Kritik der Bauern an der "Dauerniedrigpreiskultur"

Deutsche Bauern mit Mio.-Angebot von Lidl nicht zufrieden

Freitag, 04. Dezember 2020 | 13:19 Uhr

Nach heftigen Bauernprotesten gegen die Preispolitik des Einzelhandels in Deutschland will der Betreiber der Handelsketten Lidl und Kaufland (Schwarz-Gruppe) 50 Mio. Euro für Landwirte bereitstellen. Denen ist das allerdings nicht genug. “So ein Trostpflaster reicht bei weitem nicht aus, um die grundsätzlichen Probleme zwischen Landwirtschaft und dem gesamten Lebensmitteleinzelhandel zu lösen”, sagte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, am Freitag.

Das Angebot sei zwar eine nette Geste. “Aber wegen des andauernden Preiskampfs verlieren unsere Bauern diesen Betrag fast wöchentlich”, meinte er. Notwendig sei eine “grundlegende Veränderung in der Zusammenarbeit” zwischen den Bauern und dem Handel.

Die Schwarz-Gruppe hatte am Donnerstagabend im Anschluss an eine “Dringlichkeitsgipfel” mit den Spitzen des Handels und der Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) angekündigt, im Laufe des kommenden Jahres über die Initiative Tierwohl 50 Millionen Euro zur Unterstützung ihrer Landwirte zur Verfügung zu stellen. Damit sollen insbesondere die durch die Coronapandemie und die Afrikanische Schweinepest verursachten Schwierigkeiten im Markt abgefedert werden. Das Unternehmen komme damit der Anfang der Woche gegebenen Zusage nach, pragmatische und schnelle Hilfen für Landwirte zu leisten, hieß es in Neckarsulm.

Der Bauernverband sah in dem Angebot aber nicht mehr als ein Trostpflaster. Um den Landwirten dauerhaft zu helfen, sei eine klare Selbstverpflichtung des Handels zum Ausstieg aus der “Dauerniedrigpreiskultur” notwendig. Außerdem dürfe das Kartellrecht Landwirte und ihre Vermarkter nicht länger daran hindern, Gegengewichte zum Handel zu bilden, betonte der Verband. Darüber hinaus forderten die Bauern unter anderem eine angemessene Bezahlung für höhere Qualitätsstandards und eine Förderung der heimischen Landwirtschaft in der Einkaufspolitik.

Protestierende Bauern hatten in den vergangenen Wochen immer wieder die Lager verschiedener Händler mit Traktoren blockiert, um der Forderung nach besseren Preisen Nachdruck zu verleihen. Die Probleme der Landwirte sind allerdings nicht nur auf die Preispolitik des Handels zurückzuführen. Ein wichtiger Faktor für den aktuellen Einbruch der Schweinefleisch-Preise etwa ist der deutliche Rückgang der Fleischexporte infolge der Afrikanischen Schweinepest.

Von: APA/dpa

Kommentare

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8 Kommentare auf "Deutsche Bauern mit Mio.-Angebot von Lidl nicht zufrieden"


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bern
bern
Universalgelehrter
1 Monat 11 Tage

Würde Deutschland kein Palmöl importieren, bräuchte es dort doppelt so viele Kühe wie derzeit vorhanden. Alle Probleme der deutschen Landwirtschaft wären gelöst und viel Regenwald gerettet!

Hustinettenbaer
Hustinettenbaer
Universalgelehrter
1 Monat 11 Tage

Wenn man aus dem einen Hamsterrad raus ist, ist schon wieder das nächste da. Palmöl ist billig, deshalb ist es ja Bestandteil in so vielen Produkten. In Kosmetika, Lebensmitteln…
Die Einsatzpalette hat Butter/Rindertalg nicht. Und wohin mit den Kühen und der Gülle. Da braucht´s mehr Weiden, Regen, Ställe und Biogasanlagen.
Also müssen wir unser Konsumverhalten ändern. Wie schwer es fällt, Angewohnheiten zu ändern sieht man ja gerade. Ein zähes Ringen.

bern
bern
Universalgelehrter
1 Monat 10 Tage

@hustinettenbär
die Ställe gibt es bereits….viele Bauern haben alle Kühe zum Metzger gebracht, ansonsten wäre die Pleite gekommen.
In Butterkeksen ist oft keine Butter mehr drin….lieber ungesundes Palmöl, weil mehr Profit für die Hersteller.
Auch die lokalen Bäcker in Südtirol verwenden Palmöl für ihre Weihnachtskekse. Aber über die Brasilianer schimpfen, die den Regenwald abholzen.

Ars Vivendi
1 Monat 10 Tage

@bern…im Leberkäs’ ist auch weder Leber noch Käse. Ist einfach eine falsche sprachliche Deutung. Und übrigens, Zitronenfalter falten auch keine Zitronen..🤣🤣🤣🤣

Zugspitze947
1 Monat 10 Tage

bern :ein Dümmeres Argument fällt dir wohl NICHT ein ? Man weiss jetzt schon nicht wohin mit der GÜLLE =also mehr Kühe sind garantiert die Falsche Lösung 🙁

Neumi
Neumi
Kinig
1 Monat 11 Tage

… die beispiellose Überproduktion hilft auch nicht.

bern
bern
Universalgelehrter
1 Monat 10 Tage

Ohne Palmöl gäbe es keine Überproduktion sondern zu wenig Milch.

Neumi
Neumi
Kinig
1 Monat 7 Tage

Erinnerst du dich noch an den Butterberg?

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