Toyota baut im September 40 Prozent weniger Autos

Chipmangel belastet Autokonzerne weltweit

Donnerstag, 19. August 2021 | 15:25 Uhr

Der Engpass bei Halbleitern führt jetzt auch beim Branchenprimus Toyota zum Einbruch der Autoproduktion. Die Nachrichten drückten die Papiere des japanischen Konzerns um mehr als vier Prozent ins Minus und schickten Autoaktien auch in Europa auf Talfahrt. Im September werde Toyota weltweit rund 40 Prozent weniger Autos produzieren als ursprünglich geplant, erklärte das Unternehmen am Donnerstag. Auch bei deutschen Autokonzernen stockt die Produktion.

Bei Toyota sind aktuell 14 Fabriken betroffen und damit mehr als bisher. Auf einen Schlag verzögert sich die Fertigung von rund 360.000 Neuwagen. Der weltweit größte Autobauer war bisher dank Vorratshaltung besser als andere durch die Chipkrise gekommen, hatte aber bereits davor gewarnt, dass die Engpässe anhielten. Die Absatzprognose von 8,7 Millionen Fahrzeugen 2021 hatte Toyota kürzlich bekräftigt.

Auch bei deutschen Autobauern stockt die Fertigung. Denn Corona-Ausbrüche in Südostasien, etwa in Malaysia, führten zu Fabrikschließungen bei den Chipherstellern. So könne das VW-Stammwerk Wolfsburg nach der Sommerpause in der kommenden Woche nur eingeschränkt wieder starten, sagte ein VW-Sprecher. Auf allen Fertigungslinien werde nur in einer Schicht produziert. “Die anhaltend eingeschränkte Liefersituation bei Halbleitern sorgt weiter herstellerübergreifend für erhebliche Störungen in der weltweiten Fahrzeug-Produktion.” Der Konzern gehe davon aus, dass die Versorgung im dritten Quartal angespannt bleibe. Daher seien weitere Produktionsanpassungen nicht auszuschließen. Bis Jahresende soll sich die Lage bessern, sodass der Produktionsrückstand im zweiten Halbjahr möglichst aufgeholt werde. Der deutsche Mehr-Markenkonzern hatte wegen des Chipmangels im ersten Halbjahr eine hohe sechsstellige Zahl an Fahrzeugen nicht produzieren können.

Bei Audi stehen die Bänder in Deutschland auch in der kommenden Woche noch still, erklärte eine Sprecherin. Eigentlich hätten einige Linien anlaufen sollen. Bei Audi in Ingolstadt und Neckarsulm müssen rund 10.000 Beschäftigte ihren Sommerurlaub verlängern und in Kurzarbeit, weil Halbleiter fehlen. Wie ein Unternehmenssprecher am Donnerstag sagte, können mehrere tausend eingeplante Autos nicht gebaut werden.

Im Stammwerk Ingolstadt stehen alle Bänder bis zum 30. August still: Auf der Linie 1 wegen Umbauarbeiten für den Produktionsstart des vollelektrischen Q6 etron, auf den beiden anderen Linien wegen Chipmangels. Hier sind deshalb 6.000 Mitarbeiter in Kurzarbeit. In Neckarsulm steht der größere Teil der Produktion mit etwa 4.000 Mitarbeitern mehrere Tage lang wegen Chipmangels.

Für September hat Audi ebenfalls vorsorglich Kurzarbeit angemeldet, aber zugleich Zusatzschichten an mehreren Wochenenden geplant. Audi hat volle Auftragsbücher, konnte aber wegen fehlender Bauteile schon im ersten Halbjahr etwa 50.000 Autos nicht bauen. Wenn Bauteile geliefert werden, versucht das Unternehmen die Produktion aufzuholen. “Man muss von Woche zu Woche planen. In der Vergangenheit mussten auch schon geplante Zusatzschichten wieder abgesagt werden”, erklärte der Sprecher.

Mercedes-Benz drosselt nach Medienberichten die Produktion in dieser Woche in den Werken Bremen, Rastatt und Sindelfingen. Bei BMW dagegen soll es einem Sprecher zufolge nach den Sommerferien planmäßig wieder losgehen, nachdem der Konzern zuvor die Fertigung vergleichsweise wenig einschränken musste.

Der Autozulieferer Hella rechnet mit einer längeren Chipkrise. “Wir werden noch über das komplette Geschäftsjahr hinweg damit zu tun haben”, sagte Hella-Chef Rolf Breidenbach. Überwunden haben werde man den Engpass wohl erst Mitte 2023.

Vier von fünf deutschen Unternehmen klagen über Preisanstiege oder Lieferprobleme bei Rohstoffen, Vorprodukten und Waren, wie eine Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) unter fast 3.000 Unternehmen ergab. “Wir haben in der Fahrzeugindustrie tatsächlich den Wirtschaftszweig, wo der Reaktionszwang zu Stopps oder Drosselungen am höchsten ist”, sagte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier. 58 Prozent der Firmen der Branche planten dies. “Das ist die Ursache für unsere konjunkturellen Sorgen.”

Trotz der Produktionsprobleme erwarten die Autokonzerne 2021 steigende Gewinne. Denn die Nachfrage hat sich vom Corona-Schock des vergangenen Jahres erholt, so dass die Hersteller höhere Preise durchsetzen können. Sie konzentrieren sich wegen des Chipmangels auf margenstarke, große Fahrzeuge und drosseln die Produktion von Kompaktwagen. Daimler prognostiziert Umsatz und operatives Ergebnis deutlich über dem Vorjahr. Die Pkw- und Van-Sparte Mercedes-Benz will trotz stagnierenden Absatzes eine rekordhohe bereinigte Umsatzrendite von zehn bis zwölf Prozent einfahren. Volkswagen will bei deutlicher Umsatzsteigerung konzernweit operativ zwischen 6,0 und 7,5 Prozent vom Umsatz verdienen. BMW rechnete zuletzt mit einer positiven Geschäftsentwicklung und erhöhte das Renditeziel für Pkw um einen Prozentpunkt auf sieben bis neun Prozent.

Von: APA/Reuters/dpa

Kommentare

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21 Kommentare auf "Chipmangel belastet Autokonzerne weltweit"


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Zugspitze947
1 Monat 9 Tage

Haha :Hauptsache sie haben genug für sämtliche IS-Schabab oder Taliban Schergen zum beliefern ,denn diese fahren zu 90 % auf dieser Marke 😡👌😢

olter
olter
Tratscher
1 Monat 9 Tage

Deutsche Auto-Hersteller sind ja nicht imstande, einen ordentlichen und zuverlässigen Pick-up zu bauen… 😋

olter
olter
Tratscher
1 Monat 9 Tage

Oh, ich muss mich korrigieren: die deutschen Auto-Hersteller trauen sich nicht mal, es zu versuchen…

olter
olter
Tratscher
1 Monat 8 Tage

…weil sie wissen, dass sie gegen Mitsubishi und Toyota keine Chance hätten…

olter
olter
Tratscher
1 Monat 8 Tage

Die Taliban haben außerdem nie groß Toyota-Geländewagen oder Pickups verwendet; und sie fahren jetzt Humvee oder modernere MRAPs…

Offline
Offline
Kinig
1 Monat 8 Tage

@olter..da gibt es ⭐ Sprinter ua. Haben mehr Ladevolumen und das Zeug bleibt auch bei Regen trocken 😉…

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Offline
Kinig
1 Monat 8 Tage

@olter…Anfangs geht es noch einfach und schnell, die nächste Kommentator Stufe zu erklimmen. Je höher, je mühsamer. Da schreibt man bis zum “KINIG” jeden 💩. Habe ich auch gemacht 😉……

olter
olter
Tratscher
1 Monat 8 Tage

Ich wollte hier eigentlich nur eine Antwort von den Minus-Drückern kriegen; hören wie sie ihre deutschen Autos verteidigen… 😜

olter
olter
Tratscher
1 Monat 8 Tage

Noch nie was von Soft- oder Hardtop gehört? 😄

olter
olter
Tratscher
1 Monat 8 Tage

Das wär ein Job für sie: bei den … Sprinter verscherbeln; allerdings glaub ich gibt es da ein k.o. Kriterium: auf einen Sprinter kann man keine ZU-23 montieren… 😉 🙂

ischJOwurscht
ischJOwurscht
Universalgelehrter
1 Monat 8 Tage

Olter@

Die D Autos sind nicht zu verteidigen.
Ich fahre lieber andere europäische Autos, aber keine Italiener…
Am Anfang fuhr ich Fiat, das hat mir dann bis heute gereicht…🤣🤣🤣🤣

ischJOwurscht
ischJOwurscht
Universalgelehrter
1 Monat 8 Tage

Offline@
Olter@

Der Sprinter ist eine der wenigen Deutschen Fahrzeuge, das sein Geld wert ist.

olter
olter
Tratscher
1 Monat 8 Tage

Rostet der Sprinter jetzt nicht mehr unter einem Weg? Bestimmte Baujahre waren da fürchterlich…

meinungs.freiheit
meinungs.freiheit
Superredner
1 Monat 9 Tage

Die Beratung und Empfehlung von teuren wirtschafts “Experten” die Lagerkapazitäten möglichst nieder zu halten ist total schief gelaufen. Das betrifft viele Firmen, auch bei uns.

Frank
Frank
Superredner
1 Monat 9 Tage

Als ich 2001 mal in Ingolstadt bei einer Werksführung war, wurde stolz erzählt, daß alle Zulieferteile “just in time” geliefert werden und so keine Lagerhaltung notwendig ist.
Nicht erst jetzt, wo Teile fehlen, zeigen sich die negativen Seiten solcher Philosophien, auch der immer weiter ausufernde LKW Verkehr in ganz Europa ist eine der Folgen.

EQ
EQ
Grünschnabel
1 Monat 9 Tage

Geb Dir vollkommen Recht.
Kaufen wenns kracht ist eine alte Weisheit..

Hustinettenbaer
Hustinettenbaer
Universalgelehrter
1 Monat 9 Tage

Pah, dann behalt ich meinen Buckelporsche.

Doolin
Doolin
Universalgelehrter
1 Monat 9 Tage

…früher hat’s noch richtige Autos ohne so depperte chips gegeben…
😆

Gredner
Gredner
Universalgelehrter
1 Monat 9 Tage

@Doolin ganz deiner Meinung! Es wird überall viel zu viel Elektronik verbaut.

Offline
Offline
Kinig
1 Monat 8 Tage

@Gredner..vielleicht der Weiterentwicklung vom AutoMOBIL zum STATUSmobil geschuldet ??

ischJOwurscht
ischJOwurscht
Universalgelehrter
1 Monat 8 Tage

Das passiert wenn man wichtige Bestandteile in Billiglohnländern durch Outsourcing verlagert.

Auch das ganze Just in Time ist meines Erachtens zu überdenken.

Das wird wahrscheinlich der Preis für die Globalisierung sein.

Aber es gibt auch Firmen wie die berühmte mit der italienischen Schokolade.
Man hat gesehen was in der Türkei passiert und hat sich in Italien ein zweites Standbein aufgebaut. Das dauert mehrere Jahre aber die Nüsse die kommen jetzt auch schon von Italien nicht mehr nur aus der Türkei.

Hier sieht man ein funktionierendes weitsichtige Management.

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