"Gesundheit der Bürger, Gäste und Mitarbeiter hat Vorrang"

Coronakrise: Südtirol beendet Skisaison vorzeitig

Montag, 09. März 2020 | 15:00 Uhr

Bozen – Die Skisaison in Südtirol wird wegen der Coronavirus-Krise vorzeitig beendet. Die Gastbetriebe und Seilbahnbetreiber verpflichteten sich zu einem vorzeitigen Ende der Wintersaison, teilte der Hoteliers- und Gastwirteverband am Montag mit. Die Unternehmen würden ab kommendem Mittwoch bis zumindest 3. April schließen, hieß es. Die Skilifte in der Lombardei sind bereits gesperrt. Auch im Trentino sollen die Liftanlagen ab Mittwoch schließen. Italien ist besonders stark von der Corona-Krise betroffen und hat die Region Lombardei und 14 andere Provinzen zu Sperrzonen erklärt. Südtirol gehört an sich nicht zu den Sperrzonen, die Zahl der mit dem Virus Infizierten ist zuletzt aber gestiegen. Am Montag waren 36 Fälle nachgewiesen worden.

Nachdem sich die Lage in Italien, in ganz Europa, aber auch in Südtirol zugespitzt hat, empfehlen der Hoteliers- und Gastwirteverband (HGV), der Südtiroler Bauernbund (Urlaub auf dem Bauernhof), der Verband der Privatvermieter Südtirols (VPS) und der Verband der Seilbahnunternehmen Südtirol, ihren Mitgliedern zur vorzeitigen Beendigung der Wintersaison und späteren Öffnung für die Frühjahrssaison. Die Beherbergungsbetriebe und die Aufstiegsanlagen werden somit ersucht, ab Mittwoch, 11. März 2020, ihren Betrieb bis voraussichtlich Freitag, 3. April 2020, einzustellen. Die Südtiroler Landes- und Gesundheitsbehörden unterstützen die Entscheidung.

Manfred Pinzger, Präsident des Hoteliers- und Gastwirteverbandes (HGV), Leo Tiefenthaler, Obmann des Südtiroler Bauernbunds (Urlaub auf dem Bauernhof), Esther Mutschlechner Seeber, Präsidentin des Verbandes der Privatvermieter Südtirols (VPS) und Helmut Sartori, Präsident des Verbandes der Seilbahnunternehmen Südtirols verkündeten diese Maßnahme anlässlich einer Pressekonferenz in Bozen am heutigen Montag, 9. März 2020.

„Als Gastgeber und Botschafter Südtirols tragen wir eine besondere Verantwortung. Die Gesundheit der Menschen hat für uns oberste Priorität. Aus diesem Grund haben wir als Tourismusvertreter gemeinsam beschlossen, Verantwortung zu übernehmen und eine schwierige Entscheidung getroffen“, sagte Manfred Pinzger. Und fügte hinzu: „In dieser schwierigen Situation ist es wichtig, dass wir zusammenhalten und jeder Einzelne von uns ist gefragt, alles zu tun, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Deshalb empfehlen wir unseren Mitgliedern, ihre Beherbergungsbetriebe vorzeitig zu schließen. Zudem solle man sich bemühen, den Gästen im Rahmen der Möglichkeiten Ausweichtermine anzubieten und bei Stornierungen möglichst kulant entgegenzukommen.“

Die touristischen Unternehmen hatten die weitreichende Maßnahme in einer Sitzung am gestrigen Sonntag (8. März 2020) gemeinsam beschlossen, nachdem sich die Situation in Folge der Ausbreitung des neuen Coronavirus in ganz Europa und insbesondere in Italien innerhalb kürzester Zeit immer dynamischer entwickelt. Die italienische Regierung hatte am 7. März die Lombardei und 14 Provinzen zu „Roten Zonen“ erklärt. Südtirol zählt nicht dazu, verzeichnet aber ebenfalls eine Zunahme positiv getesteter Personen und von Verdachtsfällen.

Leo Tiefenthaler, Obmann Südtiroler Bauernbund, sagte: „Wir haben uns diese Entscheidung wahrlich nicht leichtgemacht, aber jeder ist in dieser schwierigen Phase aufgefordert, Selbstverantwortung zu tragen und alles zu unternehmen, um die Krise einzudämmen. Wir erwarten uns, dass wir von Land und Staat die notwendige Unterstützung erhalten, auch finanziell, um vor allem unsere kleinen Betriebe zu schützen, die von dieser Situation hart betroffen sind.“

„Die Südtiroler Skigebiete gelten wegen ihrer Beliebtheit bei Einheimischen und Gästen als Aushängeschild Südtirols. Aus diesem Grund wollen auch wir in dieser schwierigen Zeit Verantwortung zeigen und tragen die getroffene Maßnahme geschlossen mit“, so Helmut Sartori, Präsident des Verbandes der Seilbahnunternehmen Südtirols.

Arno Kompatscher, Landeshauptmann von Südtirol, unterstützt die Entscheidung der Verbände: „Das Wichtigste ist jetzt die Eindämmung des Virus, damit wir unsere Gäste und alle Südtirolerinnen und Südtiroler schützen. Daher sind diese Einschnitte aus meiner Sicht notwendig. Es ist Zeichen von größter Verantwortung vonseiten der Tourismustreibenden.“ Er kündigte außerdem am Rande der Pressekonferenz an, dass das Land bereits Pakete erarbeite, um die Wirtschaft und die touristischen Unternehmen zu unterstützen. Die Südtiroler Verantwortlichen analysieren die Situation fortlaufend. Weitere Maßnahmen auch für nicht-touristische Bereiche sind bereits in Planung.

„Wir wollen, dass unsere Gäste ihren Aufenthalt in unserem schönen Südtirol völlig sorglos genießen können“ fasste Esther Mutschlechner Seeber, VPS-Präsidentin, zusammen. „Jetzt müssen wir alle zusammen an einem Strang ziehen, damit wir unseren Urlaubern hoffentlich bald wieder dieses unbeschwerte Aufenthaltserlebnis bieten können“, betonte Mutschlechner Seeber.

“Akt der Verantwortung”

Die Landesregierung begrüßt das freiwillige, vorzeitige Ende der touristischen Wintersaison durch Südtirols Gastbetriebe und Seilbahnbetreiber und sichert Unterstützung zu.
Als “Akt der Verantwortung” begrüßt die Landesregierung die Entscheidung der Südtiroler Seilbahnbetreiber und Gastbetriebe, die touristische Wintersaison vorzeitig zu beenden, um das Risiko der Verbreitung des Coronavirus (COVID-19) zu minimieren. Laut Landeshauptmann Arno Kompatscher “hat die Eindämmung des Virus derzeit oberste Priorität. Je geschlossener wir vorgehen und möglichst alle Maßnahmen ergreifen, desto eher kriegen wir die Situation in den Griff.”

Diese verantwortungsbewusste Entscheidung der Südtiroler Tourismusbranche sei beispielgebend in Europa. Die Tourismustreibenden würden somit wesentlich dazu beitragen, dass Südtirol die aktuelle Herausforderung möglichst effizient und gemeinsam bewältigt. Diese Entscheidung entspreche auch dem Qualitätsanspruch des Südtiroler Tourismus, nämlich das Wohl und die Gesundheit des Gastes in den Mittelpunkt zu stellen, betont Kompatscher.

Regionale Banken wollen Kunden helfen

Gleichzeitig sichert der Landeshauptmann die Unterstützung der Landesregierung zu: “Es ist uns bewusst, dass die Maßnahmen gegen das Virus alle Lebensbereiche treffen. Die Politik bewertet alle Möglichkeiten, die Folgen abzufedern”, unterstreicht Südtirols Landeshauptmann. Selbstverständlich werde die Landesverwaltung im Rahmen des geplanten Paketes, auch unter Berücksichtigung dessen, was der Staat machen wird, Sondermaßnahmen auflegen, um auch diesen Sektor zu unterstützen.

Von: dpa

Bezirk: Bozen

Mehr zu diesem Thema
Dolomiti Superski beendet Wintersaison vorzeitig
“Es tut uns unendlich leid”
09. März 2020 | 13:38
Handelskammer appelliert an die Bevölkerung
“Sich von der Coronavirus-Panik nicht unterkriegen lassen”
03. März 2020 | 10:15
Italien auf Platz drei bei Infizierten
152 Coronavirus-Fälle in Italien, Conte warnt vor Panik
23. Februar 2020 | 20:25