Offener Brief an Elmar Morandell

Dachverband: Sektorales Fahrverbot auch für Südtirol

Donnerstag, 09. Juli 2015 | 12:49 Uhr

Bozen – Der Dachverband für Natur- und Umweltschutz reagiert auf eine Presseaussendung von Frächter-Chef Elmar Morandell und fordert ein sektorales Fahrverbot auch für Südtirol.

In einem offenen Brief heißt es, dass der Dachverband für Natur- und Umweltschutz die Ankündigung des Tiroler LHs Günther Platter, ab Herbst 2015 das sektorale Fahrverbot für den Schwerverkehr auf der A22 aus Umweltschutzgründen wieder einzuführen, begrüßt und fordert für Südtirol die gleiche Regelung. „Eine wettbewerbsverzerrende Wirkung, wie von Ihnen, Herr Morandell, in der gestrigen Presseaussendung befürchtet, sieht der Dachverband darin nicht.“

„In einem Punkt ist sich der Dachverband mit Ihnen als Obmann der Südtiroler Frächter einig: Allein mit einem sektoralen Fahrverbot für den Schwerverkehr lässt sich die Luftqualität entlang der Brennerautobahn nicht wesentlich verbessern. Die Verlagerung von sperrigen Gütern wie Müll, Autos, Bauschutt, Holz, etc. von der Straße auf die Schiene ist daher auch nur eine von vielen Forderungen des Dachverbandes, um die lärm- und abgasgeplagten Anrainer der Brennerautobahn zu entlasten. Seit Jahren verweist der Dachverband auf die ständig über den Grenzwerten liegende Schadstoffbelastung sowie die vor allem nachts so gesundheitsschädliche Lärmbelastung entlang der A22 und verlangt neben einem sektoralen Fahrverbot auch eine Mautanpassung an die Schweiz. An die 600.000 Lkw sind es jedes Jahr, die sich, statt durch die Schweiz zu fahren, für den günstigeren Umweg über den Brenner entscheiden und damit eine unnötige Zusatzbelastung der Umwelt bewirken“, heißt es weiter.

„Die von Ihnen, Herr Morandell, angeregte Geschwindigkeitsbegrenzung auf 100 km/h für Pkw ist bereits Teil des Forderungskatalogs des Dachverbandes, aber aufgrund fehlender Kontrollen werden leider nicht einmal die bestehenden 110 km/h eingehalten. Mit dieser Beobachtung konfrontierte der Dachverband kürzlich die Präfektin des Regierungskommissariats, Dott.ssa Elisabetta Margiacchi, und erhielt ihre Unterstützungszusage. Was die von Ihnen angesprochene Lärmbelastung durch die Eisenbahn anbelangt, so verweisen wir zum wiederholten Male auf unsere Forderung nach sofortiger Verbesserung des Rollmaterials, weil Lärmschutzwände nur in unmittelbarer Nähe der Bahnlinie Wirkung zeigen und am Berghang liegende Siedlungen bekanntlich gar nicht schützen. Die lärmgeplagten Anrainer über Jahre hinweg mit der Fertigstellung des BBT zu vertrösten, hält der Dachverband für völlig inakzeptabel. Ihren Vorwurf, die Existenz von Südtiroler Frächtern sei durch Umweltschutzmaßnahmen gefährdet, weist der Dachverband entschieden zurück“, so der Dachverband in dem offenen Brief.

„Viel eher ist es wohl gerade der von Ihnen beschworenen freien, deregulierten Marktwirtschaft zuzuschreiben, dass die Frächterbranche längst von deutlich billigeren Konkurrenten aus Osteuropa unterboten werden konnte. Unserer Meinung nach würde sich eine soziale Marktwirtschaft, wie sie in Europa bereits vor dem Einzug des angelsächsischen Neoliberalismus bestand, verantwortungsbewusster und nachhaltiger um Ihre Berufskategorie, um die Menschen entlang der Brennerautobahn und um die dazu gehörige Umwelt kümmern“, schließt Klauspeter Dissinger vom Dachverband.

WAS BISHER BERICHTET WURDE (8.9.2015)

Der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter will innerhalb Herbst 2015 das sektorale Fahrverbot durch Tirol wieder einführen. „Nicht mit uns“, wehren sich die Frächter im lvh. „Mit solchen Maßnahmen wird der freie Warenverkehr eingeschränkt und viele kleine und mittelständische Südtiroler Transporteure bleiben dabei auf der Strecke“, warnt Obmann Elmar Morandell.

„Ein sektorales Fahrverbot ist wettbewerbsverzerrend und würde die Existenz vieler kleiner und mittelständischer Transportunternehmen im gesamten Alpenraum und darüber hinaus gefährden“, erklärt Elmar Morandell, Obmann der Südtiroler Frächter im Wirtschaftsverband für Handwerk und Dienstleister lvh.

Für die Warentransporteure ist es unverständlich, wie der Tiroler Landeshauptmanns Günther Platter mit der Verwirklichung seines Wahlversprechens die Warentransporteuer und mehrere davon abhängige Wirtschaftssektoren auf einen Schlag in den Ruin treiben könne: Innerhalb Herbst 2015 wolle Platter nämlich das sektorale Fahrverbot wieder einführen, um die Auswirkungen des Verkehrs auf die Umwelt zu reduzieren.

„Man kann die Umweltbelastung nicht einfach den Transporteuren in die Schuhe schieben“, berichtigt Morandell. „Studien des Schweizer Unternehmens Ökoscience AG zeigen, dass durch die Einführung der Geschwindigkeitsbeschränkung für Pkw auf 100 km/h ein Emissionsminus von 15 Prozent erzielt werden konnte. Die Wiedereinführung des sektoralen Fahrverbots für den Schwerverkehr würde laut Ökoscience eine Verbesserung der Luftqualität um lediglich drei Prozent erreichen. Allerdings wird in der Studie die Lärmbelästigung durch den Zugverkehr, die sich um ein Vielfaches erhöhen wird, nicht berücksichtigt.“ Seine Forderung: „Bevor der Brennerbasistunnel nicht fertig gebaut ist und die Ware schnell und effektiv mit der Bahn befördert werden kann, macht ein sektorales Fahrverbot keinen Sinn.“

Auch die Diskussion um die Wiedereinführung der Alpentransitbörse bereitet ihm Sorgen: Dabei soll der Verkehr eingedämmt werden, indem Durchfahrtsrechte versteigert und gehandelt werden. „Von einer freien Wirtschaftstätigkeit kann dabei aber keine Rede mehr sein“, erklärt der Obmann.

Die Frächter fordern, dass man von weiteren wettbewerbsverzerrenden Maßnahmen absieht: „Die freie Marktwirtschaft zu erhalten, hat oberste Priorität“, betont Obmann Elmar Morandell. „Nur so können wir die Existenz und Arbeitsplätze der Transporteure sichern.“

Von: ©lu

Bezirk: Bozen