FabLab & 3D-Druck: Instrumente einer neuen Nachhaltigkeit

Den Planeten schonen, Geschäftsmöglichkeiten eröffnen

Dienstag, 09. Juni 2015 | 17:54 Uhr

Bozen – „Wenn wir ein Barrel Öl verbrauchen, um ein Barrel Öl zu fördern, machen wir etwas falsch.“ Professor Wolfgang Heckl, Generaldirektor des Deutschen Museums in München machte es in seinem Vortrag am Freitag, 5. Juni 2015, im TIS innovation park klar: wenn wir wieder lernen Dinge zu reparieren, können wir aus dem Teufelskreis von Ressourcenverschwendung und Kohlendioxidüberproduktion ausbrechen. Heckl referierte im Rahmen der Veranstaltung „60 minutes for… Repairing & Making“, die vom Zentrum für Freie Software & Offene Technologien und vom Zentrum für Produktentwicklung & Neue Technologien des TIS organisiert wurde. Zweiter Referent des Abends war Alessandro Ranellucci aus Rom.

Für die Förderung einer neuen Reparaturkultur sprächen, laut Heckl, aber nicht nur Ressourcen-Überlegungen – auch analytisches Denken und technisches Verständnis würden durch das Reparieren kaputter Konsumgüter geschult.

Von Bozen zum G7-Gipflel

„Das Reparieren ist daher vor allem für junge Menschen eine gute Übung, Dinge wie Problemanalyse und strukturierte Problemlösung zu lernen“, so Heckl, der nach seinem Vortrag übrigens zum G7-Gipfel weiterreiste, wo er vor Barrack Obama, James Cameron, Matteo Renzi & Co. auf Einladung von Bundeskanzlerin Angela Merkel referierte.

Schließlich und endlich bedeute das Reparieren, so Heckl, auch eine Quelle großer Zufriedenheit, wenn einem die Reparatur gelänge. „Reparieren macht unabhängig und glücklich und ist damit ein Beitrag zu einer glücklicheren und selbstbestimmteren Lebensführung“, so Heckl.

Kinderwagen-Ersatzteile und Zahnriemen aus dem 3D-Drucker

Alessandro Ranellucci, Software-Entwickler und Protagonist der italienischen Maker-Szene, unterstrich in seinem Vortrag dann die potenziellen Business-Möglichkeiten, die durch das Reparieren oder Umbauen defekter Produkte entstünden. Speziell 3D-Drucker seien ein wichtiges Instrument beim Wiederbeleben kaputter Produkte oder beim Schaffen neuer Produkte aus alten Konsumgütern.

Durch das Ausdrucken eines kaputtgegangenen Kunststoffteils eines Kinderwagens konnte dieser beispielsweise wieder in Betrieb genommen werden, anstatt weggeworfen zu werden. Auch ein alter Olivetti-Computer aus den 70er-Jahren verrichtet nun wieder seinen Dienst, weil ein fehlendender Zahnriemen einfach ausgedruckt werden konnte. Ohne 3D-Drucker hätte der Zahnriemen aus den USA zugeschickt werden müssen, was – unabhängig von der Wartezeit – auch unnötige Transportwege und damit übermäßige Kohlendioxidproduktion bedeutet hätte.

Handprothese aus dem Fablab

Auch für medizinische Zwecke sei 3D-Druck eine zukunftsweisende Technologie, so Ranellucci. Prothesenteile könnten beispielweise jetzt schon gedruckt werden. Und Ranellucci erzählte die Geschichte eines französischen Jugendlichen, der nach einem Unfall, bei der er seine Hand verlor, in tiefe Depressionen verfallen sei, eher er sich an ein FabLab in der Nähe wandte und sich dort seine Hand rekonstruierte und nun über eine selbstentwickelte und selbstgebastelte Hand verfüge, die ihm ein großes Stück Lebensqualität zurückgegeben hätte.

Unisono wünschten sich Heckl und Ranellucci, dass in Bozen endlich ein Repair-Cafè entstehe und Walter Weissensteiner, der Leiter des FabLabs im TIS innovation park versprach, die entsprechenden Maßnahmen zu ergreifen, damit das erste Bozner Repair-Cafè noch in diesem Jahr Realität werde. Diese Art von Nachhaltigkeitsdenken, so Heckl und Ranellucci, sei zukunftsfähig. Sie schone Ressourcen und eröffne neue Business-Möglichkeiten, die der Planet Erde auch in 40 Jahren noch aushalten könne. „Denn“, so Wolfgang Heckl, „wir haben keinen Plan B für die Erde, weil wir keinen Planeten B haben.“

Von: ©lu

Bezirk: Bozen