Renten und Zukunft der Kinder

Die Ängste der Südtiroler Arbeitnehmer

Montag, 20. Juli 2015 | 12:24 Uhr

Bozen – Die ersten Ergebnisse der neunten Ausgabe des AFI-Barometers machen deutlich, dass sich die Sorgen vor allem auf die Zukunft und weniger auf die heutige Lage beziehen. Den Arbeitnehmern bereiten vor allem ihre Renten und die berufliche Zukunft ihrer Kinder Kopfzerbrechen. Die Sorge um den eigenen Arbeitsplatz oder darum, heute nicht genügend Geld zum Leben zu haben, rücken dabei in die zweite Reihe. Dazu AFI-Präsident Toni Serafini: „Einerseits ist es positiv zu werten, dass die Arbeitnehmer dem wirtschaftlichen Aufschwung vertrauensvoll begegnen. Nur wenige von ihnen befürchten nämlich, ihren Arbeitsplatz zu verlieren. Andererseits sind jedoch die Einschätzungen über die Renten besorgniserregend. Hier bedarf es starker gewerkschaftlicher Interventionen.“

Das AFI | Arbeitsförderungsinstitut hat im Rahmen des AFI-Barometers die Sorge der Arbeitnehmer in Südtirol mit Bezug auf wichtige Lebensaspekte genauer beleuchtet. Angelehnt hat sich die Untersuchung an den Bericht der Europäischen Beobachtungsstelle für Sicherheit von Demos & Pi, der Beobachtungsstelle von Pavia und der Stiftung Unipolis, die sich mit der sozialen Wahrnehmung der Sicherheit in verschiedenen Lebensbereichen seitens der italienischen Bevölkerung befasst haben.

Das Ranking der Ängste

Aus der Untersuchung wird klar: Am meisten besorgt sind Südtirols Arbeitnehmer um ihre Rente. 84 Prozent der Befragten geben an, sehr bzw. eher besorgt zu sein, dass ihre Rente am Ende des Erwerbslebens nicht reicht, um damit ein würdevolles Leben führen zu können. „Dass dieses Thema eine hohe Priorität genießt ist schon aus einer vorhergehenden Ausgabe des AFI-Barometers bekannt. Dort hatten 60 Prozent der Befragten erklärt, einem Zusatzvorsorgefonds beigetreten zu sein oder dies zu beabsichtigen, um dadurch die staatliche Rente aufzustocken“, erklärt Irene Conte, die das AFI-Barometer betreut.

An zweiter Stelle im Ranking der Ängste steht die berufliche Zukunft der Kinder oder der Jugend im Allgemeinen (von 74 Prozent der Arbeitnehmer genannt). Südtirols Arbeitnehmer sind sich voll bewusst, dass der Eintritt in den Arbeitsmarkt für die junge Generation mit großen Schwierigkeiten verbunden ist (die Jugendarbeitslosenrate beträgt im Jahr 2014 laut ISTAT 12,4 in Südtirol und 42,7 Prozent in Italien). Umso schwieriger ist es für die junge Generation, ein stabiles Arbeitsverhältnis zu erhalten.

An dritter Stelle folgt die Sorge um die Wertverminderung der eigenen Ersparnisse, die zwei Drittel der Arbeitnehmer beunruhigt. „Tatsächlich ist die Lage an den Kredit- und Finanzmärkten nicht gerade rosig, wenn man bedenkt, dass die Erträge für viele Sparformen derzeit nicht einmal die Inflationsrate ausgleichen“, erklärt AFI-Direktor Stefan Perini.

Dass die Ressourcen für den Wohlfahrtsstaat noch weiter gekürzt werden könnten, ist für mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer (56 Prozent) Anlass zur Sorge, bei Schwierigkeiten nicht ausreichend Hilfe von der öffentlichen Hand zu erhalten, sei es nun in Form von Geld oder von Dienstleistungen.

Nicht zu unterschätzen ist auch der Umstand, dass die Hälfte der Arbeitnehmer sehr oder eher besorgt ist, nicht genügend Geld zum Leben zu haben, auch wenn sich diese Angst nur an die fünfte Stelle im Ranking reiht. Es stimmt zwar, dass Südtirol in Italien die Provinz mit dem höchsten Nominaleinkommen pro Kopf ist, allerdings sind auch die Lebenshaltungskosten entsprechend hoch. Die Lohnerhöhungen gleichen, wenn überhaupt vorgesehen, den inflationsbedingten Kaufkraftverlust nur selten aus.

Der Gedanke, die eigene Arbeit im fortgeschrittenen Erwerbsalter nicht mehr ausüben zu können, bereitet jedem zweiten Arbeitnehmer Sorgen. „Damit es nicht soweit kommt, ist es besonders wichtig, für eine hohe Arbeitsqualität zu sorgen, zum Beispiel durch Minimierung der Stressfaktoren und Aufbesserung des Arbeitsklimas. Andererseits muss aber auch die eigene Beschäftigungsfähigkeit stets hoch gehalten werden. Hier spielt das lebensbegleitende Lernen eine grundlegende Rolle“, betont Irene Conte.

An vorletzter Stelle steht die Angst, arbeitslos zu werden. Diese Daten spiegeln die Ergebnisse des allgemeinen Stimmungsbilds wider: Das Risiko des Arbeitsplatzverlustes wird von den Arbeitnehmern als relativ gering eingestuft.

Schließlich sind 24 Prozent der Befragten besorgt, Opfer eines Arbeitsunfalls zu werden. Diese Sorge betrifft aufgrund der starken männlichen Präsenz in besonders gefährdeten Sektoren vor allem die Männer (siehe zum Beispiel im Baugewerbe).

Weitere Ergebnisse am Freitag, 24. Juli

Die Ängste der Arbeitnehmer bilden einen der drei Themenblöcke des AFI-Barometers – Sommer 2015. Das aktuelle Stimmungsbild und der Themenblock „Ungleichheit & Entlohnung“ werden auf der Pressekonferenz am Freitag, 24. Juli um 10.30 Uhr im Palais Widmann vorgestellt.

Von: ©mk

Bezirk: Bozen