Verantwortlich sollen Probleme der Autoindustrie sein

Deutsche Wirtschaft schrumpft erstmals seit 2015

Mittwoch, 14. November 2018 | 10:29 Uhr

Die deutsche Wirtschaft ist zum ersten Mal seit dreieinhalb Jahren wieder geschrumpft. Belastet von schwächelnden Exporten und sinkenden Konsumausgaben der Verbraucher verringerte sich das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im dritten Quartal gegenüber dem Vorquartal um 0,2 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch in einer ersten Schätzung in Wiesbaden mitteilte.

Zum letzten Mal war die Wirtschaftsleistung im ersten Vierteljahr 2015 rückläufig. Damals war das BIP um 0,1 Prozent gesunken. Ökonomen gehen davon aus, dass sich der Aufschwung in Deutschland trotz des schwachen dritten Quartals fortsetzt.

Der Export dämpfte das Wachstum. Nach vorläufigen Berechnungen gab es im dritten Quartal 2018 weniger Ausfuhren, aber mehr Importe als im zweiten Quartal des Jahres. Die Exportnation Deutschland leidet zunehmend unter den vor allem von den USA angeheizten Handelskonflikten.

Schrammen hinterließen von Juli bis September Ökonomen zufolge auch die Schwierigkeiten in der Autoindustrie wegen der Umstellung auf den neuen Abgas-Prüfstandard WLTP. Weil nicht alle Auto-Modelle rechtzeitig eine Genehmigung für eine Neuzulassung hatten, mussten Hersteller die Produktion drosseln. “Die damit verbundenen zeitweisen Produktionsausfälle hinterließen tiefe Bremsspuren bei der industriellen Erzeugung”, erläuterten Bundesbank-Ökonomen im jüngsten Monatsbericht.

Der Privatkonsum fiel als Wachstumstreiber aus. Die Verbraucher konsumierten weniger als im Vorquartal. Die historisch gute Lage auf dem Arbeitsmarkt und Lohnzuwächse hatten in der Vergangenheit für Kauflaune der Verbraucher in Europas größter Volkswirtschaft gesorgt und die Konjunktur angetrieben.

Die Konsumausgaben des Staates, zu denen unter anderem soziale Sachleistungen und Gehälter der Mitarbeiter zählen, legten den Angaben zufolge leicht zu. Die Unternehmen investierten etwas mehr in Ausrüstungen, Bauten und sonstige Anlagen als im zweiten Quartal.

Aus Sicht von Ökonomen dürfte das weitere Wirtschaftswachstum an Stärke verlieren. Volkswirte, internationale Organisationen sowie die deutsche Regierung hatten zuletzt ihre Konjunkturprognosen gesenkt.

So rechnen beispielsweise die “Wirtschaftsweisen” inzwischen für heuer mit einem Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts von 1,6 Prozent und für 2019 von 1,5 Prozent. Etwas optimistischer ist die deutsche Regierung. Sie ging zuletzt von einem Plus von jeweils 1,8 Prozent aus. Im vergangenen Jahr hatte die deutsche Wirtschaft noch kräftig um 2,2 Prozent zugelegt.

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann sieht trotz des jüngsten Rückgangs der Wirtschaftsleistung keinen Grund zum Konjunkturpessimismus. Hinter dem Minus stecke vor allem ein Produktionseinbruch in der Kfz-Industrie, sagte Weidmann auf einer Veranstaltung am Mittwoch in Berlin laut Redetext. “Ausschläge der Zahlen nach oben und unten dürfen nicht darüber hinwegtäuschen: Der Wirtschaftsaufschwung in Deutschland und im Euroraum bleibt intakt.” Das geringere Wachstumstempo sei ein Ausdruck der gestiegenen Auslastung von Kapazitäten und zunehmender Engpässe am Arbeitsmarkt.

Nach Angaben des Wirtschaftsministerium sind für den Rückgang des deutschen Bruttoinlandsprodukts (BIP) im dritten Quartal Probleme der Autoindustrie bei der Umstellung auf den neuen Abgastest WLTP verantwortlich. “Die verbindliche Umstellung auf den neuen Prüfzyklus hat einen Zulassungsstau ausgelöst”, erklärte das Ministerium von Peter Altmaier (CDU) am Mittwoch. Der Aufschwung der deutschen Wirtschaft sei im dritten Quartal “nur unterbrochen” worden.

Der Teststandard WLTP gilt seit September für alle Neuwagen in der EU. Viele Autobauer kamen mit der Zertifizierung ihrer Autos jedoch nicht hinterher, im September brach der Neuwagenmarkt EU-weit um 23,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat ein. Das BIP dürfte dadurch “im dritten Quartal um bis zu 0,4 Prozentpunkte gedämpft worden sein”, erklärte das Ministerium.

Von: APA/dpa

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