lvh-Sommergespräch

“Das Handwerk sind wir”

Freitag, 17. Juli 2015 | 18:56 Uhr

Bozen – Tradition versus Innovation? Jung oder Alt? Familie als Alternative zum Beruf? Oder lässt sich doch alles unter einen Hut bringen? Beim lvh-Sommergespräch versammelten sich Frauen im Handwerk, Jung- und Althandwerker um einen Tisch, um über Innovation, die Herausforderungen im Arbeitsalltag und den richtigen Weg in die Zukunft zu diskutieren. Dabei zeigte sich eines: Gerade die Vielfältigkeit des Südtiroler Handwerks ist dessen Stärke.

„Das Südtiroler Handwerk steht für Tradition und Kontinuität, für Vertrauen, Leidenschaft, aber auch für Mut zu Neuem und Innovationen.“ Diese lobenden und anerkennenden Worte fand die Kammerabgeordnete Renate Gebhard beim heutigen Sommergespräch des Wirtschaftsverbandes für Handwerk und Dienstleister (lvh).

Obwohl es sich um die erste Veranstaltung dieser Art im Hause des Handwerks handelte, waren die Themen alles andere als einfache Sommerkost: Unter dem Motto „Das Handwerk sind wir!“ tauschten die Vertreter der Jung- und Althandwerker und der Frauen im Handwerk ihre Meinungen über Themen wie Arbeit, Qualität und Innovation aus.

Jahrzehntelang arbeitete Johann Zöggeler, Landesvorsitzender der lvh-Althandwerker, als Maurer und war einer jener unzähligen Männer und Frauen, die das Handwerk und die Wirtschaft in Südtirol prägten. „Tradition, Qualität und Ausdauer wurden seit jeher groß geschrieben“, erinnert Zöggeler sich. „Gerade deshalb haben wir uns in all diesen Jahren, bei guter als auch bei schlechter Wirtschaftslage, immer wieder behaupten können. Nun gilt es, unsere Erfahrung an die Jugend weiterzugeben und ihnen, wo wir können und wo wir gefragt sind, mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.“

Wie wichtig Werte wie Verlässlichkeit, Verantwortungsbewusstsein und Bodenständigkeit für einen Nachwuchshandwerker sind, weiß auch Margit Schwärzer, Ausschussmitglied der Junghandwerker im lvh. „Die vorherigen Generationen haben uns alle nötigen Werte mit auf den Weg gegeben. Nun liegt es an uns, das Südtiroler Handwerk weiter zu gestalten und an die Anforderungen der Zeit anzupassen“, betont Margit Schwärzer. Nach wie vor leide das Ansehen des Handwerks in der Gesellschaft, bedauert die junge Schlosserin: „Das Image muss gesteigert werden. Nicht nur den Jugendlichen selbst, sondern auch den Eltern und Lehrpersonen muss man den Wert eines Handwerksberufes wieder näherbringen: Er ist einerseits traditionell, andererseits aber auch innovativ und zukunftsführend. Er bietet die Chance zur Selbstverwirklichung und zum Aufstieg. Es soll endlich wieder cool sein, einen Handwerksberuf zu erlernen“, wünscht sich Margit Schwärzer.

Vor besonderen Herausforderungen stehen auch die Frauen im Handwerk, weiß die Landesvorsitzende der Frauen im lvh, Marlies Dabringer: „In punkto Krankenschutz und Rentenversicherung gilt es, sich für die selbstständige Frau immer wieder stark zu machen. Besonderes Augenmerk muss man in Zukunft auf eine bessere Vorsorge bei Krankheit, Mutterschaft, Arbeitsausfall und auf eine sichere Rente legen.“ Konkret denkt Dabringer dabei beispielsweise an den Nachkauf der Kinderjahre für die Rente zu einem sozial verträglichen Preis. Zusätzliche absetzbare Absicherungen für Krankheit und Mutterschutz werden in Zukunft nötig sein. „Vor allem müssen wir es als Aufgabe betrachten, uns für eine gute Absicherung unserer Jugend einzusetzen, sie sind die Zukunftsträger der Südtiroler Wirtschaft und Gesellschaft“, betont sie. Eine schwer einschätzbare Wirtschaftslage, ausufernde Bürokratie und komplizierte gesetzliche Anforderungen gestalten ein Unternehmerleben alles andere als einfach. „Überzeugen kann man am Ende mit Durchhaltevermögen, Qualität und Kompetenz“, betont Marlies Dabringer. „Doch dafür braucht es auch Freude an neuen Herausforderungen, Begeisterung und die Bereitschaft für lebenslanges Lernen.“

Von: ©lu

Bezirk: Bozen