Weltgrößter Automarkt wird stark wachsen

Chinesischer Automarkt “Lichtblick” für Deutschland

Samstag, 17. April 2021 | 14:13 Uhr

In der Pandemie ist China der “große Lichtblick” für deutsche Autobauer. Der weltgrößte Automarkt wird in diesem Jahr nach Einschätzung von Branchenexperten um sechs Prozent oder mehr zulegen. Besonders rasant soll der Absatz bei Elektroautos wachsen. “70 Prozent Zuwachs dürften kein Problem sein”, sagte der Generalsekretär der Personenwagenvereinigung, Cui Dongshu, am Samstag vor Beginn der internationalen Automesse in Shanghai.

Der deutsche Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer sieht im chinesischen Automarkt die “große Lokomotive”. “China fährt allen davon”, sagte der Direktor des Center Automotive Research (CAR). Auch in den USA werde es besser, da das riesige Konjunkturpaket der neuen Regierung von US-Präsident Joe Biden auch Autos fördert. “Aber das wird bei weitem nicht so stark wie China sein”, glaubt Dudenhöffer. Südamerika versinke im Chaos. “Europa wird eher stagnieren beziehungsweise kleine Zuwächse haben”, sagte er.

Besonders seit Jahresbeginn boomt der Markt in China. In den ersten drei Monaten sind die Neuzulassungen um 76 Prozent auf 6,48 Millionen Pkw-Verkäufe gestiegen. Der große Sprung lässt sich auch durch die niedrige Vergleichsbasis vor einem Jahr erklären, als das Land zu Beginn der Corona-Krise weitgehend stillgestanden hatte. Trotzdem bleibe ein echter Zuwachs von “gut 20 Prozent”, erklärte Dudenhöffer. “China ist auf jeden Fall der ganz große Lichtblick.”

Der Anstieg wird vor allem durch die schnelle Wirtschaftsentwicklung getrieben. Im ersten Quartal erlebte die zweitgrößte Volkswirtschaft ein Rekordwachstum von 18,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Regierung rechnet in diesem Jahr mit “mehr als sechs Prozent” Wachstum, der Internationale Währungsfonds (IWF) sogar mit acht Prozent. Als einzige große Volkswirtschaft in der Pandemie hatte China 2020 ein Wachstum von 2,3 Prozent erreicht.

Nach dem Rückgang 2020 um sechs Prozent soll Chinas Automarkt in diesem Jahr mindestens so stark wie die gesamte Wirtschaft wachsen. “Es dürfte so hoch wie das Wirtschaftswachstum oder etwas mehr sein”, sagte Cui Dongshu von der Pkw-Vereinigung. Der Absatz von Elektroautos werde sich noch viel rasanter entwickeln. Verbraucher hätten mehr Vertrauen in die Qualität und Verlässlichkeit. “Die Autos mit neuen Antrieben werden sich schneller entwickeln.”

Der Direktor der Vereinigung der chinesischen Autohändler, Jia Xinguang, sieht die massiven Beschränkungen für Benziner in Metropolen als treibende Kraft für den Absatz von Elektroautos. So begrenzen Großstädte in China die Vergabe von neuen Nummernschildern und bevorzugen dabei Elektroautos. “Umweltbewusstsein oder Subventionen sind nicht so wichtig”, meint Jia Xinguang.

Weltweit wird heute schon jedes dritte Auto (32,4 Prozent) in China verkauft, wie das CAR-Zentrum errechnete. Der Anteil sollte bis 2025 auf 34 Prozent steigen, sagte Dudenhöffer. “Die Schere wird größer.” Im Jahr 2025 dürfte der chinesische Automarkt mit einem Absatz von 30 Millionen Neuwagen gut zehnmal so groß sein wie der deutsche Markt.

Damit wächst auch die Abhängigkeit von China. “Unsere Autobauer sind ohne China nicht mehr vorstellbar”, sagte der Experte. “Die Jobs in München, Stuttgart oder Wolfsburg hängen an China.” Es gebe aber keine Alternative: “Entweder Deutschland bleibt im Autogeschäft und dann mit China. Oder wir steigen in China aus – dann steigen wir auch aus der Autoindustrie aus.”

Mit rund 1.000 Ausstellern ist die “Auto China” in Shanghai, die am Montag beginnt, inzwischen die größte Automesse der Welt. Bis zum 28. April werden Hunderttausende Besucher in den zwölf Messehallen erwartet. Da China das Coronavirus seit dem vergangenen Sommer weitgehend im Griff hat, ist es nach Peking im September schon die zweite große Automesse in China in nur sieben Monaten. Allerdings müssen Besucher negative Corona-Tests vorweisen, ihre Körpertemperatur messen lassen und mit der Corona-App nachweisen, dass ihre Teilnahme unbedenklich ist und sie nicht in Risikogebieten waren.

Von: APA/dpa