Mund-Nasen-Schutzes in Südtiroler Seilbahnen

Europäische Ski-Destinationen fühlen sich gerüstet

Freitag, 09. Oktober 2020 | 18:28 Uhr

Desinfizierte Gondeln, Multifunktionsschals zum Liftpass, Gäste-Login per QR-Code: Der Skiurlaub wird heuer anders als gewohnt. Trotz wieder steigender Coronavirus-Zahlen dürften viele Menschen auf den Winterurlaub hoffen. Die Skigebiete und Ferienregionen wollen ihr Möglichstes dafür tun, dass Touristen trotz der Pandemie nicht ausbleiben. Maskenpflicht, Abstand und Desinfektion bestimmen fast überall die Vorsichtsmaßnahmen. Mancherorts wird auch auf Technologie gesetzt.

ÖSTERREICH: “Ski-Vergnügen ja, aber ohne Apres-Ski”, lautet die Parole, die Österreichs Regierung ausgegeben hat. Essen und Getränke gibt es nur im Sitzen, in Gondeln herrscht Maskenpflicht. Darüber hinaus setzen Behörden, Tourismusverbände und Betreiber je nach Bundesland und Skigebiet auf unterschiedliche Maßnahmen. “Wintersportgebiete wie Ischgl sind im Zuge der Berichterstattung ein Synonym für die Pandemie geworden. Das entspricht natürlich nicht der Realität, aber trotzdem haben viele Menschen Vorbehalte, in diese Gebiete zu reisen. Das nehmen wir sehr ernst”, sagt der Direktor des Tourismusverbands St. Anton am Arlberg, Martin Ebster.

Die Bandbreite an Maßnahmen ist groß: Ein Multifunktionstuch als Mund-Nasen-Schutz gibt es in manchen Skiorten zu kaufen, anderswo direkt zum Saisonpass. Beim Anstellen für Skilifte muss Abstand eingehalten werden. Hotel- und auch Skigebietsmitarbeiter sollen häufiger auf Corona getestet werden, teils soll täglich vor Dienstantritt Fieber gemessen werden. Registrierung von Gästen und Kontaktnachverfolgung sollen auch per Handy erfolgen.

Mehrere Skigebiete garantieren beim Kauf der Saisonkarten Erstattungen, falls es erneut zu einem Lockdown kommen sollte. Angst macht allen Beteiligten, dass wegen der Reisewarnungen des deutschen Außenministeriums Touristen aus Deutschland ausbleiben könnten – die machten in Tirol und Vorarlberg zuletzt mehr als die Hälfte aller Übernachtungen aus.

DEUTSCHLAND: Deutschland spielt im alpinen Skitourismus keine große Rolle. Denn auch die Skigebiete in den Bayerischen Alpen sind zu klein, um mit der Konkurrenz in Österreich und der Schweiz mithalten zu können – ganz zu schweigen von Mittelgebirgspisten in Schwarzwald, Fichtelgebirge oder Sauerland. Tagesausflügler sind daher wichtig.

Mit Ministerien abgestimmte Hygienekonzepte gibt es noch nicht, aber die Vorgaben für den Winter werden sich am Sommerbetrieb orientieren. Das heißt Maskenpflicht für Gondeln und Lifte und Abstandsgebote. Mehrere Skigebiete wollen zusätzliche Saisonkräfte zur Lenkung von Besuchern einzustellen. Voraussichtlich nicht nur in Bayern wird eine App zum “Gäste-Tracing” zum Einsatz kommen, deren Nutzung freiwillig wäre und beim Nachverfolgen von Infektionsketten helfen könnte.

Im Schwarzwald blickt man auch mit Hoffnung auf die Saison. “Nach all den coronabedingten Einschränkungen des Sommers erwarte ich, dass die Gäste sich nach einem Schwarzwaldwinter sehnen wie schon lange nicht mehr”, sagt Adrian Probst, Vorsitzender des Liftverbunds Feldberg.

Liftkarten werde es nur online geben. Damit würden Schlangen vor Schaltern vermieden – “und wir wissen genau, wie viele Leute an welchem Tag zu uns kommen”, heißt es. Wenn das Infektionsgeschehen es erfordere, werde die Ticketzahl beschränkt. Neben Maskenpflicht und Abstandsregeln soll es Stationen mit Desinfektionsspendern geben. Personal soll sicherstellen, dass Maßnahmen eingehalten werden.

SCHWEIZ: Die Schweizer Wintersportregionen setzen auf Optimismus. “Wir planen wie immer mit viel Vorfreude einen Winter mit einigen Neuigkeiten”, sagt Markus Meili, Geschäftsführer der Engadin St. Moritz Mountains AG in Graubünden. In Zermatt am Fuß des Matterhorns werden alle Bahnen geöffnet und Pisten beschneit. Zermatt Tourismus hat eigens einen Schlauchschal entwickelt, der über die Nase gezogen so gut wie jede Schutzmaske vor Viren schützen soll.

“Bei der Ausübung des Schneesports gibt es bis auf den Mund-Nasen-Schutz in geschlossenen Transportmitteln und den Distanz-Regeln im Anstellbereich keine Veränderungen zu sonstigen Wintern”, sagt Meili. Simona Altwegg von Zermatt Tourismus sagt: “Auf den Pisten ändert sich nichts, da man an der frischen Luft ist und der Mindestabstand beim Skifahren sowieso gegeben ist.”

Bei den Jungfraubahnen im Berner Oberland mit den Skigebieten Grindelwald, Wengen, Mürren sieht man auch kein Problem. Maskenpflicht gelte in Zügen und Gondeln, zusätzlich könnten fast überall die Fenster geöffnet werden. “Für die Skilifte und Sesselbahnen wird keine Maskenpflicht herrschen”, sagt Sprecherin Kathrin Naegeli, da seien die Gäste ja an der frischen Luft, und die Fahrzeit liege meist unter 15 Minuten. Ob beim Anstehen an Skiliften Mund- und Nasenschutz nötig ist, dürften die Kantone noch festlegen.

Feiern nach dem Pistentag spiele in der Schweiz kaum eine Rolle, heißt es. Für die Mehrheit der Gäste stünden das sportliche Skifahren und die Gastronomie im Vordergrund, sagt Altwegg. Und Meili meint: Das Oberengadin sei nicht bekannt für ausschweifendes Après-Ski. Dass die Saison kein brummendes Geschäft wird, ist allen klar. Ein Einbruch bei der Zahl ausländischer Gäste sei sehr wahrscheinlich, sagt die Sprecherin des Schweiz Tourismus, Martina Bieler.

SÜDTIROL: In den Südtiroler Skigebieten laufen seit Wochen die Vorbereitungen für die neue Saison. “Wir werden alle nötigen Vorkehrungen treffen, damit der Ski- und Wintertourismus in Südtirol auch in diesem Winter möglich ist”, sagte der für Tourismus zuständige Landesrat in Südtirol, Arnold Schuler.

Zu den Vorsichtsmaßnahmen gehören das verpflichtende Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes in Seilbahnen und Abstandsregeln. Alle Gondeln würden regelmäßig desinfiziert, Schutzabtrennungen installiert und Taktfrequenzen von Skibussen erhöht. Besucher können Skipässe in vielen Gebieten vorab online kaufen und in einer Ticketbox vor Ort abholen. Auch Skischulen, Skiverleihe sowie Restaurants und Hotels entwickeln nach Angaben der Behörden eigene Konzepte.

FRANKREICH: Frankreichs Wintersportgebiete haben teils ihre Stornierungsbedingungen geändert. So können Reisende auch kurzfristig absagen, wenn es die Corona-Lage nötig macht. Jeder Reisende sollte vorher die Bedingungen prüfen. Das Wintersportgebiet Courchevel in den französischen Alpen wirbt mit zwei Apotheken und drei medizinischen Zentren, die den Winter über geöffnet sind.

Im nicht weit entfernten La Plagne wird betont, dass Hygienevorschriften und ein schöner Skiurlaub sich nicht ausschließen würden. Einige Unterkünfte böten einen Online-Check-in an, damit die Wartezeit in Gemeinschaftsräumen verkürzt werde. Skipässe können bis 48 Stunden vor dem ersten Gültigkeitstag storniert werden. Es gebe weiterhin Kinderbetreuung und Skikurse. Auch Helme könnten weiter ausgeborgt werden, sie würden regelmäßig desinfiziert.

Eine Maske auf Sesselliften, in Warteschlangen oder in Gondeln ist in den meisten Skigebieten Pflicht – so auch im Wintersportort Val Thorens in der Region Auvergne-Rhône-Alpes. Generell werben die Skigebiete damit, dass überall ausreichend Desinfektionsmittel bereitstünden und Lifte regelmäßig gesäubert würden.

TSCHECHIEN: Traditionell sind die Skigebiete im Riesengebirge, Erzgebirge, im Böhmerwald und in den Beskiden bei Touristen aus Deutschland und Polen beliebt. Allerdings liegt Tschechien bei der Zahl der Coronavirus-Neuinfektionen gemessen an der Bevölkerungszahl inzwischen EU-weit an der Spitze (Stand 9. Oktober).

Die tschechische Vereinigung der Skigebiete bereitet für die Wintersaison einen Hygiene-Leitfaden vor. Dies geschehe in Konsultation mit Gesundheitsämtern und dem Gesundheitsministerium in Prag, sagt Verbandsleiter Libor Knot: “Sport und Bewegung an der freien Luft ist eine der sichersten Aktivitäten.”

Einschränkungen wird es beim Apres-Ski geben. Aktuell gilt in der Gastronomie, dass jeder Gast einen Sitzplatz haben muss. Zudem dürfen nicht mehr als sechs Leute an einem Tisch sitzen. Um 22.00 Uhr müssen alle Gaststätten, Bars und Cafes schließen. “Wir bleiben optimistisch – wenn das Wetter im Winter mitspielt, könnten wir mit dem Vorjahr vergleichbare Besucherzahlen erreichen”, sagt Knot.

Von: dpa

Bezirk: Bozen

Kommentare

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18 Kommentare auf "Europäische Ski-Destinationen fühlen sich gerüstet"


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Gudrun
Gudrun
Superredner
17 Tage 16 h

ist Skifahren wichtiger als Gesundheit ????

nero09
nero09
Tratscher
17 Tage 16 h

sport ist wichtig für die gesundheit

Spiegel
Spiegel
Superredner
17 Tage 16 h

Kannst du nicht Skifahren. Toll auf einer leeren Piste , frisch präpariert und griffig zu carven. Kennst du das gefühl nicht?

PuggaNagga
17 Tage 13 h

@Gudrun
Hat der Schnee das Virus?
Warum sollte ich nicht Skifahren?
Beim Skifahren hat man meist 5-10m Abstand und noch viel mehr!
Und Lift fahren mache ich am liebsten ohne Andere. Manche riechen in der Gondel als müsste die Seife erst erfunden werden.

tomsn
tomsn
Tratscher
17 Tage 17 h

Meinen Skiurlaub habe ich bereits gestrichen.

PuggaNagga
17 Tage 17 h

Warum?
Mir auch recht, dann erwarte ich eine großartige Skisaison mit weniger Leute auf der Piste!
Im Lift sind dann weniger Leute, die Gerüche von sich geben als wäre es ein öffent. Toilette.
Ich freue mich darauf!

Spiegel
Spiegel
Superredner
17 Tage 16 h

Schod für den Tourismus.

Gudrun
Gudrun
Superredner
17 Tage 17 h

ist skifahren Lebenswichtig???

Mezcalito
Mezcalito
Tratscher
17 Tage 15 h

ist Corons lebensbedrohlich (für unter 80 Jährige)?

PuggaNagga
17 Tage 13 h

@Gudrun
Bleibens zuhause!
Die Angsthasen müssen ja nicht skifahren.
Wissen Sie wieviele arme Bergbauern sich beim Lift was dazu verdienen? Wissen Sie welche Wertschöpfung dieses Business bei uns hat?

snip
snip
Tratscher
17 Tage 3 h

Jep. Unter 40 ohne Vorerkrankungen dann nur mehr so lebensbedrohlich wie Influenza. Meist ohne Folgen, manchmal aber wochenlanges Gschiss oder auch Folgeschäden. Grad wieder von a Bua mit Herzmuskelentzündung nach Infekt ghärt bei ins

Anderrrr
Anderrrr
Universalgelehrter
17 Tage 16 h

Mol schaugn wia se des lösen uner in der gondel oder afn 4er lei 1er ????
Fakt isch wen se autian isch sicher wenig los..

PuggaNagga
17 Tage 13 h

Stört mi net.
I gea sowieso mit meine Leit! Je noch Truppe sein mir 2-6 Leit.
Und Apres Ski muas i net unbedingt hobn. Nocher vor i holt noch zimittog huam wenn die Hittn zu gsperrt lossn.

So ist das
So ist das
Universalgelehrter
17 Tage 5 h

Als würden diese Regeln ausreichen oder gar eingehalten werden. Immer schön wenn man am Schreibtisch plant und die Realität längst anders ausschaut 😂😂😂

Gudrun
Gudrun
Superredner
17 Tage 2 h

man sollte sich auch fragen wieviel Natur den Massentourismus schon geopfert worden ist— aber die Natur rächt sich auch früher oder später !!!—- Gesundheit gibt uns nur die Natur und nicht der Massentourismus !!

MarkusKoell
MarkusKoell
Tratscher
17 Tage 3 h

Oft ist weniger mehr 😉 

maikaefer8
maikaefer8
Tratscher
17 Tage 4 h

Ichhätte gerne gewußt, ob es Schikirse geben wird.Ohne Körperkontakt ist der bei den Anfängern schwierig. Ohne Schikurs werden aber viele Familien nicht kommen.

pfaelzerwald
pfaelzerwald
Universalgelehrter
15 Tage 15 h

Hoffentlich geht alles gut.

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