Nach wie vor werden Unmengen an Banknoten gedruckt

Das Bargeld stirbt trotz Digitalisierung nicht aus

Sonntag, 04. Februar 2018 | 11:07 Uhr

Die Furcht vor dem Verschwinden des Bargelds dürfte unbegründet sein. Denn ungeachtet aller elektronischen Bezahlmöglichkeiten wächst die Bargeldproduktion sowohl in Europa als auch in anderen Teilen der Welt.

“Banknoten sind nicht rückläufig, das Produktionsvolumen bei Bargeld wächst immer noch leicht”, sagte Ralf Wintergerst, Vorstandschef des Münchner Traditionsunternehmens Giesecke & Devrient, dem Weltmarktführer im Banknotendruck. “Europa ist nach wie vor steigend, besonders Osteuropa. Auch Afrika ist stark steigend.”

Sogar in China, wo sich Bezahlen mit den Handy-Apps Wechat und Alipay durchgesetzt hat, ist die Bargeldproduktion nach Wintergersts Angaben zumindest stabil: “Wir sehen auch in China keinen Rückgang.” Für die Eurozone findet sich seine Einschätzung in den Statistiken der Europäischen Zentralbank bestätigt: Demnach waren Ende vergangenen Jahres 21,4 Milliarden Euroscheine im Umlauf – über eine Milliarde mehr als ein Jahr zuvor und fast dreimal so viele wie im Jahr der Euro-Bargeldeinführung 2002.

Das Münchner Traditionsunternehmen beliefert weltweit 150 Länder mit Banknoten und/oder Sicherheitstechnologie für ihr Bargeld. Weitere Geschäftsfelder des Unternehmens sind unter anderem die Herstellung von Bezahlkarten sowie Sicherheits- und Verschlüsselungstechnologie für Maschinen und elektronische Bezahlsysteme.

Nicht nur die Bargeldmenge wächst, auch die Zahl von Kredit- und EC-Karten: “Die Ausstellung von Bezahlkarten hat immer noch deutliche Zuwachsraten. Vor 20 Jahren hatte vielleicht jeder in Deutschland eine oder zwei Karten, heute hat jeder drei oder vier”, sagte Wintergerst. “Weltweit betrachtet ziehen viele Regionen gerade nach. Die Banken wollen dieses physische Stück Plastik mit ihrem Logo darauf auch nicht aufgeben.”

Gleichzeitig gewönnen insbesondere bei der jüngeren Generation Applikationen wie Apple Pay, Wechat oder Alipay deutlich an Zugkraft. “Manchmal läuft eine einzige Transaktion über mehrere Kanäle”, sagte Wintergerst. “Wer Apple Pay benutzt, wird gleichzeitig seine Kreditkarte und sein Konto berühren.”

All das legt den Schluss nahe, dass die vernetzte Menschheit auch finanziell häufiger aktiv ist als frühere Generationen: “Es muss irgendwo eine Korrelation geben, aber die ist sehr schwer herzustellen”, sagte Wintergerst. “Wenn nichts rückläufig ist, bedeutet das von der Tendenz her, dass die Anzahl der Transaktionen weltweit steigt. Das wiederum ist ein Indikator, dass es den Menschen nicht unbedingt schlechter geht.”

Der jüngste Großauftrag für Giesecke & Devrient kommt von der ägyptischen Zentralbank: “In Ägypten bauen wir eine vollständig neue Infrastruktur, für die Herstellung des Bargelds, Lagerung, Zirkulation, Überprüfung und Vernichtung einschließlich der Cyber-Absicherung”, sagte Wintergerst.

Das Münchner Unternehmen will sich aber nicht nur auf die Banknoten- und Geldkartenproduktion verlassen. Produkte für die Cybersicherheit – dazu zählen unter anderem Biometrie, sichere Authentifizierung und Verschlüsselungstechnologie – sollen ein wichtiges Standbein des Unternehmens werden. “2015 hatten wir 15 Milliarden vernetzte Geräte auf der Welt, nach einer Prognose von Ericsson werden es im Jahr 2021 schon 28 Milliarden sein”, sagte der G&D-Vorstandschef.

“Je mehr vernetzt wird, umso größer die Gefahr, dass da jemand reinhackt. Das Segment Cybersicherheit wird auf jeden Fall deutlich ansteigen.” Der in diesem Geschäftsgebiet tätige Teilkonzern Secunet habe 2017 einen Umsatzzuwachs von knapp 37 Prozent hingelegt, von 115 auf knapp 160 Millionen Euro. “Das war mehr, als wir erwartet hatten.”

Von: APA/dpa

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

15 Kommentare auf "Das Bargeld stirbt trotz Digitalisierung nicht aus"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
Aurelius
Aurelius
Tratscher
19 Tage 7 h

nur bares ist wahres…dieser Spruch ist und bleibt zeitlos und ist der einzige schutz für den kleinen Mann…

Boerni
Boerni
Grünschnabel
19 Tage 7 h

genau so ist es

Pork
Pork
Tratscher
18 Tage 20 h

Aurelius,
da schließe ich mich an, möchte nicht noch gläserner werden, als ich es eh schon bin.
Und freiwillig schon gar nicht.

hoffnung
hoffnung
Tratscher
19 Tage 7 h

Bargeld ist Freiheit für die Bürger. Wenn die Politik das nicht respektiert, dann wird die Politik verlieren – nicht das Bargeld!!!

witschi
witschi
Universalgelehrter
19 Tage 2 h

niemand muss wissn wofür ich mein geld ausgebe. deshalb bares

silas1100101
silas1100101
Superredner
19 Tage 1 h

Von dem vielen Bargeld habe ich leider nichts! Nicht mal einen Euro!! Das Geld wird wahrscheinlich nur für die reichen Leute gedruckt!!

peterle
peterle
Superredner
18 Tage 23 h

Er bekommt dann die volle übersicht und kann an der Steuerschraube drehen wie er will.

jet
jet
Grünschnabel
18 Tage 22 h

bisch du wirklich sou derartig bescheuert?o.muasch du des isch luschtig wos du schreibsch,I versteas nit….

efeu
efeu
Tratscher
18 Tage 1 h

silas
ich glaube sie haben die Taschen voll Geld ÷Sprichwort einen ploderer soll man etwas geben einen jammerer soll man etwas nehmen

Kurt
Kurt
Universalgelehrter
19 Tage 32 Min

ein richtiger Schritt hin zur Bekämpfung von Schwarzmarkt u Steuerhinterziehung wärs allemal, doch leider ist die Verstrickung im Stiefel viel zu groß😊

Andreas
Andreas
Superredner
19 Tage 1 h

wos tat a italien ohne bares? mit a steig epfel isch isch holt a kuaner zufrieden

silas1100101
silas1100101
Superredner
18 Tage 23 h

Mit einer Kiste Äpfel bin ich zufrieden!! Da habe ich einige Tage was zu essen!!

Andreas
Andreas
Superredner
18 Tage 13 h

@silas1100101 wou geaschen um? nor bring i fir woll a mol uane vorbei!

traktor
traktor
Universalgelehrter
19 Tage 1 h

natürlich wird geld gedruckt…
viele scheine= wenig wert der scheine.
wie soll uns der staat ohne gelddrucken “enteignen”

berthu
berthu
Tratscher
18 Tage 13 h

Außer zum Ersatz von Verschleiß, ist die große Menge von ‘jetzt gedrucktem Geld’ nur dazu da, um mit Gratisgeld Einfluß auf die Wirtschaftslage zu nehmen. Man versteckt somit Schulden, die sonst sehr schnell “Feuer verbreiten würden”
Das Geld ist nur mehr “Spielgeld”, hat mit Sicherheit, Sparschatz und solchen Werten immer weniger zu tun. Es ist mehr und mehr zu einer Waffe des Einflusses geworden.

wpDiscuz