Deutschland reagiert auf steigende Zahl mit mehr Mitarbeiter-Schutz

Deutschland will Homeoffice-Pflicht wieder einführen

Sonntag, 14. November 2021 | 18:51 Uhr

Angesichts der verschärften Corona-Lage in Deutschland wird die Homeoffice-Pflicht für Arbeitnehmer voraussichtlich wieder eingeführt. Das Arbeitsministerium legte einen entsprechenden Gesetzentwurf vor. Experten der angestrebten Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP berieten am Wochenende über das Vorhaben. In Österreich gab und gibt es lediglich die Empfehlung, Homeoffice zu nutzen, die Arbeit zuhause war auch heute bei der neuen Corona-Verordnung kein Thema.

In dem Entwurfstext des deutschen Ministeriums für ein geändertes Infektionsschutzgesetz mit Stand am Freitagabend heißt es: “Der Arbeitgeber hat den Beschäftigten im Fall von Büroarbeit oder vergleichbaren Tätigkeiten anzubieten, diese Tätigkeiten in deren Wohnung auszuführen, wenn keine zwingenden betriebsbedingten Gründe entgegenstehen. Die Beschäftigten haben dieses Angebot anzunehmen, soweit ihrerseits keine Gründe entgegenstehen.” Der Entwurf liegt der Deutschen Presse-Agentur vor. Zuvor hatten die deutsche “Bild am Sonntag” und das “Handelsblatt” darüber berichtet.

Wenn der Bundestag an diesem Donnerstag und der Bundesrat am Freitag zustimmen, kehrt Deutschland wieder zu einer Vorschrift zurück, die schon bis zum 30. Juni galt. Damals war die Homeoffice-Pflicht in der sogenannten Bundes-Notbremse verankert. Sie wurde aufgehoben, weil sich die Situation im Sommer verbesserte. Nun scheint den Verantwortlichen diese Maßnahme wieder angebracht. Derzeit gilt nach der Corona-Arbeitsschutzverordnung, dass Unternehmen zwei Tests pro Woche anbieten und Hygienepläne erstellen müssen.

Aus der Begründung zum aktuellen Gesetzentwurf geht hervor, dass der Arbeitgeber bei Bürotätigkeiten Homeoffice nur dann ablehnen kann, wenn dem “zwingende betriebliche Gründe entgegenstehen”. Solche Gründe “können vorliegen, wenn die Betriebsabläufe sonst erheblich eingeschränkt würden oder gar nicht aufrechterhalten werden könnten”, heißt es. Eine fehlende Technik-Ausstattung etwa mit Computern gelte nur vorübergehend als Verhinderungsgrund. Beschäftigte wiederum können dem Entwurf zufolge beispielsweise bei “räumlicher Enge, Störungen durch Dritte oder unzureichender Ausstattung” die Arbeit im Homeoffice ablehnen.

In den Ampel-Fraktionen wurde am Sonntag über die Details zu 3G am Arbeitsplatz und der Homeoffice-Pflicht intensiv beraten. Die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion, Katja Mast, teilte auf Anfrage mit: “Die erneute geplante Homeoffice-Pflicht ist richtig. Vermehrtes Homeoffice und 3G am Arbeitsplatz helfen, die vierte Welle zu brechen – auch um diejenigen zu schützen, die nicht zu Hause arbeiten können.”

Ein Sprecher der Grünen-Fraktion sagte, es sei zutreffend, dass die Ampel-Partner die Homeoffice-Pflicht wieder einführen wollten. Zuvor hatte der Grünen-Vorsitzende Robert Habeck 3G am Arbeitsplatz und eine wieder stärkere Nutzung von Homeoffice als dringend geboten bezeichnet.

Aus der FDP-Fraktion hieß es, man sei “für gute Vorschläge offen”. Die Freien Demokraten ließen durchblicken, angesichts der dramatischen Corona-Lage sei es “eher wahrscheinlich”, dass sowohl 3G am Arbeitsplatz als auch die Homeoffice-Pflicht für Büroarbeiten eingeführt werde.

Der Vorsitzende der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, Frank Werneke, bezeichnete 3G am Arbeitsplatz als “angemessen und notwendig”. “Wenn die Beschäftigten keinen Impfnachweis vorlegen müssen, bleiben ihre Persönlichkeitsrechte gewahrt”, sagte er der dpa. Es sei ihnen zuzumuten, nachweisen zu müssen, dass sie geimpft, genesen oder getestet seien. Die Überprüfung durch die Arbeitgeber könne “routinemäßig und schnell” geschehen. Für die Beschäftigten gelte: “Es ist viel bequemer, den Impfstatus offenzulegen. Aber wer das nicht möchte, kann sich vor Dienstbeginn testen lassen.”

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) äußerte sich Sonntagnachmittag ebenfalls positiv. “Klar muss allerdings sein: Niemand darf gezwungen werden, im Homeoffice zu arbeiten. Dass das Arbeiten von zu Hause aus nicht möglich ist, muss als Zuruf ausreichen”, sagte der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann in Berlin.

Von: APA/AFP

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

4 Kommentare auf "Deutschland will Homeoffice-Pflicht wieder einführen"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
Zugspitze947
18 Tage 13 h

DAS haben NUR die Arbeitgeber zu bestimmen ,denn Sie tragen das Risiko  und die Kosten 🙂 👌😊

Offline1
Offline1
Superredner
18 Tage 51 Min

@Zugspitze947….ist dir die ⚫🔴 gesetzliche !! Regelung, die bis 30.06.21 gegolten hat und nun wieder in modifizierter Form beschlossen und in Kraft gesetzt werden soll, entgangen ??

N. G.
N. G.
Universalgelehrter
18 Tage 4 h

Da lobe ich mir die USA. Da entscheidet allein der Arbeitgeber und ich wüsste nicht was das den Staat überhaupt angeht.
Die Arbeit, das Tagespensum muss gemacht werden und gut is!
Der Umwelt, um einuges weniger Berufsverkehr, wäre auch geholfen.

Zugspitze947
17 Tage 21 h

N-G.Da sind wir Einer Meinung ! Das geht den Staat gar NICHTS an ! 🙁

wpDiscuz