Fleisch und Würste sind oft im Angebot.

Deutsche Agrarministerin kritisiert Billigangebote im Handel

Sonntag, 22. August 2021 | 12:43 Uhr

Die deutsche Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat sich gegen massiven Kostendruck auf die Landwirtschaft durch einen weiteren Preiskampf mit Billigangeboten im Handel gewandt. “Wir hatten noch nie ein solches Bewusstsein und eine so intensive Diskussion über Lebensmittelpreise, speziell für Fleisch”, sagte die CDU-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur.

“Meine Erwartung an den Handel ist klar: Fleisch sollte über die Qualität, das Tierwohl oder die Herkunft, nicht über den niedrigsten Preis beworben werden.” Die Landwirte seien einem Preiskampf ausgesetzt, “den auch wir Verbraucher mitunter stark beeinflussen”, erläuterte Klöckner. “Damit ein Landwirt über die Runden kommt, geht es häufig nur noch über die Menge.” Daher sei ihr Petitum auch an die Verbraucher: “Lieber weniger, dafür höherwertiges Fleisch.” Das Glück von Landwirten liege nicht darin, Tausendermarken an Tieren zu erreichen. “Bestände können auch kleiner sein, wenn Betriebe für die Einhaltung höherer Standards ordentlich entlohnt werden und es sich rechnet.”

Die Ministerin betonte, bei Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft gehe es schon lange nicht mehr um die Frage: Bio oder nicht bio? “Wir wollen das Gegeneinander von konventionell und ökologisch auflösen. Bei den Landwirten selbst ist diese ideologische Konfrontation längst überholt.” Die Zukunft werde “eine Art Hybrid-Landwirtschaft” sein. Bio sei nachhaltig, aber nicht so effizient. Für einen vergleichbaren Ertrag würden mehr Ressourcen und Boden gebraucht. “Die konventionelle Landwirtschaft ist effizient, muss aber nachhaltiger werden. Beide wollen voneinander lernen und tun das auch schon.”

Ein hilfreiches Instrument dabei sei die Digitalisierung, sagte Klöckner. “Zum Beispiel Robotik zur mechanischen Unkrautbekämpfung. Denn auch Öko-Landwirte finden oft kein Personal.”

Auch die Frage, welche externen Kosten man in Lebensmittelpreise einrechne, sei nicht banal. “Ein Apfel vom Bodensee, den man direkt vor Ort kauft, hat niedrigere externe Kosten als der Apfel vom Baum daneben, der einige Wochen gekühlt und dann per Transporter nach Berlin gefahren wird.”

Aus Sicht eines Sprechers der Verbraucherorganisation Foodwach wälzt die Ministerin die Verantwortung an die Verbraucher ab. Es genüge nicht, dazu aufzurufen, mehr Geld für Fleisch auszugeben. “Der Fleischpreis im Supermarkt sagt leider wenig darüber aus, wie gesund die Tiere gehalten wurden oder wieviel Geld bei den Landwirten ankommt”, sagte der Foodwatch-Sprecher. Stattdessen müsse sich Klöckner dafür einsetzen, “dass es strenge Tierschutzstandards gibt und die Landwirte nicht länger einem ruinösen Preiskampf ausgeliefert sind”.

Auch die österreichische Landwirtschafts- und Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) forderte in der Vergangenheit mehrfach einen deutlich höheren Fleischpreis. “Fleisch müsste eigentlich um ein Drittel teurer sein, nur so können die Bauern vernünftig wirtschaften”, sagte Köstinger zuletzt im Mai. Aber der Handel drücke die Preise, dies müsse sich ändern.

Von: APA/dpa

Kommentare

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6 Kommentare auf "Deutsche Agrarministerin kritisiert Billigangebote im Handel"


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DontbealooserbeaSchmuser
27 Tage 6 h

Die deutsche Agrarministerin hat überhaupt nichts zu kritisieren, sie steht selbst in der Kritik das Billigfleisch erst durch ihre absurden Regelungen zu ermöglichen:
https://youtu.be/84hm1iDtF3U

pfaelzerwald
pfaelzerwald
Universalgelehrter
24 Tage 12 h

@dontbe…
schuld seid eigentlich ihr Deutschen, weil es euch nicht billig genug sein kann. Nach eurer Auffassung sollte das Essen nicht gut, sonddrn billig sein.

Babuschka
Babuschka
Neuling
26 Tage 14 h

Leider garantiert teures Fleisch no koan Tierwohl, deswegen wars von mir aus wichtiger, weniger Fleisch zu essen oder gonz drauf zu verzichten.
Wenn mir inser Essen selber töten miassetn, tat eh kaum mehr oaner Fleisch essen.

pfaelzerwald
pfaelzerwald
Universalgelehrter
24 Tage 12 h

@babuschka
da ist was dran.

Entequatch
Entequatch
Tratscher
26 Tage 11 h

Eine mögliche Lösung wäre Importe vom Fleisch und Tiere aus nicht EULänder zu verbieten.

Chriss
Chriss
Grünschnabel
26 Tage 10 h

Schlage vor das weniger Soja importiert wird und nur mehr so viele Tiere gehalten werden dürfen wie auch Futter vor Ort vorhanden ist.
Deutschland hat 2020 3,87 Millionen Tonnen Soja importiert, und das meiste wurde an Nutztiere verfüttert.

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