ein Werk in Shanghai unter eigener Regie betreiben möchte.

Von: APA/ag.

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