Warnstreik der IG Metall in den Kölner Ford-Werken

Deutsche Metaller-Warnstreiks treffen Autoindustrie

Donnerstag, 01. Februar 2018 | 19:57 Uhr

Im Tarifstreit in der deutschen Metall- und Elektroindustrie wollen sich Arbeitgeber und Gewerkschaft im Südwesten nach den Warnstreiks Anfang nächster Woche wieder an einen Tisch setzen. Die Verhandlungen könnten am nächsten Montag fortgesetzt werden, so Baden-Württembergs IG-Metall-Chef Roman Zitzelsberger am Donnerstag. Voraussetzung sei, dass die Arbeitgeber ihr Angebot deutlich nachbesserten.

Man habe vorsorglich schon mal in Stuttgart Räume für weitere Gespräche angemietet. Die Arbeitgeber zeigten sich offen für einen neuen Anlauf, nachdem die Verhandlungen am vergangenen Wochenende abgebrochen worden waren und die IG Metall erstmals zu 24-Stunden-Warnstreiks aufgerufen hatte.

“Wir stehen für Verhandlungen am Montag prinzipiell zur Verfügung”, sagte ein Sprecher von Südwestmetall. Auch Gesamtmetall-Präsident Rainer Dulger signalisierte in einem vorab veröffentlichten Interview mit dem “Handelsblatt” Gesprächsbereitschaft. “Wir wollen nicht, dass die Betriebe lange stillstehen und die Straßen voller roter Fahnen sind”, sagte Dulger. “Ich hoffe deshalb, dass wir so schnell wie möglich noch mal in gute Gespräche finden.”

Offen blieb, an welchen Stellen die Arbeitgeber den Forderungen der Gewerkschaft entgegenkommen könnten. Hinter den Kulissen werden aber offenbar schon Kompromisslinien ausgelotet. “Gehen Sie mal davon aus, dass man versucht, eine andere Ausgangsvoraussetzung als vergangenes Wochenende zu schaffen”, sagte eine mit den Gesprächen vertraute Person Reuters.

IG-Metall-Vize-Chefin Christiane Benner machte klar, dass die Arbeitgeber bei ihrem Angebot deutlich nachlegen müssten – beim Geld, beim Anspruch auf eine befristete Reduzierung der Arbeitszeit und beim Zuschuss für Kindererziehung, Pflege und Schichtarbeit. Nur dann sei eine Rückkehr an den Verhandlungstisch möglich. Der von der Gewerkschaft geforderte Teillohnausgleich ist Hauptstreitpunkt in der Tarifrunde und war mit ein Grund dafür, dass die Verhandlungen am vergangenen Wochenende abgebrochen wurden.

Arbeitgeber und Gewerkschaft hatten allerdings schon länger verabredet, auch nach einer Verschärfung der Warnstreiks noch einen Einigungsversuch zu unternehmen. Gesamtmetall ließ bereits Anfang Jänner erkennen, dass man trotz der weit auseinander liegenden Positionen bis Fasching auf eine Einigung hoffe.

Unterdessen weitete die IG Metall ihre Tagesstreiks aus, um den Druck auf die Arbeitgeber zu erhöhen. Am Donnerstag beteiligten sich nach Angaben der Gewerkschaft bundweit etwa 125.000 Beschäftigte in rund 100 Betrieben an ganztägigen Warnstreiks. Zu den bestreikten Unternehmen gehörten auch die Kölner Ford-Werke mit 17.000 Beschäftigten.

Bei Volkswagen, wo über einen Haustarifvertrag verhandelt wird, wurden nach Gewerkschaftsangaben die Werke in Wolfsburg, Emden, Salzburg, Braunschweig, Hannover und Kassel bestreikt. Allein im Wolfsburger Stammwerk nahmen 20.000 Beschäftigte an mehreren Veranstaltungen teil. Schwerpunkte der Tagesstreiks waren Baden-Württemberg mit 30.000 Beschäftigten. Nordrhein-Westfalen, wo die IG Metall 28.000 Streikende zählte, und Bayern, wo in 18 Betrieben mit 23.000 Beschäftigten die Bänder still standen. Auch an der Küste beteiligten sich Tausende Metaller an den Arbeitsniederlegungen.

Am Freitag sollen die Warnstreiks noch einmal gesteigert werden. “Wir sind morgen flächendeckend von Nord bis Süd betroffen von den angekündigten Streiks, über deren Legitimierung noch Diskussionen stattfinden”, sagte Daimler-Chef Dieter Zetsche in Stuttgart. Daimler produziere an der Kapazitätsgrenze, insofern sei ein Aufholen der ausgefallenen Produktion außerordentlich schwierig. Das sei nicht erquicklich, betonte Zetsche. Daher sei der Autobauer an einer Einigung interessiert.

Unterdessen wies das Arbeitsgericht Nürnberg nach Angaben der Gewerkschaft den Antrag des Zulieferers Kennametal aus Lichtenau auf eine einstweilige Verfügung gegen die ganztägigen Streiks als unbegründet ab. Am Mittwoch hatte bereits das Arbeitsgericht Krefeld einen solchen Antrag eines anderen Zulieferers nicht stattgegeben. Mit Beginn der Tagesstreiks am Mittwoch hatten die Arbeitgeber bundesweit bei mehreren Arbeitsgerichten Klagen gegen die Streiks eingereicht, die sie für unzulässig halten. Dabei verzichteten die Verbände auf Eilverfahren.

Sie wollen die ganztägigen Arbeitsniederlegungen untersagen lassen, weil sie die Forderung der IG Metall nach einem Teillohnausgleich für bestimmte Beschäftigungsgruppen für rechtswidrig halten. Bei einem Urteil wollen sie die Möglichkeit haben, wegen der Produktionsausfälle Schadensersatz zu fordern. Bundesweit will die IG Metall bis Freitag in mehr als 250 Betrieben aller Größen die Produktion lahmlegen. Neben der Fahrzeugindustrie sind auch Maschinen- und Anlagenbauer betroffen.

Von: APA/dpa