Analyse

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Registerarbeitslosigkeit

Donnerstag, 28. April 2022 | 16:56 Uhr

Bozen – Das Beschäftigungsniveau auf dem Südtiroler Arbeitsmarkt hat sich im Wesentlich von den Auswirkungen der Corona-Krise erholt. Aber wie verhält es sich mit der Arbeitslosigkeit? Diesem Thema widmet sich das neue Informationsblatt Arbeitsmarkt-News Nr. 4/2022 der Arbeitsmarktbeobachtung der Landesabteilung Arbeit.

“Es ist üblich, dass sich die Erholung auf dem Arbeitsmarkt verzögert auf den Abbau der Arbeitslosigkeit auswirkt”, informiert der Direktor der Landesabteilung Arbeit, Stefan Luther, und wartet mit der zuversichtlich stimmenden Nachricht auf, dass wiederum beinahe Normalwerte (ca. 17.000 eingetragene Arbeitslose) erreicht wurden. Dies ist bemerkenswert, denn durch die Corona-Pandemie und die Einschränkungsmaßnahmen lag die registrierte Arbeitslosigkeit besonders in den Monaten März bis Mai 2020 und am Beginn des Jahres 2021 auf einem Rekordniveau von knapp 30.000 Arbeitslosen.

Mehr Langzeitarbeitslose bei starkem Arbeitskräftemangel

Dennoch kann der Abteilungsdirektor keine gänzliche Entwarnung geben, denn “wir erleben eine vermeintlich widersprüchliche Gleichzeitigkeit: Einerseits hat sich die Anzahl der Langzeitarbeitslosen verdoppelt, andererseits gibt es einen starken Arbeitskräftemangel”. Durch die Krise konnten mehr Menschen als sonst ihre Arbeitsstelle beispielsweise im Tourismus, im Handel oder auch als Pflegehilfe nicht antreten. Und obwohl nun wieder ein hoher Bedarf gerade auch an diesen Berufsbildern besteht, ist ein beträchtlicher Teil dieser Menschen nun seit mehr als zwölf Monaten arbeitslos.

“Südtirol steuert auf eine Arbeitslosigkeit neuen Typs zu: weniger eine konjunkturbedingte, sondern eine, die durch Passungsprobleme gekennzeichnet ist: Arbeitslose und Arbeitsstellen kommen ohne Vermittlung nicht mehr zusammen”, argumentiert Luther. Da liege es nahe, zielgenaue Maßnahmen zu entwickeln, um die Passung zwischen Arbeitslosen und Arbeitskräftebedarf zu erhöhen.

GOL: Über sechs Millionen Euro im Jahr für die Beschäftigungsfähigkeit

Für Maßnahmen zur Verbesserung der Passung stehen über sechs Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung. Durch die Ende 2021 in Rom verabschiedete Beschäftigungsfähigkeitsgarantie “GOL-Garanzia di Occupabilità dei Lavoratori” wird Südtirol jährlich bis 2025 diese Summe zugewiesen. Es handelt sich um ein staatliches, primär mit europäischen Geldern finanziertes Vorhaben, das den absoluten Vorrang aktiver Arbeitsmarktpolitik vorsieht und Südtirol wie den italienischen Regionen strikte Leistungsvorgaben für Maßnahmen für Arbeitslose vorgibt.”

“Für den Vorrang der aktiven Arbeitsmarktpolitik stehen nun auch in Südtirol noch mehr Mittel zur Verfügung”, informiert der Landesrat für Arbeit, Philipp Achammer. Er weist darauf hin, dass die Voraussetzungen für die Verwendung dieser Gelder noch verbessert werden müssten: “Es geht um die Stärkung der Arbeitsvermittlung, um geeignete Maßnahmen wie Weiterbildung bis hin zur Umschulung. Hier ist seit 2020 ein politischer Paradigmenwechsel in Südtirol im Gang. Ich möchte Arbeitslose in Arbeit bringen und Betriebe bei der Arbeitskräfterekrutierung unterstützen. Das geht nur mit einer starken Arbeitsmarktverwaltung. Deshalb mein Bemühen, die Arbeitsvermittlungszentren entscheidend zu stärken. Denn noch immer müssen sich zu wenig Arbeitsvermittelnde um zu viele Arbeitslose gleichzeitig kümmern. Das ist weder wirtschaftlich noch sozial nachhaltig, schon gar nicht zielführend. Indirekt kann dies sogar die Inaktivität arbeitsloser Personen fördern.”

Von: mk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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1 Kommentar auf "Die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Registerarbeitslosigkeit"


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Rosenrot
Rosenrot
Superredner
23 Tage 22 h

Ich wage mal zu behaupten, dass diese Arbeitslosen keinen Bock aufs Arbeiten haben, denn freie Plätze gibt es genug. Ich würde denen das Arbeitslosengeld streichen, die einfachste Methode, sie wieder zum Arbeiten zu bewegen. Es geht auch einfacher.

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