Bonuszahlungen trotz massiver Verluste

Deutsche Bank zahlt 2,3 Milliarden Boni trotz Verlusts

Freitag, 16. März 2018 | 10:03 Uhr

Die Deutsche Bank zahlt ihren Mitarbeitern ungeachtet des dritten Jahresverlusts in Folge wieder Mrd.-Boni. Die Aktionäre müssen sich hingegen abermals mit einer Mini-Dividende zufriedengeben. Während das Personal laut Geschäftsbericht knapp 2,3 Mrd. Euro an variabler Vergütung bekommt, schüttet das Geldhaus an seine Anteilseigner rund 230 Mio. Euro aus.

Das ist ein Zehntel des Betrages, der hauptsächlich in die Taschen der Investmentbanker unter den rund 97.000 Beschäftigten fließt. Wie aus dem am Freitag veröffentlichten Geschäftsbericht der größten deutschen Bank hervorgeht, soll die Dividende 11 Cent je Anteilsschein betragen, nach 19 Cent im Vorjahr.

Der Bonus für die Mitarbeiter erreicht nach 546 Mio. Euro für 2016 fast wieder die 2,4 Mrd. Euro, die das Geldhaus 2015 ungeachtet eines Milliardenverlustes verteilte. Das Top-Management bekommt wegen des Verlusts von einer halben Milliarde Euro für 2017 keinen Bonus. Der Vorstand hatte bereits in den vergangenen beiden Jahren Nullrunden bei den Boni eingelegt.

Wie die Bank weiter mitteilte, fiel der Verlust im vergangenen Jahr mit 735 Mio. Euro sogar noch höher aus als die Anfang Februar auf Basis vorläufiger Zahlen berichteten knapp 500 Mio. Euro. Grund dafür sind Steueransprüche in Großbritannien, die erst in der Zwischenzeit berücksichtigt wurden. Sie kommen zusätzlich zu einem massiven Effekt durch die kurz vor Weihnachten verabschiedete US-Steuerreform, der die Bank unter dem Strich in die roten Zahlen gedrückt hatte.

Vor Steuern hatte das Institut im vergangenen Jahr zwar 1,2 Mrd. Euro verdient. Eine einmalige Belastung von rund 1,4 Milliarden Euro infolge der US-Steuerreform drückte den Dax-Konzern unter dem Strich aber erneut in die roten Zahlen. 2016 betrug der Verlust 810 Mio. Euro, mehr als 6 Mrd. Euro minus waren es 2015.

Vorstandschef John Cryan bezog 2017 ein Grundgehalt von 3,4 Mio. Euro. Das waren um 400.000 Euro weniger als im Jahr davor. Schuld an der Einbuße ist eine Änderung der Vergütungsregeln. Cryan gehört damit beileibe nicht zu den Spitzenverdienern unter den Top-Managern der großen deutschen Konzerne, deren Rangliste von SAP-Chef Bill McDermott angeführt wird, der 21,8 Mio. Euro ausgezahlt bekam.

Cryan bekräftigte im Geschäftsbericht das Ziel, dass die Bank 2018 unter dem Strich wieder Gewinne schreibt und den Aktionären wieder eine höhere Dividende zahlt. Mit konkreten Prognosen hielt sich der Brite zwar zurück, erklärte aber, das Marktumfeld für die Deutsche Bank habe sich zuletzt verbessert. Dies dürfte unter anderem daran liegen, dass die Schwankungen an den Finanzmärkten zugenommen haben, wovon die im Anleihenhandel starke Deutsche Bank profitieren müsste. Ihre Zwischenbilanz für das erste Quartal – traditionell besonders wichtig für die Branche – veröffentlicht das Institut Ende April.

Von: APA/ag.