Soll künftig 26 Länder und 100 Städte verbinden

“Connecting Europe Express” mit symbolträchtigem Stopp am Brenner

Donnerstag, 09. September 2021 | 12:30 Uhr

Der symbolträchtige Sonderzug “Connecting Europe Express” (CEE) hat am Donnerstag von Rom kommend einen Halt am Brenner eingelegt. Symbolisch aufgeladen ist dieser Ort nicht nur durch die unmittelbare Nähe des Tunnel-Mammutprojekts Brennerbasistunnel (BBT), sondern auch weil der Brenner insgesamt “entscheidend für die EU-Verkehrspolitik” ist, wie bei einem Medientermin am Grenzbahnhof mehrfach betont wurde.

Überpünktlich um 9.50 Uhr war es soweit und der CEE fuhr ein. An Bord hatte er etwa die geschäftsführende Direktorin des italienischen Netzbetreibers RFI, Vera Fiorani, den EU-Koordinator für den Skandinavien-Mittelmeer-Korridor, Pat Cox, oder auch die stellvertretende italienische Ministerin für nachhaltige Infrastruktur und Mobilität, Teresa Bellanova. Letztere betonte dann auch bei ihrem anschließenden Pressestatement, dass der CEE und der BBT gleichermaßen Meilensteine für eine “Zukunft, die wir alle brauchen,” seien.

Die Fahrt des CEE führt im Rahmen der symbolträchtigen Initiative durch 26 EU-Staaten und 100 Städte. Das soll Bewusstsein für die Vorteile der Eisenbahn schaffen – auch im Schienengüterverkehr. “Im Europäischen Jahr der Schiene wollen wir mit dem ‘Connecting Europe Express’ eine breite Diskussion darüber auslösen, was notwendig ist, um den Ausbau der Bahn zur Erreichung der Klimaziele voranzutreiben. Unser Ziel ist klar: Es muss in naher Zukunft so einfach sein mit der Bahn durch Europa zu fahren, wie mit einem Lkw. Daran arbeiten wir intensiv mit unseren europäischen Partnern im Rahmen der ‘Rail Freight Forward Initiative'”, erklärte Andreas Matthä, Vorstandsvorsitzender der ÖBB. Der Brennerbasistunnel habe darüber hinaus das enorme Potenzial, “die Situation für Güter- und Personenverkehr maßgeblich zu verbessern”, fügte er hinzu. Im Moment müsse man diesbezüglich aber noch auf die “ROLA-Lösung” (Rollende Landstraße) setzen, so Matthä.

Man arbeite in Sachen BBT und CEE jedenfalls “auf allen Ebenen zusammen”, meinte indes Fiorani, denn es gehe darum, “die Distanzen insgesamt zu verkürzen” und die “Mobilität zu verbessern”. Dem schlossen sich auch die EU-Abgeordnete Barbara Thaler (ÖVP) und die Tiroler LHStv. Umweltlandesrätin Ingrid Felipe (Grüne) an. Felipe sprach zudem von “guten BBT-Baufortschritten”, während Thaler sich eine “einheitliche, europäische Eisenbahn” wünschte. Es gebe dafür noch einige “technische und organisatorische Hürden zu überwinden”, so die Abgeordnete.

Cox bezeichnete den CEE als “strategisch wichtiges Projekt”. Insgesamt gelte es außerdem in der EU “als ein Team” zu arbeiten” und bei technischen Fragen eine “Matrix der Möglichkeiten” zu generieren. Nicht zuletzt müsse man auch das “sensible Verkehrsaufkommen”, vor allem auch “hier am Brenner”, im Blick zu haben, so Cox. “Wir müssen eine bessere Zukunft bauen”, zeigte sich der EU-Koordinator gegen Ende seines Statements in euphorischer Aufbruchsstimmung.

Etwas weniger euphorisch hatten sich die Eisenbahn-und Verkehrsgewerkschaften aus Italien (Filt Cgil, Fit Cisl, Uiltrasporti) und Österreich (Gewerkschaft vida) im Vorfeld des CEE-Festaktes gegeben. Sie stellten Forderungen an die Europäische Kommission, die nationalen Behörden und Managements der Bahnen. Es sei etwa wichtig, dass in Bezug auf die Ausbildung von Lokführern ein europaweit einheitlicher Rahmen gewährleistet sei, es ein einheitlich-europäisches System zur Aufzeichnung der Arbeitszeit der Eisenbahner gebe und das Sprachniveau in der Landessprache bei Lokführern gesichert sei. Ob der grenzüberschreitende Schienengüterverkehr tatsächlich Europa verbinde, werde auch davon abhängen, ob es gelinge, die dafür notwendigen Systeme zu vereinheitlichen und die Beschäftigungsbedingungen sowie Kompetenzen der mehr als eine Million Beschäftigten im europäischen Eisenbahnsektor nachhaltig zu gestalten, hieß es in einer Aussendung.

Beim Halt des Rekordzuges am Donnerstag in der Stadt Salzburg informierten die ÖBB, dass es ab dem Fahrplanwechsel im Dezember eine direkte Nachtzugverbindung zwischen Salzburg und der französischen Hauptstadt Paris geben werde. Salzburg sei ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt im europäischen Netz und werde in Zukunft noch mehr an Stellenwert gewinnen, erklärte Verkehrslandesrat Stefan Schnöll. Er bezeichnete die Nightjet-Verbindung nach Paris als “Meilenstein für Salzburg”.

Die Gewerkschaft forderte bei dem Pressegespräch am Bahnsteig 1 des Salzburger Hauptbahnhofes eine Erhöhung des Frauenanteils bei der Bahn. “Es kann kein europäisches Jahr der Schiene geben, ohne dass wir uns verstärkt anstrengen, mehr Mädchen und Frauen für eisenbahnspezifische Lehrberufe und Berufslaufbahnen im Betriebsdienst zu begeistern”, erklärte die Frauenvorsitzende und stellvertretende Vorsitzende der Verkehrsgewerkschaft vida, Olivia Janisch.

Der Frauenanteil bei Bahnbeschäftigten liege in Europa bei nur 21 Prozent. “Damit Frauen als Fahrdienstleiterin, Lokführerin oder Zugbegleiterin langfristig bei den Bahnen gehalten werden können, müssen die Arbeitsbedingungen weiter auf ihre Bedürfnisse angepasst werden”, sagte Janisch. Das reiche von der passenden Dienstkleidung über eigene sanitäre Anlagen bis hin zu Arbeitszeitmodellen, mit denen sich Berufs- und Privatleben vereinbaren ließen.

Laut ÖBB werden mit dem Generationenwechsel rund 10.000 neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in allen Bereichen aufgenommen. Dazu setze der Konzern auf die eigene Lehrlingsausbildung. “Alleine in Salzburg werden derzeit über 100 Lehrlinge ausgebildet.” Die Unternehmenskultur der ÖBB sei geprägt durch wertschätzende Zusammenarbeit und Chancengleichheit. Speziell die technischen Eisenbahnlehrberufe würden auch für viele junge Frauen Arbeitsplätze mit Zukunft bieten.

Von: apa

Bezirk: Wipptal

Kommentare

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3 Kommentare auf "“Connecting Europe Express” mit symbolträchtigem Stopp am Brenner"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
Faktenchecker
12 Tage 16 h

Der BBT… 😂😂😂😂😂😂😂😂 Fertig 2060?

Doolin
Doolin
Universalgelehrter
12 Tage 14 h

…und des alls ohne insern Alfreider…der isch suscht iberall dabei…

Gurgiser
Gurgiser
Neuling
11 Tage 8 h

MAMMUTBAUPROJEKT – ZWERGVERLAGERUNGSPROJEKT. Und die EU und alle Täterinnen und Täter, die da am Brenner waren? Haben das EU-Jahr der Eisenbahn ausgerufen, während sie gleichzeitig mit der EUROVIGNETTE den Lkw-Güterverkehr durch Europa noch mehr verbilligen werden. Und Italien? Will noch einmal darüber reden, wenn Österreich/Tirol VORHER sämtliche Schutzmaßnahmen auf der Straße aufhebt – offener Aufruf zur Anarchie oder zu Amtsmissbrauch und politischer Nötigungs- bzw. Erpressungsversuch. Das wären die NEWS, welche für die Anrainerschaft an der Brennerroute weit wichtiger als diese völlig absurden Gaukeleien wären. Im Dreierlandtag werden dann sicher wieder die Weichen für Transitreduktionen gestellt :-). Transitforum Austria-Tirol

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