Aktionäre bekommen mehr Dividende

Daimler will deutlich profitabler werden

Donnerstag, 18. Februar 2021 | 15:41 Uhr

Daimler-Chef Ola Källenius trimmt den deutschen Autobauer strikt auf Zukunft, aber eines soll schon bald wieder wie in alten Zeiten sein. Mitten in der Coronakrise schraubt der deutsche Konzern seine Renditeziele deutlich nach oben.

Schon heuer will man in Stuttgart in etwa wieder dorthin kommen, wo man jahrelang war – bevor die hohen Kosten für den Einstieg in die Elektromobilität, die teuren Diesel-Altlasten, Handelskonflikte und zuletzt eben auch noch Corona ihre Spuren hinterließen.

“Daimler kann mehr”, hatte Källenius nach dem ausgesprochen schwachen Jahr 2019 versprochen. Nun sieht sich der Schwede in seinem zweiten Jahr an der Konzernspitze auf einem guten Weg. Zwar hatte die Pandemie auch Daimler noch im Sommer zeitweise in die roten Zahlen gestürzt, nachdem Produktionslinien gestoppt und Autohäuser geschlossen werden mussten. Dank einer überraschend starken Erholung im zweiten Halbjahr, vor allem in China, sehen die am Donnerstag präsentierten Gewinnkennzahlen nun aber sogar besser aus als 2019. Das hatte Daimler selbst lange Zeit so nicht erwartet.

2020 verbuchte der Konzern unter dem Strich einen auf die Aktionäre entfallenden Gewinn von rund 3,6 Milliarden Euro. Das waren 1,2 Milliarden Euro oder 50 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Ohne den sogenannten Abzug von Minderheitenanteilen lag das Konzernergebnis bei 4,0 Milliarden Euro – ein Plus von 48 Prozent. Die Dividende soll von 90 Cent im Vorjahr auf 1,35 Euro steigen.

Dass das trotz gesunkenen Absatzes und Umsatzes geklappt hat, liegt vor allem daran, dass Daimler im Vorjahr milliardenschwere Kosten unter anderem für Dieselaffäre und Produktionsprobleme schulterte – aber auch daran, dass Källenius und sein Finanzchef Harald Wilhelm stark die Kosten drücken konnten. Weltweit verkaufte Daimler 2020 nur rund 2,84 Millionen Fahrzeuge – um 15 Prozent weniger als 2019. Der Umsatz sank im Vergleich um 11 Prozent auf 154,3 Milliarden Euro.

Zugleich profitierte Daimler aber unter anderem von einem besseren Produktmix bei Mercedes-Benz. Das heißt, dass tendenziell eher teure Autos mit höheren Gewinnspannen verkauft wurden. Hinzu kam, dass die Kurzarbeit die Auswirkungen von Corona spürbar dämpfen konnte: Konzernweit sparte der Konzern laut Källenius damit rund 700 Millionen Euro ein.

2021 nun sollen Absatz, Umsatz und Gewinn gleichermaßen deutlich zulegen. Die Pkw- und Vans-Sparte will Källenius damit auf eine bereinigte Umsatzrendite von 8 bis 10 Prozent bringen. Bei den zuletzt schwer gebeutelten Lastwagen und Bussen rechnet er mit 6 bis 7 Prozent operativer Marge.

Die Ziele entsprechen im Wesentlichen dem, was sich Daimler – damals noch in etwas anderer Konzernstruktur – in Normalzeiten vorgenommen hatte. Mit aktuell 6,9 Prozent ist man diesem Ziel bei den Autos allerdings schon deutlich näher als bei den Trucks, die derzeit bei 2,0 Prozent dümpeln. Sparten-Chef Martin Daum ist zuversichtlich: “Wir haben das Jahr mit einer guten Dynamik beendet”, sagte er. Der Auftragsbestand liege höher als Ende 2019.

Die beiden Sparten sollen künftig als zwei unabhängige börsennotierte Unternehmen agieren – Mercedes-Benz für Autos und Vans und Daimler Truck für Lastwagen und Busse. Auch das will Källenius noch in diesem Jahr auf den Weg bringen. Die beiden Unternehmen könnten sich damit besser auf ihre jeweiligen Stärken konzentrieren und mehr Potenzial entfalten, betonte er am Donnerstag erneut. Die Finanz- und Mobilitätsdienstleistungen, bisher noch eigenständig unter dem gemeinsamen Daimler-Dach, sollen in den anderen Bereichen aufgehen. Die Daimler AG wird langfristig ganz verschwinden.

Mit der Strategie im Autobereich sei man auf dem richtigen Weg, sagte Källenius. Der Absatz von Plug-in-Hybriden und komplett elektrischen Autos sei auf rund 160.000 verdreifacht worden, die CO2-Vorgaben der EU habe man eingehalten. “Das zeigt, dass wir in die richtige Richtung gehen”, sagte er. Heuer bringt Mercedes-Benz eine ganze Reihe neuer Elektromodelle auf den Markt und will doppelt so viele verkaufen wie 2020.

Die Cash-cow bleiben aber erst einmal die Verbrenner, davon will Källenius auch nicht abrücken – auch wenn andere Hersteller derzeit mit großen Abkehr-Ankündigungen Furore machen und Kritiker auch von Daimler mehr Engagement fordern. “Wer sich nachhaltigen Luxus auf die Fahnen schreibt, muss sich an diesem Slogan messen lassen”, kritisierte Jens Hilgenberg von der Umweltorganisation BUND, der zugleich Mitglied im Vorstand des Dachverbands der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre ist.

Källenius will sich aber nicht auf ein Datum für den Ausstieg festlegen. “Es macht keinen Sinn, frühzeitig das Verbrenner-Geschäft abzuschneiden, mit dem man gut Geld verdient”, betonte er. Aber: Sollte das Elektro-Geschäft schneller als gedacht mehr Fahrt aufnehmen, werde man bereit sein.

Dass die gute Entwicklung Begehrlichkeiten weckt, ist geradezu zwangsläufig. Mit den Beschäftigten hatte der Konzern im Sommer eine Reihe von Einschnitten vereinbart, um die Folgen der Pandemie abzufedern – unter anderem die Senkung der Arbeitszeit. Davon müsse man nun schnell wieder weg, hat Gesamtbetriebsratschef Michael Brecht die Tage schon gefordert. IG-Metall-Bezirksleiter Roman Zitzelsberger schlug am Donnerstag im SWR in dieselbe Kerbe. Auch da winkt Källenius aber ab. Am grundsätzlichen Problem der Kostenstruktur habe sich nichts geändert, sagte er. Da müsse man über Jahre ran. “Das ist nichts, was man über Nacht löst.”

Von: APA/Reuters

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

20 Kommentare auf "Daimler will deutlich profitabler werden"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
Gredner
Gredner
Universalgelehrter
15 Tage 15 h

Ja, “kräftige Kostensenkungen” führen zu mehr Gewinn. Auch bei uns gibt es Unternehmen, die Mitarbeiter in den Lohnausgleich oder in Homeworking geschickt haben. Wer zuhause arbeitet, verbraucht keinen Strom in der Firma sondern zahlt diesen selbst! Und auf der anderen Seite gab es für einen Umsatzausfall Beiträge von Land oder Staat. Manchmal hat das sogar zu größeren gewinnen geführt. Hier sollte genauer geschaut werden, wer vieviel beiträge erhält. Ein Bauer, der Äpfel anbaut hatte z.B. durch Corona keine Einbussen.

Fantozzi
Fantozzi
Superredner
15 Tage 14 h

100% richitg – i konn des fi die bauern nimmer hearn – wo auf der welt gibs des – des gibs lei bei ins dass bauern mit 3 ha grund – an umsatz fi 200t euro hoben und bmw audi porsche fohren und villen stian hoben – und wos orbeten se groas – die merigste orbeit mochen nor die rumaenen

mementomori
mementomori
Neuling
15 Tage 12 h
@Fantozzi Sell geasch du amol wimmen oder Öpfelklauben nor schaugn mor ob se nichts tian. 1. Mit 3hektar hosch du net mehrere Villen an Porsche oder eppes onderes haha sell konn i dor sogen! Und wenn sell hosch nor hotter entweder an Kredit aufgnummen fürn sem (wos ziemlich dumm war) oder er hot an ondere Einnohmequelle, wos jeder hoben konn außer er woas net wia sein Kapital onlegen. 2. Jeder uanzelne Bauer bugglt mehr wia du in dein 9 to 5 Job. Plus geaht dor sell net um 5e huam und sog jatz hot er fertig. Er isch selbstständig und… Weiterlesen »
Gredner
Gredner
Universalgelehrter
15 Tage 12 h

Vor wenigen Jahren wurde die freie Kubatur für Bauernhöfe (wo sie Fewos für Urlaub auf dem Bauernhof errichten können) von 750m³ auf 1000m³ erhöht. Jetzt wurden ihnen sogar 1500m³ geschenkt – also hat sich die Kubatur verdoppelt! Das ist unlautere Konkurrenz für alle Privatvermieter.
Zudem bekommen diese Bauern (scheinbar) monatlich 600 € pro Mitarbeiter “wegen Corona” – obwohl die Kühe weiterhin Milch geben und Obst und Gemüse unbeirrt weitergedeihen. Ich bin verärgert!

Fantozzi
Fantozzi
Superredner
15 Tage 11 h

ausserdem sigsch genau bauern in der bar drin korten spielen bis noch mittag

Offline
Offline
Tratscher
15 Tage 10 h

@Fantozzi..selten einen größeren 💩 gelesen. Nur Neid, Hass und Missgunst. Und nein, ich bin kein (Obst) Bauer.

tom
tom
Universalgelehrter
15 Tage 4 h

Do schreibt oaner, der koan tau hot. Orbet im Frühjohr amol bei an Obst- oder Weinbauern, donn siggsch amol welche Orbetn do unfolln, de a Hilfsorbeter net lei mit 5 Minuten Unterweisung mochn konn, Do muas men schun wissen, wos men wia tuat

einervonvielen
einervonvielen
Superredner
15 Tage 7 h

Naja, hätten sie mal nicht beim Diesel gelogen, wären einige Mrd mehr im Topf….bzw in Kuwait 🙂

Jo73
Jo73
Superredner
14 Tage 16 h

@einervonvielen: Da haben sie ja recht. Aber irgendwann hat das Thema Dieselbetrug nun auch einen Bart und ist ausgelutscht. Es ist etwas einfach gemacht, die Autobauer immer nur auf ihre Dieselbetügereien zu reduzieren.

einervonvielen
einervonvielen
Superredner
14 Tage 13 h

@Jo73, egal ob man Daimler mag oder nicht, oder ob ich das für richtig oder falsch empfinde….wegen diesen Betrügereien werden wohl noch einige Euro über den Tisch wandern. Irgendwo und irgendwie wird D aber wieder profitabel werden, vermutlich zu Kosten der Kunden, des kleinen Mannes bzw. Arbeiters oder des Steuerzahlers

Zugspitze947
13 Tage 16 h

@einervonvielen  Das bei Mercedes ist KEIN  Betrug sondern technischer Fortschritt 🙂

Missx
Missx
Kinig
13 Tage 7 h

@Zugspitze
So eine lahme Ente wie Mercedes hatte ich mein Leben noch nie

Offline
Offline
Tratscher
12 Tage 10 h

@einervonvielen..lies mal nach, was FIAT bei seinen Dieselmotoren veranstaltet hat…😡

einervonvielen
einervonvielen
Superredner
11 Tage 14 h

@Zugspitze947….dann sollten sie aufpassen, dass sie nicht zu viel technisch fortschreiten, sonst sind sie in Kürze pleite 🙂

einervonvielen
einervonvielen
Superredner
11 Tage 14 h

@Offline…willst du das Thema hier nationalistisch ausschlachten oder warum kommst du hier jetzt mit Fiat daher?
Fakt ist, und das kann keiner leugnen, der Gewinn ohne die Mrd-Zahlungen wg. Betrug deutlich höher wäre…

Offline
Offline
Tratscher
11 Tage 5 h

@einervonvielen..Antworten auf “nationalistische” Kommentare von Nichtdeutschen darf ich schon ??

Offline
Offline
Tratscher
11 Tage 5 h

@einervonvielen..ich bin mit der Dividende zufrieden. Ist zumindest sicherer als der Wert des Luftschloßes Bitcoin. Und kann man in die Hand nehmen und ausgeben.

Missx
Missx
Kinig
10 Tage 18 h

@einervonvielen
Das Problem ist das bestehende Saubermann – Image dieser Gruppe.
Und das ist MOMENTAN noch stärker als der Hausverstand.

Missx
Missx
Kinig
10 Tage 18 h

@Jo73
Das Thema ist tatsächlich ausgelutscht. Aber vergessen sollte man die Vergangenheit NIE

Missx
Missx
Kinig
10 Tage 18 h

Bin mit der Entwicklung meiner Tesla Aktien mehr als zufrieden. Würde nie in Daimler investieren. Aber jetzt wo ich so darüber schreibe…hätte was übrig…

wpDiscuz