Hohe Energiepreise heizen Inflation in Deutschland kräftig an

Deutsche Jahresinflation steigt auf höchsten Stand seit 1993

Donnerstag, 06. Januar 2022 | 14:31 Uhr

Das Leben in Deutschland hat sich im vergangenen Jahr sprunghaft verteuert. Kräftig gestiegene Energiepreise, Lieferengpässe sowie die Rücknahme der zeitweisen Mehrwertsteuersenkung trieben die Jahresinflation nach einer ersten Schätzung des Statistischen Bundesamtes auf 3,1 Prozent. Einen stärkeren Anstieg der Verbraucherpreise hatte die deutsche Behörde im Jahresschnitt zuletzt 1993 mit damals 4,5 Prozent gemessen.

Im ersten Coronakrisenjahr 2020 lag die Jahresteuerung noch bei 0,5 Prozent. Eine höhere Inflation schwächt die Kaufkraft von Verbrauchern, weil sie sich für einen Euro dann weniger kaufen können als zuvor. Besonders hart trifft es Ökonomen zufolge ärmere Haushalte. Denn sie müssen einen großen Teil ihres Einkommens für lebensnotwendige Güter wie Wohnen oder Lebensmittel aufwenden.

Das deutsche Bauministerium arbeitet derzeit daran, dass Bezieher von Wohngeld im Sommer einen erhöhten Zuschuss zu den Heizkosten bekommen – rechtzeitig zur Nebenkostenabrechnung mit den Kosten für den Winter. Auch für Sparer sind steigende Teuerungsraten bitter. Mickrig verzinste Sparguthaben verlieren dadurch unter dem Strich an Wert.

Im Dezember 2021 stiegen die Verbraucherpreise der Schätzung zufolge zum Vorjahresmonat um 5,3 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Im November hatte die monatlich gemessene Inflationsrate erstmals seit dem Wiedervereinigungsboom Anfang der 1990er Jahre mit 5,2 Prozent wieder die Marke von 5 Prozent übersprungen.

Angeheizt wurde die Teuerung in Europas größter Volkswirtschaft im vergangenen Jahr vor allem von rasant gestiegenen Energiepreisen im Zuge der weltweiten Konjunkturerholung nach der Coronakrise 2020.

Zugleich schlug die Rücknahme der vorübergehenden Mehrwertsteuersenkung durch: Seit Jänner 2021 gelten wieder die regulären Steuersätze, Waren und Dienstleistungen wurden im Jahresvergleich also tendenziell teurer. Hinzu kamen Materialmangel und Lieferengpässe sowie die Einführung der CO2-Abgabe Anfang 2021 von 25 Euro je Tonne Kohlendioxid, das beim Verbrennen von Diesel, Benzin, Heizöl und Erdgas entsteht. Seit Beginn des laufenden Jahres werden 30 Euro je Tonne fällig.

Nach Einschätzung von Ökonomen könnte es etwas länger dauern, ehe die vergleichsweise hohen Teuerungsraten wieder sinken. Sie rechnen auch im Gesamtjahr 2022 mit einer Drei vor dem Komma bei der Jahresinflationsrate. Zwar entfällt der Mehrwertsteuereffekt, Wirtschaftsforschungsinstitute wie das Ifo-Institut und das Institut für Weltwirtschaft verweisen aber auf anhaltende Lieferengpässe, die Herstellungskosten erhöhen.

Auch der Energiepreisanstieg dürfte die Inflation zunächst weiter anheizen. “Die stark gestiegenen Erdgaspreise dürften aufgrund vielfach vorhandener langfristiger Verträge mit den Gasversorgern erst zu Beginn des Jahres 2022 die Verbraucher erreichen”, argumentiert das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle.

Die Inflation ist ein wichtiger Gradmesser für die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Notenbank strebt für den Währungsraum der 19 Länder eine jährliche Teuerungsrate von 2 Prozent an und ist zumindest zeitweise bereit, ein moderates Über- oder Unterschreiten dieser Marke zu akzeptieren.

Auch nach Einschätzung der Währungshüter müssen die Verbraucher im Euroraum noch eine Weile mit höheren Teuerungsraten leben. Die Inflation werde eine gewisse Zeit lang hoch sein, aber im Laufe des Jahres 2022 zurückgehen, sagte EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel jüngst in einem Interview: “Weniger sicher sind wir uns darüber, wie schnell und wie stark der Rückgang sein wird.”

Von: APA/dpa

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

5 Kommentare auf "Deutsche Jahresinflation steigt auf höchsten Stand seit 1993"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
Andreas1234567
Andreas1234567
Universalgelehrter
16 Tage 11 h

Hallo aus D,

es schnürt denen die Kehle zu denen jeglicher finanzieller Spielraum fehlt.

Selbst habe vor einigen Jahren schon den kompletten Haushalt auf LED-Leuchten umgestellt, das hat sich massiv in der Jahresrechnung bemerkbar gemacht.
Einstandskosten beliefen sich auf mehrere hundert Euro, die haben sich amortisiert.

Viele haben eben nicht die Möglichkeit “mal eben” einige hundert bis tausend Euro in modernste Energiespargeräte zu stecken obwohl sich das in einigen Jahren rechnen würde.

Eine Stufe drüber pflastert sich der Millionär sein Villa-Dach mit Solarthermie und fährt in Zukunft seinen geförderten Elektro-SUV komplett gratis.

So eine unsoziale Zwickmühle hat noch nie zu etwas Gutem geführt.

Gruss aus D

Offline1
Offline1
Universalgelehrter
15 Tage 15 h

Hallo Andreas, ich bin nicht so drin in der Energiepolitik Deutschlands 😉. Könntest du mir noch erklären, wer Dafür und damit die massiv steigenden Preise verantwortlich ist ??

Zugspitze947
14 Tage 17 h

Also die Ingflation in Deutschland ist im Jahresschnitt auf 3,1 % immer noch wesentlich niederiger als in Italia da liegt sie über 4 % !!!!👌☺😜 Dass die Energiepreise so stark steigen ist der neuen CO 2 Steuer und dem gierigen Putin zuzschreiben ! Darum sollte man versuchen so schnell wie möglich vom Gas weg zu kommen um Putin trocken zu legen,denn nirgendwo bekommt er so einen hohen Preis wie in der EU !  👌😡

Offline1
Offline1
Universalgelehrter
14 Tage 9 h

@Zugspitze947…Guten Abend, es soll ja wohl eine Kompensation für die CO2 Steuer eingeführt werden. Mir wäre, für meine Kinder, auch eine größere Unabhängigkeit von russischem Gas lieber. Allerdings sehe ich keine lückenfüllenden Alternativen. Und auch die Vorräte an Brennholz und Kerzen gehen irgendwann zur Neige….

Zugspitze947
12 Tage 16 h

@Offline1 Also Brennholz müsste es genug geben ,denn man bräuchte nur mal die Wälder wieder ordentlich aufzuräumen. Die Unabhängigkeit von Putin brauchen wir auf jeden Fall,denn dann kann er schon weniger Atomraketen und sonstigen Militärschrott Bauen !  Wie ist dein Vorname ? Gruß Hermann 🙂

wpDiscuz