Erstmals gab es keine Proteste zur heutigen HV der Bank

Deutsche-Bank-Chef: Fokus liegt auf Konzernumbau

Donnerstag, 27. Mai 2021 | 11:58 Uhr

Für die Deutsche Bank stehen Fusionen oder Übernahmen derzeit nicht an erster Stelle. “Unser Hauptaugenmerk ist und bleibt die erfolgreiche Umsetzung unserer Transformation bis 2022”, sagte Bankchef Christian Sewing bei der virtuellen Hauptversammlung auf die Frage eines Aktionärs, ob in den kommenden fünf Jahren ein erneuter Anlauf für eine Fusion mit der Commerzbank zu erwarten sei. Ein solcher Plan wurde im Frühjahr 2019 nach einer mehrwöchigen Prüfung begraben.

Wichtig sei, dass eine mögliche Transaktion in der Zukunft aus finanzieller Sicht attraktiv sei für die Aktionäre, fügte Sewing hinzu. Die Deutsche Bank steckt derzeit noch in einem Konzernumbau, dem weltweit 18.000 Jobs zum Opfer fallen.

Zum ersten Mal seit Jahren sind zur heutigen Hauptversammlung der Deutschen Bank Protestaktionen ausgeblieben. Beim Ordnungsamt Frankfurt sei keine Demonstration angemeldet worden, sagte ein Sprecher der Behörde am Donnerstag. In den vergangenen Jahren hatten Globalisierungskritiker und Klimaaktivisten stets zu großen Protesten bei dem Aktionärstreffen aufgerufen. Selbst 2020, als wegen der Coronapandemie Menschenansammlungen verboten waren und die Hauptversammlung virtuell stattfand, hatten sich Demonstranten von Attac vor den Zwillingstürmen der Deutschen Bank versammelt.

Auch heuer findet das Aktionärstreffen nur virtuell statt und nicht wie sonst üblich in der Frankfurter Festhalle. Großinvestoren wie die Fondsgesellschaften Deka und Union Investment haben sich grundsätzlich hinter die Strategie von Bankchef Christian Sewing gestellt, kritisieren allerdings die Bonus-Zahlungen für das vergangene Jahr sowie die nach wie vor mangelhafte Geldwäsche-Kontrolle.

“Die variablen Vergütungen sind 2020 um 29 Prozent gestiegen. Das ist zu viel in einem Jahr, in dem die Bank gerade einmal eine Milliarde Euro vor Steuern verdient hat”, kritisierte Andreas Thomae von Deka Investment. “Die Bank hat sich operativ deutlich verbessert, aber die Auszahlung der Boni sollte sich am tatsächlich erwirtschafteten Gewinn orientieren und kein Vorschuss auf die Zukunft sein.”

Es gebe bei der Deutschen Bank seit Jahren “ein eklatantes Missverhältnis zwischen Boni und Dividenden”, bemängelte Alexandra Annecke, Fondsmanagerin bei Union Investment. “Auch der Vorstand der Deutschen Bank wird im Vergleich zu anderen europäischen Banken überdurchschnittlich entlohnt, während die Profitabilität unterdurchschnittlich ist.”

Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Paul Achleitner sagte bei der Eröffnung des Treffens, der 2019 gestartete Umbau der Bank zahle sich nun aus. “Die Deutsche Bank hat aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt.” Das Institut sei auf nachhaltige Gewinne ausgerichtet und werde die Aktionäre wieder am Erfolg teilhaben lassen.

Von: APA/Reuters/dpa