Plus von 1,3 Prozent im November - Ökonom: Gravierender Konjunktureinbruch dürfte ausbleiben - Ifo: Unternehmen zurückhaltender bei Neueinstellungen

Deutsche Wirtschaft zuletzt über Vorkrisenniveau

Mittwoch, 23. Dezember 2020 | 10:14 Uhr

In Deutschland haben Industrie, Bau, Handel und Dienstleister im November trotz der neuen Lockdown-Maßnahmen im Kampf gegen die Coronapandemie erneut mehr Geld eingenommen. Der Umsatz der gewerblichen Wirtschaft wuchs saison- und kalenderbereinigt um 1,3 Prozent zum Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte. Im Oktober war das Plus mit 2,4 Prozent allerdings größer ausgefallen.

“Seit dem Tiefpunkt im April 2020 ist der Umsatz der gewerblichen Wirtschaft kontinuierlich angestiegen und lag zuletzt über dem Vorkrisenniveau”, hieß es. So fiel er im vergangenen Monat um 1,8 Prozent höher aus als im Februar 2020, dem Monat vor Beginn der Einschränkungen durch die Coronapandemie in Deutschland.

Commerzbank-Ökonom Marco Wagner sieht in der Entwicklung eine gute Nachricht für die deutsche Konjunktur. “Daher dürfte für die Gesamtwirtschaft im vierten Quartal ein erneut gravierender Einbruch ausbleiben”, sagte der Experte, der die Industrie und den Bau als wichtige Stützen ausmacht. “Dennoch wird es für die Menschen und die Wirtschaft ein schwieriges Winterhalbjahr bleiben”, warnte er. So sprächen die hohen Infektionszahlen dafür, dass der Lockdown über den 10. Jänner hinaus verlängert werde. “Viele Dienstleistungsbereiche liegen angesichts des mittlerweile ‘harten’ Lockdowns wieder am Boden”, betonte Wagner. “Daran dürfte sich vorerst wenig ändern.”

Die deutschen Unternehmen werden angesichts der zweiten Corona-Welle erstmals seit Monaten vorsichtiger mit Neueinstellungen. Das Ifo-Beschäftigungsbarometer fiel im Dezember um 1,2 auf 95,5 Punkte, wie das Münchner Institut zu seiner Umfrage unter 9.000 Firmen mitteilte. Das ist der erste Rückgang nach zuvor sieben Anstiegen in Folge. “Der harte Lockdown führt zu mehr Zurückhaltung bei Neueinstellungen”, sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe.

Im November wurden erste Beschränkungen im Kampf gegen die zweite Corona-Welle eingeführt. Seither müssen Restaurants geschlossen bleiben und dürfen allenfalls Außer-Haus-Service oder Lieferdienste anbieten. Auch Hotels dürfen nicht für Touristen öffnen. Die Maßnahmen wurden im Dezember verschärft, wobei nahezu fast alle Geschäfte geschlossen bleiben müssen – mit Ausnahme etwa des Lebensmittelhandels und anderer Läden des Alltagsbedarfs. Ökonomen gehen deshalb davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zu Ende gehenden vierten Quartal wieder schrumpfen wird: Das Essener RWI-Institut rechnet mit einem Minus von 1,7 Prozent. Im Sommer hatte es ein Rekordwachstum von 8,5 Prozent gegeben, das auf den historischen Corona-Einbruch von 9,8 Prozent im Frühjahr folgte.

Die Statistiker nutzen für den Einnahmen-Indikator die monatlichen Umsatzsteuer-Voranmeldungen. Das ermöglicht frühzeitige Aussagen – noch bevor die amtlichen Ergebnisse aus den Erhebungen nach Wirtschaftsbereichen vorliegen. Der Frühindikator weist den Angaben zufolge aber noch nicht die methodische Reife und Belastbarkeit amtlicher Statistiken auf und zähle daher zu den experimentellen Daten.

Von: APA/Reuters

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