Von Österreich wegen Nicht-Öffnung der Grenzen zu Italien enttäuscht

Südtiroler Hoteliers blicken verhalten auf den Sommer

Mittwoch, 27. Mai 2020 | 10:50 Uhr

Bereits seit Montag dürfen die Hotels in Südtirol wieder Gäste empfangen. Viele machten von der Lockerung vorerst jedoch nicht Gebrauch und blieben noch geschlossen. Laut einer Schätzung des Präsidenten des Hoteliers- und Gastwirteverbandes (HGV), Manfred Pinzger, haben bisher weniger als 20 Prozent der Beherbergungsbetriebe auch tatsächlich ihre Pforten geöffnet.

Pinzger rechnete mit einer sukzessiven Öffnung. Der Großteil der Betriebe werde erst zwischen 15. und 30. Juni öffnen, meinte der HGV-Präsident im Gespräch mit der APA. Die Stimmung unter den Hoteliers bezeichnete er als “verhalten”. Die Hoffnung liege nun darauf, dass Gäste aus Deutschland ab Mitte Juni nach Südtirol kommen. Italiener dürfen voraussichtlich ab 3. Juni ihre eigene Region verlassen. Allerdings würden Italiener traditionell erst später Urlaub machen.

Enttäuscht zeigte sich Pinzger von der österreichischen Bundesregierung, die bisher keinen Termin für eine mögliche Grenzöffnung zu Italien in Aussicht gestellt hat. Lediglich das Durchfahren durch Österreich, etwa für deutsche Touristen, die in Italien urlauben wollen, soll ab Anfang Juni erlaubt werden. Das Verhalten Österreichs sei jedenfalls nicht, “wie man es sich von einem Vaterland erwartet”, kritisierte Pinzger. Allerdings schaue in Zeiten wie diesen jeder auf sich. Auch in Italien gebe es Begünstigungen für Urlaub in der eigenen Heimat und Deutschland rufe ebenfalls zum Urlaub im eigenen Land auf.

“Die Rechnung wird Kurz (Sebastian, Bundeskanzler, Anm.) aber nicht aufgehen”, ist Hansi Pichler, Präsident der IDM, die die Tourismuswerbung für Südtirol koordiniert, überzeugt. “Wir haben viele Stammgäste, die wissen, was sie an Südtirol haben”, so Pichler. Heini Dorfer, Hotelier aus dem Passeiertal, konnte dem nur zustimmen. In seinem Betrieb würden die Telefone heiß laufen. Die Gäste würden sich informieren und nachfragen. Interesse bestehe auf jeden Fall, betonte Dorfer.

Auch HGV-Präsident Pinzger konnte die rege Nachfrage bestätigen. Das habe mit der guten Positionierung am Markt zu tun, meinte er. Buchungen gebe es allerdings noch wenige. Dass österreichische Touristen wohl vorerst ausbleiben, sah er weniger schlimm. Wichtig sei nur, dass “Österreich keine negativen Äußerungen mehr macht und die Reisefreiheit laut Schengenabkommen garantiert”, erklärte der HGV-Präsident.

Von: apa

Bezirk: Bozen