"Der Ukraine-Krieg macht uns alle ärmer"

Deutscher Finanzminister rechnet mit “Wohlstandsverlust”

Sonntag, 03. April 2022 | 14:20 Uhr

Der deutsche Finanzminister Christian Lindner rechnet wegen des Ukraine-Kriegs mit einem “Wohlstandsverlust” in Deutschland. “Der Ukraine-Krieg macht uns alle ärmer, zum Beispiel, weil wir mehr für importierte Energie zahlen müssen”, sagte der FDP-Chef. Auch die deutsche Industrie befürchtet schwere wirtschaftliche Folgen wegen des Ukraine-Krieges. “Für Deutschland sieht der konjunkturelle Ausblick sehr trübe aus”, so Industrie-Verbandschef Siegfried Russwurm.

“Diesen Wohlstandsverlust kann auch der Staat nicht auffangen”, sagte der liberale Lindner. Die deutsche Bundesregierung werde aber “die größten Schocks abfedern”, sagte er der “Bild am Sonntag” und ergänzte: “Ich habe ernsthafte Sorgen um die wirtschaftliche Entwicklung. Das Wachstum geht zurück, die Preise steigen.”

Bei einer Verschärfung des Konflikts und im Falle eine Lieferstopps russischer Energieimporte könnte Europas größter Volkswirtschaft nach Einschätzung der “Wirtschaftsweisen” ein Konjunktureinbruch drohen. Deutschland ist der mit Abstand wichtigste Handelspartner für Österreich – vor den USA und Italien.

Die extrem gestiegenen Verbraucherpreise werden für immer mehr Menschen zur Belastung. Etwa jeder siebente Erwachsene in Deutschland (15,2 Prozent) kann nach eigenen Angaben kaum noch seine Lebenshaltungskosten bestreiten, wie eine Yougov-Umfrage im Auftrag der Postbank ergab. Von den Befragten aus Haushalten mit einem monatlichen Nettoeinkommen von unter 2500 Euro gibt inzwischen fast ein Viertel (23,6 Prozent) an, wegen gestiegener Preise kaum noch in der Lage zu sein, die regelmäßigen Ausgaben zu stemmen.

Experten rechnen damit, dass der Krieg in der Ukraine Rohstoffe wie Gas, Öl, aber auch Weizen dauerhaft verteuern wird. “Angesichts aller Unsicherheiten, die der Beginn des laufenden Jahrzehnts mit sich bringt, ist eines klar: Wir erleben das Ende einer Ära billiger Rohstoffe”, sagte der Chef des luxemburgischen Rohstoffkonzerns Eurasian Resources Group (ERG), Benedikt Sobotka. Die internationalen Sanktionen trügen zu einem beispiellosen Preisanstieg bei.

Private Gasnutzer sollten nach Ansicht der Bundesnetzagentur schon jetzt höhere monatliche Abschläge auf ihren Verbrauch zahlen. “Viele Haushalte werden erst bei der Heizabrechnung im nächsten Jahr bemerken, wie stark der Preis gestiegen ist und die Nachzahlungen nicht stemmen können”, sagte der Präsident der Agentur, Klaus Müller, der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung”. Die Verbraucher dürften nicht zu spät mit den steigenden Kosten konfrontiert werden.

Die Grünen werben weiter für ein Tempolimit auf Autobahnen. Mit Blick auf angestrebte Energieeinsparungen sagte Parteichefin Ricarda Lang dem Redaktionsnetzwerk Deutschland: “Weil es ansonsten kaum Maßnahmen gibt, die schnell wirken, brauchen wir jetzt ein temporäres Tempolimit auf Autobahnen – zum Beispiel für neun Monate und damit bis zum Ende des Jahres, also dem Zeitpunkt, zu dem wir spätestens unabhängig von russischem Öl werden wollen.”

Ihr Koalitionspartner FDP lehnt ein Tempolimit weiterhin ab. FDP-Chef Lindner sagte, in der Krise durch die Corona-Pandemie und den Krieg in der Ukraine gebe es keine Zeit für ideologische Debatten. Die stark steigenden Preise hätten ohnehin schon dazu geführt, dass viele Menschen ihr Verhalten, ihre Fahrweise und ihren Konsum veränderten. Mehr als 8000 Betriebsräte fordern nach Angaben der IG Metall weitere Entlastungen für Arbeitnehmer. Ende März hatte die Koalition ein Paket zur Entlastung bei Energiepreisen vereinbart.

Erste öffentliche Schwimmbäder senken bereits die Wassertemperatur, wie die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen der “Neuen Osnabrücker Zeitung” sagte. Sollte Russland seine Gaslieferungen kappen, könnten städtische Bäder auch geschlossen werden. In niederländischen Behörden wird die Heizung um zwei Grad Celsius nach unten geregelt. Bürger sind aufgerufen, zu Hause höchstens auf 19 Grad zu heizen. “Ziehen Sie eine warme Jacke oder einen warmen Pullover, Socken und Hausschuhe an”, wird geraten. Wer daheim aktiv sei, könne den Thermostat noch ein Grad niedriger drehen.

Auch Unternehmen bereiten sich darauf vor, dass Gas knapp werden könnte. “Wir würden im Fall eines Embargos zunächst auf ölbasierte Treibstoffe und Stromgeneratoren umsteigen. Und wir hoffen, dass wir mit den nötigen Lieferungen unser Geschäft weiter betreiben können”, sagte die Chefin des Pharmakonzerns Merck, Belén Garijo, der “Welt am Sonntag”. Thyssenkrupp-Chefin Martina Merz unterstützte die Pläne der Bundesregierung, sich so schnell wie möglich ganz von russischer Energie zu lösen. “Selbst wenn das teuer wird und viele Unternehmen vor große finanzielle Herausforderungen stellt”, sagte Merz dem “Spiegel”. Einen abrupten Importstopp lehnt sie allerdings ab.

Die Metall- und Elektroindustrie warnte für den Fall eines Lieferstopps vor Benachteiligung. “Niemandem wäre damit gedient, wenn die Menschen bei 24 Grad zu Hause in der Wohnung sitzen, aber die Unternehmen, in denen sie arbeiten, zusammenbrechen”, sagte Gesamtmetall-Präsident Stefan Wolf der “Augsburger Allgemeinen”.

Der deutsche Agrarminister Cem Özdemir warnte in der Debatte um drohende Nahrungsmittelengpässe Ungarn vor Protektionismus. “Ich rate allen Staaten, hier vernünftig zu agieren. Ich sage das auch an die Adresse des EU-Mitglieds Ungarn”, sagte der Grünen-Politiker den Zeitungen der Funke Mediengruppe. “Wer seine Märkte schließt, handelt wie ein Brandbeschleuniger. Wenn das alle machen, fahren wir gegen die Wand. Dann schießen die Preise durch die Decke.”

Von: APA/dpa

Kommentare

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31 Kommentare auf "Deutscher Finanzminister rechnet mit “Wohlstandsverlust”"


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sepp2
sepp2
Superredner
1 Monat 21 Tage

Die ganzen Sanktionen bringen nichts,außer dass die Bevölkerung ärmer wird

Frank
Frank
Universalgelehrter
1 Monat 21 Tage

So sieht es aus.

Spiegel
Spiegel
Universalgelehrter
1 Monat 21 Tage

Sags den Deutschen sie haben Sanktionen auf den Rücken anderer Länder gemacht. Jetzt kommt die Quittung. Schadet nicht wenn ihr Deutschen weniger im Urlaub fährt

Italo
Italo
Superredner
1 Monat 21 Tage

@Spiegel 👍👍

tom
tom
Universalgelehrter
1 Monat 21 Tage

@Spiegel weniger ehrenamtliche Stauführer

kunstgis
kunstgis
Neuling
1 Monat 20 Tage

Da Südtirol eines der Lieblingsreiseziele von (uns) Deutschen ist, würde das alle im Tourismus Tätigen (und davon Abhängigen) sehr “treffen”…

Pitbulls
Pitbulls
Neuling
1 Monat 21 Tage

Wenn ich einen Krieg anzettele, EU und NATO, muss das Volk büßen und nicht die wahren Täter, sprich
Politiker. Geplante Zerstörung durch ein korruptes Globalregime!

So ist das
1 Monat 21 Tage

.. “Wohlstandsverlust” …

Das ist das Problem?
Na ja sicher nicht für die Politiker 🤭

Offline1
Offline1
Kinig
1 Monat 21 Tage

Hoffentlich werden wir Deutschen auch etwas demütiger.

So sig holt is
So sig holt is
Universalgelehrter
1 Monat 21 Tage

die richtigen, sprich Politiker und Großkonzerne, sollten sel gscheider a…

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 21 Tage

Wer gegen den Krieg ist, das sind die Allermeisten, muss das in Kauf nehmen! Damit muss aber auch das dauernde Geschrei nach Unterstützung aufhören! Wir alle wollen das, also sollten wir dafür auch bezahlen und nicht dauernd Geld fordern wo irgendwann keines mehr ist!
Unterstützung der Ämsten und der Rest soll sich einschränken!
Wir werden ärmer werden!!! Ist das bei unserem Lebensstandard so schlimm?

Mr.X
Mr.X
Tratscher
1 Monat 21 Tage

Mir wern a Kerzl für enk Politiker unzünden. 🙄

PuggaNagga
1 Monat 21 Tage

Das hätte ich seit dem ersten Tag vom Krieg verraten gekonnt. Gefragt hat ja niemand.
Uns wird es hart treffen. Nur wenige werden profitieren oder ohne Schaden davon kommen.
Es wird Arbeitnehmer und auch Unternehmer treffen. Wer zuerst weniger als 2.000€ verdient hat wird jetzt an die Grenze der Existenz kommen, Gutverdienende werden auch gravierende Einschnitte erleben, zwar nicht so schmerzhafte aber das ehemalige gewohnte Leben wird sich verändern.
Soviel ist fix.

Zugspitze947
1 Monat 21 Tage

Das müsste Jedem /der Klar sein ! Aber kein FReiden und Feiheit ohne Opfer ! 👌😝

Sag mal
Sag mal
Kinig
1 Monat 21 Tage

Zugspitze….DAS IST NICHT UNSER KRIEG!!!!!!!!Opfer sollen Die bringen Die nicht nachgeben.

Zugspitze947
1 Monat 20 Tage

Sag mal: ganz schön Dumm und egoistsich ! denn die Ukraine hat DAS RECHT auf FREIHEIT 🙂

Frank
Frank
Universalgelehrter
1 Monat 21 Tage

Herr Lindner persönlich wird sicher keinen Wohlstandsverlust erleiden oder gar akzeptieren. Im Reden schwingen war er schon immer ganz groß, wie seine Parteifreunde.

Statt, wie in anderen Ländern, die Bürger flott zu entlasten, wird ewig diskutiert, um dann lächerliche “Maßnahmen” zu beschließen.

Die Folgen der Sanktionen werden noch alle EU Bürger zu spüren bekommen, ganz zu schweigen davon, was passiert, wenn es der EU Führung nicht gelingt, China ihren Willen aufzuzwingen. Kommt es auch noch zu Sanktionen gegen China, wird es dank der Auslagerung fast aller Industrie dort hin zum Zweck der Gewinnmaximierung, richtig düster.

vitus
vitus
Superredner
1 Monat 21 Tage

NEIN!
Nicht der Krieg macht uns ärmer!
Irgendjemand hat entschieden uns ärmer zu machen, indem man z.B. Gas und Öl teurer macht.
Rissland hat bis heute Gas ( 40% unseres Stromes wird mit Gas erzeugt) und Öl ausreichend und pünktlich geliefert!
Einfach einen Grund für die Verteuerung herzunehmen.
Wenn Strom, Gas und Bezin teurer wird, wird automatisch alles teurer! Um etwas zu produzieren braucht man überall Strom und z liefern Treibstoff. Das bezahlt der Endkunde: WIR!

Sigo70
Sigo70
Superredner
1 Monat 21 Tage

Es ist wie in der Pandemie, die Maßnahmen schaden um einiges mehr, als sie nutzen!

hundeseele
hundeseele
Universalgelehrter
1 Monat 21 Tage

Irgendwer wird anderswo schon dafür reicher werden…..wahrscheinlich diejenigen,die jetzt schon reich sind,werden noch reicher werden.Wie das Sprichwort:Mein Geld ist nicht weg-es hat nur ein Anderer.

oli.
oli.
Kinig
1 Monat 21 Tage

Die deutschen jammern auf höchstem Niveau. Die Preise gegenüber anderer EU Ländern ist es recht billig in Deutschland.
Bin zwar auch Deutscher 1/2 , lebe in Deutschland , nur eine Rente von 70% da ich noch keine 63ig bin. Aber man kann sehr gut leben und genießen wenn man es nicht übertreibt.

Look_at_Yourself
Look_at_Yourself
Superredner
1 Monat 21 Tage

Na ja,
den Lindner eher nicht.

Buffalo
Buffalo
Tratscher
1 Monat 21 Tage

Diejenigen, die schon arm sind , bekommen dann einen Bonus?

Fantozzi
Fantozzi
Superredner
1 Monat 21 Tage

Ausser insre bauern….mog man lei gewisse viehzuchtbauern schaug. Audi q5 fohren olle tag essen gean und lei champagne saufen

Sag mal
Sag mal
Kinig
1 Monat 21 Tage

Fantozzi im Mittelalter würds heissen:der Bauer ist zum König geworden.

diskret
diskret
Tratscher
1 Monat 21 Tage

Des wär mal gut bei uns das ärmere zeiten kommen diese gierigen menschen nur bauen immer grösser kleiner bauer möchte grossen stall und noch ein neubau

Sigo70
Sigo70
Superredner
1 Monat 21 Tage

“Auch die deutsche Industrie befürchtet schwere wirtschaftliche Folgen wegen des Ukraine-Krieges”
Das Problem ist, dass wenn man sich aufgrund eines Krieges unüberlegt in beide Knie schießt, ist nicht der Krieg die Ursache für Knieschmerzen.
Die europäischen Sanktionen gegen Russland schaden uns um einiges mehr als Russland. Und solange die BRICS-Staaten zusammenhalten wird das auch so bleiben.

ghostbiker
ghostbiker
Superredner
1 Monat 21 Tage

Politiker natürlich ausgenommen

Waltraud
Waltraud
Kinig
1 Monat 21 Tage

Wer wird ärmer? Das Volk, aber nicht die, welche uns regieren. Heuchler.

Amadeus
Amadeus
Tratscher
1 Monat 21 Tage

Wir sind alle arm, werden durch den Ukraine-Krieg noch ärmer, wir Politiker. Ist das so gemeint? 
Ich nehme an, daß Arme ärmer werden, Reiche weniger reich bzw. viele durch den Krieg noch reicher. “Gut Dastehende” spüren die Teuerungen nicht so wie weniger “gut Dastehende”.
Berufstätige nicht Arbeitslose schon. 
Da das nicht mehr aufhören würde, glaube ich muß wohl jede Familie bzw. jeder Bürger individuell betrachtet werden.

Galantis
Galantis
Tratscher
1 Monat 20 Tage

..durch den Ukraine Krieg werden die meisten Bürger an Wohlstand verlieren, das stimmt! Nur die Diäten der Politiker nehmen zu, das hat Herr Lindner vergessen zu erwähnen!

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