Die Wirtschaft wird heuer schrumpfen

Deutsche Wirtschaftsweise erwarten heuer Rezession

Montag, 30. März 2020 | 11:42 Uhr

Die deutsche Konjunktur dürfte nach Ansicht der Wirtschaftsweisen wegen des Coronavirus nicht so stark einbrechen wie im Finanzkrisenjahr 2009. Die Ökonomen und Regierungsberater sagen für 2020 allerdings eine kräftige Rezession voraus. Vor allem im ersten Halbjahr dürfte ein starker Abwärtsstrudel nicht zu vermeiden sein, erklärte der Sachverständigenrat am Montag.

Die Experten spielen drei Varianten durch. Im Basisszenario – und derzeit wahrscheinlichsten Fall – schrumpft die deutsche Wirtschaft heuer um 2,8 Prozent und zieht im nächsten Jahr um 3,7 Prozent an. Im schlimmsten Fall würde das Bruttoinlandsprodukt (BIP) dieses Jahr um 4,5 Prozent schrumpfen und 2021 nur sehr langsam um 1,0 Prozent wachsen. Die Erholung hätte dann den Verlauf eines langen “U”.

Dazu könnte es den drei Wirtschaftsweisen zufolge kommen, wenn die gesundheitspolitischen Maßnahmen über den Sommer hinaus andauern und sich die Konjunktur erst 2021 wieder erholt. Die Regierung müsste dann wohl neue Hilfspakete schnüren.

“Die getroffenen Politikmaßnahmen reichen dann womöglich nicht aus, tiefgreifende Beeinträchtigungen der Wirtschaftsstruktur zu verhindern.” Verschlechterte Finanzierungsbedingungen und eine verfestigte Unsicherheit könnten zudem Investitionen bremsen und zu Kaufzurückhaltung der Konsumenten führen.

In einem weiteren Risikoszenario würde es bei großflächigen Produktionsstilllegungen und ebenfalls länger andauernden gesundheitspolitischen Maßnahmen zu einem Konjunktureinbruch von 5,4 Prozent kommen. Bei einer vergleichsweise schnellen Erholung (“V”-Form) könnte es 2021 aber mit 4,9 Prozent Wachstum wieder bergauf gehen.

“Voraussetzung für eine Rückkehr auf den Wachstumskurs ist die Eindämmung der Corona-Infektionen, so dass sich das soziale und wirtschaftliche Leben normalisiert”, betonte der Chef der Wirtschaftsweisen, Lars Feld. “Eine klar kommunizierte Normalisierungsstrategie kann die Erwartungen der Unternehmen und Haushalte stabilisieren und die Unsicherheit verringern.” Klare Worte trügen auch dazu bei, Erwartungen an den Finanzmärkten zu stabilisieren.

Die Politik sollte die Erholung flankieren. “Erstens sollten unternehmerische Kapazitäten über den Einbruch hinweg möglichst erhalten bleiben.” Das Maßnahmenpaket der Regierung zur Unterstützung von Firmen und Beschäftigten komme zur richtigen Zeit. Zudem sollten wirtschaftspolitische Maßnahmen helfen, die Einkommen zu stabilisieren.

Drittens sollte die nächste Zeit bestmöglich genutzt werden, um die Erholung und die langfristige wirtschaftliche Entwicklung zu unterstützen. Hier könnten etwa Weiterbildungen gefördert, Bauprojekte angeschoben und die Digitalisierung für Firmen und öffentliche Verwaltung vorangetrieben werden, heißt es in dem 101-seitigen Gutachten “Die gesamtwirtschaftliche Lage angesichts der Corona-Pandemie”.

Von: APA/ag.

Kommentare
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Eppendorf
Eppendorf
Universalgelehrter
2 Monate 8 h

So weise muss man nicht sein, um heuer eine Rezession vorherzusagen.

Mistermah
Mistermah
Kinig
2 Monate 7 h

@eppendorf
😂😂😂😂 habe mich auch gerade totgelacht 😂😂😂 5,4% 🙈 die Rezession begann schon im Jänner.. Chinas lockdown verschärfte sie. Jetzt steht ganz Europa und nun kommt die USA dazu. 3 Milliarden in Quarantäne. Kaufen fast nichts, reisen nicht usw. wann soll man diesen konsumausfall aufholen? Danach brauchen die Menschen das geld um schulden und das nötigste zu bezahlen. Es wird noch über dieses Jahr hinausgehen. Also 5,4% sind eine Beruhigungspille. Aber ja. Genau! Man zählt ja die Finanzwirtschaft auch dazu. Mit den Billionen aus dem nichts wird man viel Kosmetik betreiben. Doch die realwirtschaft hat zurzeit 80% Ausfall!

Zugspitze947
Zugspitze947
Universalgelehrter
2 Monate 8 h

Das ist so klar wie das AMEN in der Kirche. Die Frage ist wer die Probleme am Besten löst ! 🙂

OrB
OrB
Universalgelehrter
2 Monate 7 h

Naja so weise?, und die restliche Zeit alle 3 Monate die Prognosen korrigieren.

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