Die neueste Technik bekommt man bei Gebrauchtfernsehern eher selten

Darauf kommt es bei Fernsehern aus zweiter Hand an

Dienstag, 07. November 2017 | 12:01 Uhr

Der alte Fernseher ist kaputt, veraltet oder viel zu klein – Ersatz muss her. Aber der neue Fernseher muss nicht immer auch wirklich neu sein, oder? Kann man mit Gebrauchtgeräten sparen, oder lohnt sich eher etwas ältere Neuware? Eine Abwägung.

Neu oder gebraucht? Diese Frage beschäftigt nicht nur Autokäufer. Auch bei der Suche nach einem neuen Fernseher kann ein Blick auf den Gebrauchtmarkt lohnen. Mit einigen Einschränkungen versteht sich – denn die neuesten technischen Tricks beherrschen die Gebrauchten meist nicht.

“Damit ein gebrauchter Fernseher sich lohnt, muss das Angebot wirklich ein Preishammer sein”, sagt Andreas Nolde vom Technikmagazin “Chip”. “Einen Fernseher, der vier Jahre oder noch älter ist, würde ich nicht mehr kaufen.”

Denn während die alten Röhrenfernseher gut und gerne mal 15 Jahre liefen, sind moderne Modelle laut Nolde nur noch auf eine Laufzeit von ungefähr 8 Jahren ausgelegt. Außerdem habe sich technisch einiges getan: “Viele Fehler, die ältere Geräte noch haben, wurden in den vergangen Jahren behoben. Gerade Smart-TVs haben sich wahnsinnig entwickelt.”

Doch die rasche Entwicklung ist ein Vorteil für den Gebrauchtmarkt: “Durch den schnellen Wechsel von HD-Ready über Full-HD und 4k zu 4k mit HDR kaufen sich viele Leute schon nach kurzer Zeit einen neuen Fernseher”, sagt er. Deshalb sind gute und relativ aktuelle Geräte manchmal auch gebraucht erhältlich.

Trotzdem sollten Käufer immer prüfen, ob das gebrauchte Gerät für sie geeignet sei. “Für Nutzer von DVB-T2 wird das zum Beispiel schwierig”, erklärt der Technikexperte. Älteren Geräten fehlen die dafür nötigen Empfänger. Die haben erst Fernsehern ab dem Modelljahr 2016, die es gebraucht erst selten gibt. Solche Schnäppchen können also Folgekosten haben.

Auch wer Apps für Streamingdienste auf dem Fernseher nutzen will, darf kein zu altes Gerät kaufen. Populäre Dienste wie Netflix, Youtube oder Amazon Prime Video unterstützen viele ältere Modelle nicht mehr, erklärt Jenny Braune von der Stiftung Warentest.

Doch neben diesen technischen Besonderheiten muss der Fernseher natürlich vor allem eines: funktionieren. Ungesehen sollte ein gebrauchter Fernseher deswegen nicht gekauft werden. Andreas Nolde rät, auf Pixelfehler des Displays zu achten und auf guten Ton. “Auch die Fernbedienung sollte man sich vom Verkäufer zeigen lassen und ausprobieren, ob alle Tasten funktionieren.”

Natürlich gilt für gebrauchte Fernseher auch, was für neue Geräte gilt. So rät die Stiftung Warentest, beim Kauf eines TVs auf die Bildqualität zu achten: Das Bild sollte ausreichend hell und kontrastreich sein, ohne dass die Regler auf das Maximum eingestellt sein. Für Familien ist im Gegensatz zu Singles interessant, ob das Bild von verschiedenen Blickwinkeln aus gut ist. Ob schnelle Bewegungen von Display gut abgebildet werden, kann man etwa testen, indem ein Nachrichtensender eingestellt wird. Ruckelt die Laufschrift im Bild, könnte das ein Grund gegen den Kauf sein.

Aus Umwelt-Sicht hält der Verbraucherschützer Tristan Jord den Kauf gebrauchter Geräte immer für sinnvoll. “Es ist doch ein eingeredetes Bedürfnis, dass manche Leute sich alle paar Jahre einen neuen Fernseher kaufen”, sagt er.

Auch die vermeintlich verbesserte Energieeffizienz von neuen Geräten sei wenig wert, findet er: “Diese Effizienz wird durch immer neue Zusatzleistungen wieder wett gemacht.” Statt eines Neukaufs sollte man alte Geräte so lange wie möglich nutzen, bei Defekten reparieren lassen und im Zweifelsfall einen gebrauchten Fernseher erwerben.

Aus technischer Sicht, so resümiert Andreas Nolde, lohne sich ein gebrauchter Fernseher nur, wenn man eines sucht: “Viel Bildschirmdiagonale für wenig Geld.” Wer sehr hohe Ansprüche an sein Gerät hat und technisch möglichst aktuell sein möchte, sollte eher auf etwas ältere Neuware zurückgreifen. “Bei Fernsehern gibt es einen krassen Preisverfall. Erst im letzten Jahr erschienene Geräte werden einem heute von den großen Elektronikhändlern quasi nachgeworfen.”

Von: APA/dpa

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