Nagel: Kein Zweifel, dass Deutschland zu stabilen Preisen zurückkommt

Deutscher Wirtschaft steht 2023 nur milder Abschwung bevor

Montag, 02. Januar 2023 | 11:34 Uhr

Trotz anhaltender Inflationsgefahr und der massiven Coronawelle in China droht Deutschland im neuen Jahr voraussichtlich kein tiefer Wirtschaftseinbruch. Dies sieht die Bundesbank so und auch die Wirtschaftsweise Ulrike Malmendier. Die Top-Ökonomin erwartet zwar zwei Quartale mit schrumpfender Wirtschaftsleistung in Folge: “Aber mittlerweile bin ich so optimistisch zu sagen: Wir erleben keine Megarezession und schon gar nicht eine Deindustrialisierung Deutschlands.”

Das sagte Malmendier im Gespräch mit dem “Handelsblatt” am Montag. Auch Bundesbank-Chef Joachim Nagel geht davon aus, dass Deutschland mit einem milden Abschwung davonkommt.

“Und ich bin zuversichtlich, dass wir die hohe Inflationsrate mittelfristig in den Griff bekommen werden. Der EZB-Rat ist sich seiner Verantwortung sehr bewusst”, sagte Nagel in einem Interview der “Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen” (ZfgK). Das Statistikamt Eurostat legt am Freitag die Daten zu den Verbraucherpreisen in der Eurozone im Dezember vor. Experten erwarten einen Rückgang der Inflationsrate auf 9,7 von 10,1 Prozent im November.

Auch wenn der Preisauftrieb damit nicht mehr im zweistelligen Prozentbereich liegt, ist für die Europäische Zentralbank (EZB) noch keine Entwarnung angesagt. Nach der jüngsten Erhöhung um einen halben Prozentpunkt liegt der Einlagensatz, den Geldhäuser für das Parken überschüssiger Gelder von der Notenbank erhalten, bei 2,00 Prozent. EZB-Chefin Christine Lagarde machte deutlich, dass die Zinsen für eine gewisse Zeit weiter im Tempo von 0,50 Prozentpunkten steigen müssen, um den Preisauftrieb zu dämpfen.

Laut Malmendier stellen die hohen Energiepreise eine enorme Belastung für die Wirtschaft dar: “Die Unternehmen sind aber auch äußerst anpassungsfähig. Die Preise gehen schon wieder zurück.” Sie treibe zugleich eine andere Sorge um: “Mich beunruhigt die Lage in China”, sagte die Ökonomie-Professorin von der US-Universität Berkeley, die seit September Mitglied des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (SVR) ist.

Angesichts der Coronawelle in der Volksrepublik nach der abrupten Abkehr von dem strikten Null-Covid-Kurs und der daraus resultierenden wirtschaftlichen Folgen gelte es für Deutschland einen Notfallplan aufzustellen: “Wenn die chinesischen Häfen und Fabriken geschlossen werden, weil fast alle Beschäftigten krank sind, zieht das dramatische wirtschaftliche Folgen nach sich”, warnte die Ökonomin. Nach ihrer Ansicht würden dann die Lieferketten wieder einbrechen und damit die Preise für Rohstoffe und Vorprodukte enorm in die Höhe treiben. “Ich hoffe sehr, dass die Bundesregierung für diesen Fall schon Notfallpläne entwickelt.” Deutschland brauche einen “China-Schutz-Crashkurs”.

Chinas Staatschef Xi Jinping habe gemerkt, dass seine Null-Covid-Politik gescheitert sei: “Jetzt schwingt das Pendel auf die andere Seite aus: Peking verfolgt offenbar statt einer Null-Covid- eine Hundert-Prozent-Covid-Politik. Wenn aber die Lockerungen in China zu weit gehen, werden die Infektionszahlen explodieren”, warnte das Mitglied in dem Expertengremium, das die deutsche Regierung in Wirtschaftsfragen berät. Es gebe bereits Befürchtungen, dass es mehrere Millionen Tote geben könnte. Denn die Volksrepublik habe keinen funktionierenden Impfstoff.

Da es in Europa einen solchen gebe, wäre es aus Sicht Malmendiers gut, wenn China diesen zulassen und kaufen würde, um seine Bevölkerung zu schützen: “Gleichzeitig wäre das enorm wichtig für die Wirtschaft, sowohl in China als auch bei uns und anderen Handelspartnern.”

Von: APA/Reuters

Kommentare

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10 Kommentare auf "Deutscher Wirtschaft steht 2023 nur milder Abschwung bevor"


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Zugspitze947
1 Monat 6 Tage

Dieser Meinung bin ich auch 👌Trotz sehr schwacher Ampelregierung wir die robuste Wirtschaft DAS schon meistern ❤👌

Kinig
1 Monat 6 Tage

@Zugspitze947….nicht Auszudenken, wie gut✌️es Deutschland ginge, wenn die CDU an der Regierung wäre…..

sarkasmus
sarkasmus
Superredner
1 Monat 5 Tage

Robust? Wenn großteils teile und rohstoffe von fernost zugekauft oder gefertigt werden

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 5 Tage

@sarkasmus Was meinst du wie teuer diese “Teile” wären, wenn wir sie in Europa fertigen würden?

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 5 Tage

@Rudolfo Sollten wir ein “Einparteiensystem” einführen weil die CDU und nur diese die Weisheit gepachtet hat?

Kinig
1 Monat 6 Tage

Das hat Deutschland seiner starken Wirtschaft und seinen Hightech Qualitätsprodukten zu verdanken….

sarkasmus
sarkasmus
Superredner
1 Monat 5 Tage

Du meinst von den hitechchips, halbleiter die in china poduziert werden?

Zugspitze947
1 Monat 5 Tage

Rudolf :du sagst es und DAS wird noch lange so bleiben ,sofern es gelingt die Facharbeiterlücke nicht größer werden zu lassen 🙂

Kinig
1 Monat 5 Tage

@sarkasmus…solange die italienische Automobilindustrie das produziert, was sie produziert und darüberhinaus Gewinne auch noch in Holland versteuert, mache ich mir um den Absatzmarkt Italien für deutsche Qualitätsfahrzeuge keine Sorgen. Liest man hier doch ständig über die 🇩🇪 dominierten Fuhrparks (Audi, BMW, VW etc.) “reicher” Hoteliers, Unternehmer, leitender Angestellten und nicht zu vergessen Bauern….

Selbstbewertung
Selbstbewertung
Universalgelehrter
1 Monat 6 Tage

Wenn man letzthin so die deutschen Medien las, hatte man den Eindruck, als ob der völlige Ruin unmittelbar bevorstünde. Dantes burgatorio wäre nur ein kleiner Vorgeschmack! Deutschland versteht es anscheinend wunderbar, Stimmung gegen sich selbst zu machen und in kollektive Depression zu verfallen. Dabei könnte Deutschland nun stärker denn je aus der Krise hervorkommen. Einiges in diese Richtung wurde schon eingeleitet, indem man nicht mehr blind auf China setzt oder sich in einseitige und gefährliche Abhängigkeiten begibt.

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