Obwexer mahnt zur verbalen Abrüstung

Dachverband: “Verständnis von Pflege ist neu zu diskutieren”

Freitag, 27. Mai 2022 | 15:14 Uhr

Bozen – Der Dachverband für Soziales und Gesundheit mahnt zur verbalen Abrüstung. “In der Diskussion soll sachlich debattiert werden über die künftige Form und Dimension der Pflege und die Finanzierung. Pflege ist nicht Gefahr und Kostenfaktor, sondern ein enormer Wert für alle Südtiroler Familien.”

„Der Dachverband zeigt sich sehr besorgt über die jüngsten Schlagzeilen zur Pflegesicherung“, stellt Wolfgang Obwexer, Präsident des Dachverbandes für Soziales und Gesundheit klar und er unterstreicht unmissverständlich: „Damit Pflege auch für Menschen mit niedrigem Einkommen bezahlbar bleibt, braucht es auch in Zukunft auf jeden Fall eine Finanzierung mit öffentlichen Mitteln.“

„Wir begrüßen es, wenn über die Pflege und Pflegesicherung diskutiert wird. Es bringt aber nichts, Schreckensgespenster an die Wand zu malen“, betont Obwexer. Er spricht sich für eine nüchterne und lösungsorientierte Debatte aus. die am Ende festlegt, wie die Pflegeleistungen weiterentwickelt werden können, und wie das Pflegesystem bestehend aus den Fachkräften, den freiwilligen Helfern und den Familien wirkungsvoll unterstützt werden kann. “Besonders Familien benötigen viele differenzierte Unterstützungsmaßnahmen, die den unterschiedlichen Lebenssituationen gerecht werden. Bedarf an Pflege haben in Südtirol viele unterschiedliche Personengruppen. Neben Senior/innen sind es auch Menschen mit Behinderungen oder Menschen mit einer chronischen Erkrankung und Opfer von Unfällen.”

Die Pflegesicherung sei eine enorme Errungenschaft. “Der Pflegebedarf steigt und die Pflege kostet natürlich Geld, ja. Aber die Finanzierung dieser Leistung bringt auch einen enormen Nutzen für die gesamte Gesellschaft. Deshalb muss das System auch in Zukunft sozial ausgewogen bleiben.” Nur die „Kosten“ zu sehen, das Ganze als gefährliche Entwicklung darzustellen und von „Kostenexplosion“ und „Kostenlawine“ zu sprechen erschwere eine offene und weiterführende Debatte, so Obwexer.

„Die Pflegesicherung ist ein Meilenstein Südtiroler Sozialpolitik und das muss so bleiben. Wir müssen unser Verständnis von Pflege neu diskutieren, das bestehende System verbessern und auch die Finanzierung für die Zukunft sichern“, so Obwexer. Davon profitierten letztlich alle Südtiroler Familien.

Von: luk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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6 Kommentare auf "Dachverband: “Verständnis von Pflege ist neu zu diskutieren”"


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ebbi
ebbi
Universalgelehrter
1 Monat 2 Tage

Das Pflegegeld wird undifferenziert und mit der Gieskanne ausgeschüttet. Es gehört einkommensabhängig auszuzahlen, dann erledigt sich auch das Problem mit den Einstufungen, die zur Zeit eine unzumutbare Wartezeit haben. Von so manchen Menschen wird das Pflegegeld nicht für die eigene Pflege genutzt, sondern aufgespart für die Erben. Warum sollte die Allgemeinheit so etwas finanzieren, wenn die Person selbst über hohe Ersparnisse verfügt? und jene, die es wirklich dringend brauchen, schauen durch die Finger. Zudem fehlen hier in der Diskussion die ganzen “Badanti”, ohne die das ganze Pflegesystem doch schon lange zusammengebrochen wäre.

Trina1
Trina1
Kinig
1 Monat 2 Tage

Ja und wer kein Geld hat, bleibt ohne Badante. Ein nicht zumutbarer Zustand für Menschen die notwendig eine Pflege brauchen!

ebbi
ebbi
Universalgelehrter
1 Monat 2 Tage

@Trina1 ganz genau und mittlerweile auch ohne Hauspflegedienst, da auch dieser unter einem eklatanten Personalmangel leidet. Die Situation im Pflegebereich ist mehr als prekär und wird sich die nächsten Jahre noch weiter zuspitzen.

Trina1
Trina1
Kinig
1 Monat 2 Tage

@ebbi wie schlimm das ist versteht man erst, wenn es die eigene Familie betrifft! Ganz Südtirol kein Pflegeplatz für eine kranke 92 jährige Frau. Das schlimme daran man hat keine Aussicht einen zu bekommen von der Pflegeeinstufung gar nicht zu reden, die lassen sich einfach nicht blicken!

ebbi
ebbi
Universalgelehrter
1 Monat 2 Tage

@Trina1 ja, und dass man selber betroffen ist, geht oft schneller als man meint, dafür muss man nicht unbedingt alt sein. Im Pflegebereich sprechen wir von einem politischen Totalversagen und das seit Jahrzehnten.

Trina1
Trina1
Kinig
1 Monat 2 Tage

@ebbi traurig aber es stimmt, brauch mir nur die Eltern anschauen von Kindern mit schwerwiegende Probleme, alleine gelassen!

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